Manuskripte

SWR3 Worte

Der Schweizer Autor Pascal Mercier schreibt in seinem Buch „Nachtzug nach Lissabon“: 

„Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche ihre Schönheit und Erhabenheit. […] Ich will zu leuchtenden Kirchenfenstern hinaufsehen […] Ich brauche ihren Glanz. Ich brauche ihn gegen die schmutzige Einheitsfarbe der Uniformen. […]

Ich liebe betende Menschen. Ich brauche ihren Anblick. Ich brauche ihn gegen das tückische Gift des Oberflächlichen und Gedankenlosen.

Ich will die mächtigen Worte der Bibel lesen. [...] Ich brauche sie gegen die Verwahrlosung der Sprache und die Diktatur der Parolen.

 Eine Welt ohne diese Dinge wäre eine Welt, in der ich nicht leben möchte.“

 

Quelle: Pascal Mercier, Nachtzug nach Lissabon. Roman © Carl Hanser Verlag München 2004

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Die Grünen-Politikerin und Christin Kathrin Göring-Eckhardt über den Mut, den ein Mensch heute braucht:

„Er braucht […] Zum Beispiel den Mut, Menschen zu widersprechen, wenn sie gegen Flüchtlinge wettern […] wir sollten uns nicht abschotten! Solche Auseinandersetzungen müssen wir heute führen.“

„Und manchmal ist es ja so, dass man denkt: Sag ich das jetzt? Oder lass ich es lieber? Wenn ich es lieber lasse, kann ich in Ruhe weiter zu Hause Kaffee trinken. Wenn ich es sage, kann es sein, ich krieg richtige Schwierigkeiten. Diesen Mut braucht es […]  Dass wir wieder den Mut haben müssen uns auch nach außen zu zeigen, und zu sagen: Wir treten ein für unsere Freiheit, wir treten ein für unsere offene Gesellschaft und wir treten ein für die wunderbare Vielfalt in der wir leben.“ 

http://www.evangelisch.de/inhalte/142950/31-03-2017/katrin-goering-eckardt-ist-botschafterin-fuer-das-reformationsjubilaeum-gott-ist-wie-rhabarber

und

Videointerview auf http://www.evangelisch.de/inhalte/142950/31-03-2017/katrin-goering-eckardt-ist-botschafterin-fuer-das-reformationsjubilaeum-gott-ist-wie-rhabarber

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Der Journalist Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung denkt über christliches Vertrauen nach:  

„ Hilft in unsicheren Zeiten ein Versicherungsglaube – oder muss gerade dann ein christlicher Glaube sich aufs Verunsichernde einlassen, dem schwankenden Boden anvertrauen, im Vertrauen, dass er trägt? Der Versicherungsglaube, der in diesen Zeiten ja mächtig ist, scheint naheliegend und realistisch zu sein: Sichere das Eigene, schotte dich ab, bereite den Krieg vor, wenn du Frieden willst. […] Es stimmt: […] Predigten über Nächstenliebe beeindrucken Despoten aller Couleur nur selten so, dass sie von ihrem Tun lassen. Es stimmt aber auch andersherum:

Maschinenpistolen […] können keine friedliche und menschliche Gesellschaft schaffen. Dafür braucht es die Kraft der Verunsicherung, die nach dem […] Leben sucht, mutig, unverdrossen und im Vertrauen darauf, dass die Suche nicht vergebens ist.“

 

 © Matthias Drobinski „Die Nächstenliebe und der Nächste“, Süddeutsche Zeitung, 29.07.2017 , aus: aus: Kalender "Der andere Advent 2017/18, Verein Andere Zeiten, Hamburg.

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Karin Glaubitz fährt seit 35 Jahren Taxi in Berlin. Sie erzählt: 

„[...] ich biete jedem Fahrgast ein Gespräch an. Ich habe gelernt, dass viele Punker höflicher sind als Anzugträger, dass Schauspieler oft sehr schüchtern sind, […]. Und bei den Südländern erlebe ich oft, dass der Jüngere dem Älteren die Tür aufhält. […] Neulich fuhr ich junge Eltern, die mit ihrem Frühgeborenen endlich nach Hause durften. […]  Oder ich fahre ältere Frauen, die ihren Mann im Krankenhaus besuchen. Die erzählen mir dann wie das ist, 40 Jahre lang verheiratet gewesen und nun allein zu Haus zu sein. […] Es ist schade, dass ich nie erfahre, wie die Geschichten ausgegangen sind. Hat er den Job bekommen? Hat ihr Mann überlebt? [...]

Immer wieder merke ich: Es tut den Menschen gut, sich einer fremden Person anzuvertrauen. Vielleicht sollten wir viel öfter mit jemandem reden, der eine andere Perspektive auf die Dinge hat.“

 

©: aufgezeichnet von Viviane Pasquet für Brigitte Woman/Picture Press , aus: Kalender "Der andere Advent 2017/18, Verein Andere Zeiten, Hamburg.

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Der Pfarrer und Schriftsteller Christian Lehnert erinnert sich, wie er das erste Mal gebetet hat: 

Mein erstes Gebet war vermutlich, dass ich als Kind in der DDR von einer Tafel Schokolade, die in meinem Geschenkpaket aus dem Westen eingepackt war, ein Stück abgebrochen und auf die Fensterbank gelegt habe. Eine Art Opfer. Da stand keine Gottesvorstellung dahinter, denn ich bin zwar getauft, aber ohne jegliches religiöses Wissen aufgewachsen. Es war einfach das überwältigende Gefühl von Dankbarkeit: dass ich da bin, dass ich dieses schöne Päckchen bekommen habe...Dieses Glück musste man jemandem verdanken. Deswegen wollte ich davon ein Stück abgeben. 

 Text von Christian Lehnert: ©: Publik-Forum Dossier "Warum ich (nicht) bete", Oberursel, Dezember 2016. (best.) , aus: Kalender "Der andere Advent 2017/18, Verein Andere Zeiten, Hamburg.

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Der Schauspieler und ehemalige Leistungssportler Samuel Koch ist seit sieben Jahren vom Hals abwärts gelähmt. Er hat eine ganz eigene Sicht auf das Leben bekommen:  

„Menschen mit Down-Syndrom […] tun der Gesellschaft unendlich gut […]. Einmal weil sie meist ein sonniges Gemüt und eine unendliche Liebes- und Begeisterungsfähigkeit haben. Aber auch, weil sie mit wenigen Ausnahmen bei der modernen Leistungsgesellschaft nicht mithalten können und vielleicht nicht mal wollen. Das geht auch vielen anderen, nichtbehinderten Menschen so, nur ist es bei denen nicht so offensichtlich - dafür kriegen sie dann irgendwann einen Burnout […].

Vielleicht ist es daher unverzichtbar, dass es Leute wie die mit Down-Syndrom gibt oder auch wie mich, die nicht so reibungslos funktionieren und uns bewusst machen, dass Leistungsfähigkeit nicht der Maßstab für den Wert eines Menschen ist.“ 

Quelle: Samuel Koch: Rolle vorwärts. Das Leben geht weiter als man denkt, S. 176. adeo-Verlag, 2015.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25593

Der Fußballer David Alaba vom FC Bayern schickte kürzlich per Videobotschaft einen besonderen Morgengruß aus München: 

Ich hoffe ihr habt alle gut geschlafen, konntet euch gut ausruhen [...] ich möchte euch einfach was mitgeben um gut in den Tag zu starten. Ein Kapitel aus der Bibel, Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. Er gibt mir neue Kraft. […] Und geht es auch durch dunkle Täler, so fürchte ich mich nicht, denn du Herr bist bei mir. [...]“

David Alaba sagt dann, was ihm diese Bibelverse bedeuten: „[...] Mir gibt es persönlich wirklich sehr viel Kraft, viel Stärke – nicht falsch versteh´n, ich bin genauso nicht perfekt, und hab genauso immer wieder meine Probleme, und die versuch ich einfach in Gottes Hand zu legen und Tag für Tag den Weg mit ihm zu gehn.“ 

 Quelle: Facebook-Seite von David Alaba, https://www.facebook.com/david.alaba.10888/videos/1484436618282156/

ebenfalls zu sehen auf: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/david-alaba-liest-seinen-fans-aus-der-bibel-vor

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25592