Manuskripte

SWR3 Worte

Der Schriftsteller Joachim Ringelnatz über das Leben:

Und auf einmal merkst du äußerlich: Wie viel Kummer zu dir kam. Wieviel Freundschaft leise von dir wich. Alles lachen von dir nahm.

Fragst verwundert in die Tage. Doch die Tage hallen leer. Dann verkümmert deine Klage … Du fragst niemanden mehr.

Lernst es endlich, dich zu fügen. Von den Sorgen gezähmt. Willst dich selber nicht belügen. Und erstickst, was dich grämt.

Sinnlos, arm erscheint das Leben dir. Längst zu lange ausgedehnt.

Und auf einmal: Steht es neben dir, an dich gelehnt.

(Was?)
Das, was du so lang ersehnt.

 

Quelle: Joachim Ringelnatz: Und auf einmal steht es neben dir, zittert nach: Die Mitarbeiterin. Werkheft der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Ausgabe 5/ September-Oktober 2011, 21.

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Die Autorin Marlies Rath hat eine Freundin, die mit ihr durch Dick und Dünn geht. In einem Brief hat sie sich dafür bei ihr bedankt:

Ich kann dich anrufen, wann immer ich es möchte: am frühen Morgen – zu später Stunde. Ich kann dir alles erzählen: Vertrauliches und Belangloses. Ich kann mit dir in Erinnerung schwelgen oder über Zukünftiges reden. Du kennst meine Gefühle und meine Schwächen. Du hörst mir auch dann noch zu, wenn ich zum wiederholten Male dasselbe erzähle. Du sagst mir unverblümt, was du denkst. Du akzeptierst meine Meinung, auch wenn sie nicht mit deiner übereinstimmt. Ich kann mit dir lachen und übermütig sein. Du teilst meine Freude und meine Traurigkeit. Du richtest mich auf, wenn ich mutlos bin. Du bist immer für mich da. Danke.

Quelle: Marlies Rath, An meine Freundin, in: Eine Freundin wie du ist einfach unersetzlich (Der rote Faden No. 43), 2012 Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, Münster.

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Der Theologe und Kirchenvater Augustinus hat sich vor über 2000 Jahren Gedanken über die Zeit gemacht.


Wollen wir uns über die Zeiten beklagen?

Nicht die Zeiten sind gut oder schlecht.

Wie wir sind, so sind auch die Zeiten.

Jeder schafft sich selber seine Zeit!

Lebt er gut, so ist auch die Zeit gut, die ihn umgibt!

Ringen wir mit der Zeit, gestalten wir sie!

Und aus allen Zeiten werden heilige Zeiten.

 

Quelle: Augustinus, zitiert nach: https://www.aphorismen.de/zitat/74168 (letzter Zugriff: 25.07.2017)

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Ein Heiligenschein kann Fluch oder Segen sein. Für den Theologen Klaus Vellguth ist es eher schwierig mit so einem Ding rumzulaufen. Er schreibt:

Es ist ganz schön anstrengend, den ganzen Tag über seinen eigenen Heiligenschein hochzuhalten. Ganz abgesehen vom ungeheuren Zeitaufwand, den es erfordert, dieses Accessoire mehrmals täglich zu polieren.

Wer sich selbst und anderen in die Augen schauen kann, wird auf solches Blendwerk gern verzichten.

Quelle: Klaus Vellguth, Plädoyer für „oben ohne“, in: Marcus C. Leitschuh, Fit für Gott, Gebete und Texte für junge Christen, Pattloch, Augsburg 1998, S. 128.

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Ich habe einen Adventskalender, der über den Advent hinaus bis ins neue Jahr geht. Heute kriege ich eine Denkaufgabe.

Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag. Weihnachten ist noch da, aber irgendwie auch schon wieder vorbei. Die Lichterketten leuchten noch, unter dem Tannenbaum liegen die Geschenke, die Plätzchendose ist noch halb voll. Und doch gibt es ab morgen schon Silvesterraketen und 50% Rabatt auf Weihnachtsartikel. Und bald stehen die Osterhasen im Supermarktregal.

Wir sind auf dem Sprung.

Manche sind froh, dass sie es bald geschafft haben, sehen sich nach entspannten Tagen und springen raus aus der Weihnachtszeit. Andere sind noch im Höhenflug und in Weihnachtslaune, bedauern dass es so schnell vorbei ging und warten gespannt auf das, was jetzt kommt.

Wo bist du? (…)

Quelle: Art. Auf dem Sprung, in: Wernauer Adventskalender 2013, Hrsg. Diözese Rottenburg-Stuttgart, 2013 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, S. 26. Dezember.

 

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Über das Geschenk von Weihnachten schreibt der Theologe und Kirchenvater Augustinus:

Welch größeres Geschenk hätte Gott vor unseren Augen aufleuchten lassen können als dieses: dass er seinen Sohn zum Menschen werden ließ, damit jeder Mensch ein Kind Gottes werden kann? Wessen Verdienst ist dies? Welchen Grund gibt es dafür? Denke darüber nach und du wirst nur eine Antwort finden: Alles ist Geschenk.

 

Quelle: Augustinus, zitiert nach:Der Andere Advent 2016/17, Andere Zeiten e.V., Initiativen zum Kirchenjahr, Hamburg, Sa, 24.12. Heiligabend.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25620

Heute muss es laufen! Schließlich ist Heilig Abend. In meinem Adventskalender steht dazu folgendes:

Alles muss perfekt sein. Und friedlich muss es sein. Und ruhig! Das ganze Wohnzimmer soll strahlen und duften. Und der Christbaum muss glänzen und leuchten…

….naja, er steht noch ein bisschen schief und so ganz ideal sind die Zweige auch nicht. (Ich hätte einen anderen genommen.) Aber das kriegen wir schon hin. Wenn nur nicht jeder immer an den Lichterketten rumnörgeln würde.

Was würden Maria und Josef wohl über unseren Perfektionismus denken? Nix war perfekt damals! Der Stall nicht wohlig warm, die Krippe nicht gemütlich und kuschelig, die Hirten gehörten nicht zur Familie, die Geburt war anstrengend und gefährlich, wenn überhaupt, dann „duftete“ es nach Tiermist, es gab keinen Punsch, keine Plätzchen, keinen Braten,… . Ein Worst-case-Szenario, aber alle habens überlebt.
Und wir diskutieren über Neigungswinkel von Zimmerbäumchen…

Quelle: Art. Alles muss perfekt sein, in: Wernauer Adventskalender 2013, Hrsg. Diözese Rottenburg-Stuttgart, 2013 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern, S. 23. Dezember.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25619