Manuskripte

SWR3 Worte

Darf man eigentlich als Mann einer Frau noch die Tür aufhalten im Zeitalter des Feminismus? Die Autorin Margarete Stokowski gibt Hilfestellung:

Menschen dürfen einander immer noch Türen aufhalten, und das geht so: Wenn ich durch eine Tür hindurch gehe und jemand anders ist hinter mir, dann halte ich der anderen Person die Tür auf, egal wer es ist. Wenn wir beide gleichzeitig vor der Tür stehen und die andere Person trägt irgendwas in den Händen oder kann aus sonstigen Gründen schlechter als ich die Tür aufmachen, dann mache ich die Tür auf. Wenn wir beide gleichzeitig vor der Tür stehen und gleich gut die Tür aufmachen könnten, dann macht die Person die Tür auf, die auf der Seite des Türgriffs steht. Vieles im Feminismus ist extrem kompliziert, aber das mit der Tür ist wirklich sehr, sehr einfach.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/feminismus-ein-blumenstrauss-voller-einwaende-kolumne-a-1137612.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25806

Man kann es nicht leugnen: In der Welt geht es oft sehr ungerecht zu. Kann man da noch an einen Gott glauben? Kann es da einen Gott überhaupt geben, fragen sich viele. Die Psychologiestudentin Fatma Gezerler hat da eine kurze und knappe Antwort:

Ich glaube schon, dass es Gott trotz Ungerechtigkeit in der Welt geben kann. – Es gibt ja auch Friseure und trotzdem Leute, die mit einer schlechten Frisur rumlaufen.

CHRISMON-Plus, Ausgabe 10/2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25805

Es ist ein Vorteil, politische Probleme unaufgeregt und sachlich zu regeln. Der Theologe und Pfarrer Dirk Ahrens meint aber: Wir dürfen dabei das Träumen nicht vergessen. Er sagt:

Vieles ist besser geworden, aber die Atomraketen gibt es immer noch. Ebenso den Hunger, Armut und Ungerechtigkeit. […} Politikerinnen und Politiker suchen möglichst unaufgeregt nach Lösungen. Es ist gut, dass wir falsches Pathos durch große Sachlichkeit ersetzt haben. Aber wo die großen Träume mit ihren starken Bildern fehlen, geht leicht die Orientierung verloren […]

„Wacht auf und träumt weiter“ [heißt es dagegen bei den Propheten in der Bibel] Gebt euch nicht zufrieden mit den kleinen Erfolgen im Kampf gegen Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit, sondern lasst euch von der Hoffnung auf eine grundlegende Wandlung leiten!“

CHRISMON-Plus, Ausgabe 11/2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25804

Der Schriftsteller Josef Hader findet unser Leben recht unfrei und hat eine Idee, was einem dagegen wieder Freiheit schenken kann. Er sagt:

Unser momentanes Gesellschaftssystem hält uns dazu an, zu funktionieren wie ein Leistungssportler. Als wäre das Leben ein Fußballmatch, in dem wir möglichst viele Tore schießen und das Beste aus uns herausholen sollen. Es bringt aber gar nicht viel, sich Ziele zu setzen, die man aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Ich kann nichts anfangen mit dem amerikanischen Gedanken: Hier bin ich, dort ist das Ziel – und zu diesem Ziel werde ich unter allen Umständen kommen. Es liegt eine große Freiheit darin, zu sagen, ich schaue, was auf mich zukommt.

Galore Interviews, Ausgabe 26/2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25803

Kinder und Eltern haben nicht immer ein einfaches Verhältnis. Unter seinem Vater hat der Schriftsteller und Erfinder des Sams Paul Maar sehr gelitten und doch gab es auch versöhnliche Momente:

Er hat mir […] immer deutlich gezeigt, dass Lesen Zeitverschwendung sei. Stattdessen sollte man lieber etwas Handwerkliches machen. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam und ich saß im Sessel mit einem Buch, fragte er, ob ich nichts zu tun hätte. [aber] man hat mir erzählt, dass er mit meinem ersten Buch „Der tätowierte Hund“ unter dem Arm durch die Fußgängerzone gelaufen sei und nach Bekannten Ausschau gehalten hätte. Traf er jemanden, erzählte er, er habe das Buch zufällig dabei – und dass ich dafür sogar einen Preis gewonnen hätte.

Galore Interviews, Ausgabe 26/2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25802

Wenn ein Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommt, ist es oft ein Schock für die Eltern und die Angehörigen. Das kann sich aber auch alles wandeln. Conny Wenk hat mit Juliana eine 15-jährige Tochter mit Down-Syndrom und erzählt:

Ich werde oft gefragt, was ich sagen würde, wenn die gute Fee kommen und mir anbieten würde, das 47. Chromosom meiner Tochter wegzunehmen. Vor 15 Jahren hätte ich sofort „Ja“ gesagt. Heute ist es ein „Nein“. Juliana hat ein großes Herz und ist voller Liebe. Sie hat so viel davon, dass sie sie mit anderen gerne teilt. Durch sie habe ich gelernt, was wirklich wichtig ist im Leben. Als Juliana geboren wurde, habe ich mich gefragt: „Lieber Gott, was habe ich Schlimmes getan, dass du mich so sehr bestrafst?“ Heute bete ich jeden Tag: „Lieber Gott, was habe ich Gutes getan, damit du mich so reich beschenkst?“

Anders handeln, Andere Zeiten e.V., Ausgabe 2, 2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25801

Wie kann man wieder aus einer tiefen Trauer herauskommen? Kann einem da Gott helfen? Nikolaus Schneider und seine Frau haben ihre Tochter Maike durch eine Krebserkrankung verloren. Anne Schneider sagt:

Ob ihr früher Tod und all das Leiden gerecht waren, das muss Meike mit Gott abmachen, diese Klärung steht mir nicht zu. Aber ich konnte die Zumutung des Sterbens meiner Tochter für mich irgendwann neu sehen: Ich durfte in all dem Leiden eine solch intensive Nähe zu ihr und eine Tiefe des Lebens erfahren, in Glücksmomenten und auch in Momenten des Miteinanderweinens, wie es sie anders vielleicht nicht gegeben hätte. Zu dieser Lebenstiefe gehört der Moment ihrer Geburt wie der Moment, als sie in meinen Armen starb.

Anders handeln, Andere Zeiten e.V., Ausgabe 2, 2017

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25800