Manuskripte

SWR3 Worte

Martin Luthers Bibelübersetzung war der Bestseller seiner Zeit. Das lag auch an seinem ganz besonderen Verhältnis zu diesem Buch der Bücher. Er selbst hat es im Jahr 1509 handschriftlich in seiner Bibel so beschrieben:

Das kann kein anderes Buch, Lehre noch sonst etwas: Trösten in Nöten, im Elend und im Sterben, ja unter den Teufeln und in der Hölle. Allein dieses Bibelbuch kann das, das uns Gottes Wort lehrt und darin Gott selbst mit uns redet wie ein Mensch mit seinem

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Martin Lutherwar nicht nur der große Reformator, er war auch ein Seelsorger, der den Menschen geholfen hat bewusster zu leben. Zum Beispiel indem er sagte:

Der Tod kommt euch ins Haus. Aber wann die Stunde sein wird, ist euch unbekannt. Darum wartet nur auf diese Stunde. Man soll arbeiten, als wollte man ewig leben, und doch so gesinnt sein, als sollten wir diese Stunde sterben

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Viele Menschen fragen sich wie es wohl aussieht das Leben nach dem Tod. Was aus unseren Seelen wohl wird. Martin Luther hat ein schönes Bild dafür gefunden. Er schrieb:

Alsbald die Augen zugetan, wirst Du auferweckt werden. Tausend Jahre werden sein, als ob Du eine halbe Stunde geschlafen hättest. So, wie wir, wenn wir nachts die Uhr nicht hören, die Zeit nicht wissen, wie lange wir geschlafen haben, sind im Tod tausend Jahre vergangen. Und ehe sich einer umblickt, ist er ein schöner Engel.

 

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Martin Luther war eine streitbare und umstrittene Persönlichkeit. Sein Freund und Wegbegleiter Philipp Melanchthon hat versucht zu beschreiben was diesen Menschen ausgemacht hat. In seiner Trauerrede sagte er:

Jeder, der ihn genauer gekannt hat und oft in seiner Nähe gewesen ist, muss bezeugen, dass er ein sehr gütiger Mann war, im Umgang mit anderen milde, freundlich und sanft und gar nicht frech, stürmisch, eigensinnig oder zänkisch. Und doch lag gleichzeitig Ernst und Festigkeit in seinen Worten und Gebärden, wie es einem solchen Manne zukommt. Daher ist es offenkundig, dass er die Härte, die er gegen die Feinde der reinen Lehre anwandte, nicht auf ein zänkisches und boshaftes Gemüt zurückzuführen war, sondern auf ein großes ernstes Streben nach Wahrheit.

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Heute vor 500 Jahren begann mit dem Thesenanschlag Martin Luthers die Reformation. Nach jahrhundertelanger Feindschaft sind die verschiedenen christlichen Konfessionen so weit, dass sie die Vorzüge der jeweiligen Andersartigkeit auch schätzen können. So zum Beispiel den typisch protestantischen Mut. Walter Jens hat ihn so beschrieben:

Ich sehe das protestantische Prinzip sehr deutlich vor mir: Es lautet: Zeige bei allem, was du tust, als ein vor Gott gerechtfertigter Mensch Courage. Courage gegenüber den großen „Hansen“ in der Welt und gegenüber den großen und kleinen „Päpsten“ in der Kirche. Der entscheidende reformatorische Satz lautet: Wir haben den Glauben an die Autorität durch die Autorität des Glaubens ersetzt. Dieser Satz ist nie widerlegbar und darum Dank an Martin Luther.  

 

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Weltspartag steht heute in meinem Kalender. Und morgen ist das große Reformationsjubiläum. Dazu passt folgende Geschichte, die Martin Luther erzählt hat:

Es lief ein Hund durch einen Wasserstrom und hatte ein Stück Fleisch im Maule. Als er aber das Spiegelbild vom Fleisch im Wasser sieht, wähnt er, es wäre auch Fleisch, und schnappt gierig danach. Da er aber das Maul auftat, entfiel ihm das Stück Fleisch und das Wasser führt’s weg. Also verlor er beide. Das Fleisch und das Spiegelbild davon. Lehre: Man soll sich genügen lassen an dem, was Gott gibt. Wer das wenige verschmäht,   dem wird das Größere nicht zuteil.

 

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 Eine gute Predigt ist schon eine Kunst. Martin Luther war wohl ein sehr guter Prediger. Und wusste auch was dazu gehört. Er hat 10 Fähigkeiten beschrieben, die einen guten Prediger ausmachen:

Erstens soll er ein guter Didaktiker sein. Zweitens soll er einen feinen Kopf haben, drittens wohl beredt sein. Viertens soll er eine gute Stimme haben, fünftens ein gutes Gedächtnis. Sechstens soll er wissen aufzuhören. Siebtens soll er in seiner Sache fleißig sein. Achtens soll er Leib und Leben dran setzen. Neuntens soll er sich von jedermann verspotten lassen. Zuletzt soll er alles geduldig ertragen.

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