Manuskripte

SWR3 Worte

Heinrich Albertz war Pfarrer und Politiker, er schreib:

Ich habe einmal als Strafgefangener in der Festung Glatz in einem Keller gesessen […] – acht Tage. Acht Tage gab es kein Licht. Sie wollten uns damit mürbe machen. Aber wenn man genau hinsah, konnte man tagsüber durch die Ritzen der schweren Türen einen blassen Schein sehen. Und wenn wir zum Essenfassen hinausgeführt wurden, waren wir wie geblendet. Seitdem […] weiß ich, was Licht ist. Licht erkennt man immer erst, wenn man die tiefste Finsternis erfahren hat. Licht ist dann Befreiung, ist dann Leben.

Ach! Das kleine Buch vom großen Staunen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25474

Worauf sollten diejenigen achten, die derzeit als Engel unterwegs sind? Dazu hat sich Khalil Gibran, libanesischer Dichter zwischen den Religionen Gedanken gemacht.

Ihr sollt nicht eure Flügel falten, damit ihr durch Türen kommt, noch eure Köpfe beugen, damit sie nicht gegen die Decke stoßen, noch Angst haben zu atmen, damit die Mauern nicht bersten und einstürzen. Ihr sollt nicht in Gräbern wohnen, die von Toten für die Lebenden gemacht sind. Und obwohl von Pracht und Glanz, sollte euer Haus weder euer Geheimnis hüten noch eure Sehnsucht beherbergen.

Denn was grenzenlos in euch ist, wohnt im Palast des Himmels, dessen Tor der Nebel ist und dessen Fenster die Lieder und die Stille der Nacht sind.

der andere Advent 2013/14, Andere Zeiten e.V. Tag?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25473

An Heilig Abend werden bei uns wieder um die 400 Leute in der Kirche ein gutes Essen mit Braten und Plätzchen bekommen, dazu Geschenketüten, Musik und ein offenes Ohr. Die Gäste sind Einsame und Streuner, Rentnerinnen, Hartz IV-Empfänger mit eiskalten Wohnungen und Obdachlose, Verlorene und Verwirrte. Eine Ehrenamtliche meint dazu:

 „Weihnachten mit der Familie unter dem Baum zuhause zu sitzen, die Geschenke, das Essen und den guten Wein zu genießen ist eins. Aber hier in dieser Nacht für andere da zu sein, da wird noch einmal ganz anders eine Heilige Nacht.

Die Geschichten zu hören von Menschen, die sonst einfach nur draußen wären und zu erleben wie die strahlen über das Essen und ihre Geschenke; da hörst du auf einmal die Engel im Himmel ganz laut singen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25472

Heute ist Nikolaustag. Er erinnert an einen ganz besonderen Bischof, der im dritten Jahrhundert gelebt hat. Warum er bis heute wichtig ist, erklärt der Theologe Hinrich C.G. Westphal so:

Eigentlich könnte es uns egal sein, dass einst ein Bischof einer hungernden Hafenstadt Kinder mit Essen versorgte. Aber es ist die Erinnerung an Ängste und Träume; Schiffe und Sehnsucht,
beten und Wunder, die uns diese Geschichte gerade im Advent nächtens und liebevoll vor die Tür und in die Schuhe schiebt.

Ach! Das kleine Buch vom großen Staunen, S. 18, Macke, Niemeyer, Westphal: Andere Zeiten e.V. 2007

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25471

Derzeit gibt es in der Bundesrepublik nur noch 1,3 Millionen Sozialwohnungen, nur noch ein Drittel dessen, was es vor 30 Jahren in Westdeutschland gab.
Was das nicht nur für die Ärmsten, sondern zunehmend auch für die Mittelschicht bedeutet, erklärt der Bonner Sozialpsychologe Rainer Banse so:

"Es ist psychologisch einfacher, aus sicherer Distanz zu mutmaßen, dass Obdachlose ihr Schicksal selbst gewählt haben oder daran schuld sind, als in einem Gespräch zu erfahren, dass sie womöglich ohne eigenes Verschulden ihre Wohnung verloren haben.

Das würde ja bedeuten, dass es uns alle schuldlos treffen kann. Dies könnte letztlich unseren tief verwurzelten Glauben an eine gerechte Welt zerstören. Das macht uns Angst, damit wollen wir nicht konfrontiert werden." Es ist, als wären Wohnungslose eine Art böser Spiegel,  in dem wir uns selbst erkennen könnten – und deshalb gar nicht erst hineinschauen.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/obdachlosigkeit-wohnungslose-vorurteile-grossstaedte-mietpreise

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25470

Viermal so viele Menschen wie vor 10 Jahren sind in diesen Tagen obdachlos. Was das für die Betroffenen bedeutet, beschreibt der Journalist Timo Reuter so:

Wer dazu in der Lage ist, wahrt den bürgerlichen Schein und versteckt seine Not unter sauberen Klamotten. Doch das kostet viel Kraft.
….
Selbst wer genau hinschaut, sieht nur einen Teil der Betroffenen: diejenigen, die ihr Leid nicht mehr verstecken können.

Der Rest bleibt im Verborgenen. Und so verschwinden (hinter den Einzelschicksalen und unseren Stereotypen davon) auch die wahren Gründe für den massiven Anstieg der Wohnungslosigkeit. Und die gehen uns alle an, ob wir nun hinschauen oder nicht.
……
"Zwar sind Schicksalsschläge wie Trennung, Krankheit oder Jobverlust oft Auslöser für den Wohnungsverlust, aber die gesellschaftlichen Wirkkräfte, die zum massiven Anstieg der Wohnungslosigkeit führen, ind die zunehmende Verarmung und die Wohnungsnot".

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-11/obdachlosigkeit-wohnungslose-vorurteile-grossstaedte-mietpreise

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25469

Dezember-Psalm von Hanns Dieter Hüsch

Mit fester Freude,
lauf ich durch die Gegend.
Mal durch die Stadt,
mal meinen Fluss entlang. Jesus kommt.
Der Freund der Kinder und der Tiere.
Ich gehe völlig anders.
Ich grüße freundlich,
möchte alle Welt berühren.

Mach dich fein. Jesus kommt,
schmück dein Gesicht.
Schmücke dein Haus und deinen Garten.
Mein Herz schlägt ungemein,
macht Sprünge.

Mein Auge lacht und färbt sich voll,
mit Glück. Jesus kommt.
Alles wird gut

Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage, Hanns Dieter Hüsch

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25468