Manuskripte

SWR3 Worte

Viele wünschen sich im Leben vor allem Erfolg. Aber was ist eigentlich Erfolg? Der Theologe Jürgen Moltmann sieht das so:

„Keiner ist vollkommen, […] immer wieder stoßen wir an Grenzen und erfahren das Scheitern unserer Lebenspläne. […] Worauf es in solchen Lebenserfahrungen ankommt, ist der neue Anfang.

Wenn ein Kind hinfällt, ist es nicht schlimm, es lernt dann das Aufstehen. Christlicher Glaube ist im wörtlichen Sinn Auferstehungsglaube. Er gibt die Kraft zum Aufstehen und die kreative Freiheit […] wieder etwas […] von neuem zu beginnen. […]

‚Ein neues Leben beginnt‘: Das ist die wahrhaft revolutionäre, weil innovative Kraft der christlichen Hoffnung.“

Jürgen Moltmann, Ewiger Anfänger, in: Ders.: Im Ende – der Anfang

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Die Blätter der Bäume wechseln ihre Farben. Wie erleben Sie den beginnenden Herbst? Der Schriftsteller Max Feigenwinter fragt da genauer nach:

„Freuen wir uns an den intensiven Herbstfarben
oder sehen wir nur welke, sterbende Blätter?

Sind wir dankbar für die reifen Früchte
oder bedauern wir, dass der Sommer zu Ende geht?

Genießen wir den bunten Herbstbaum
oder ärgern wir uns über das Laub am Boden?

 Nehmen wir an, was ist
oder trauern wir Vergangenem nach?

Leben wir diese Zeit, die niemals wiederkehrt!“

Max Feigenwinter in: Bunte Herbstfarben wünsch ich dir; http://www.maxfeigenwinter.com/gedichte-zitate/

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Dem Morgenblues mit einem Gebet entgegentreten - das klingt bei der Schweizer Psychotherapeutin Sabine Naegeli so:

„Im Morgengrauen, wenn die Gedanken noch voller Nacht sind,
lass mich vor Dir sein, mein Gott.

Wenn die Müdigkeit nicht von mir weichen will und der Tag mir schon unerbittlich seine Fragen stellt, lass mich spüren, dass Du bei mit bist.“

Sabine Naegeli, Bei Tagesanbruch
In: Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg

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Ganz bei sich zu sein – das ist nicht nur für das Gelingen vom gemeinsamen Singen wichtig. Der Regisseur Christoph Roos sieht das so: 

„Beim gemeinsamen Singen muss die Stimme des einzelnen […] mit denen der anderen Sänger und Sängerinnen zusammenfinden und ein Teil des Gesamtklanges werden. […] Erst so kommt es zum harmonischen Klang, in dem jede Stimme aufgehoben und gleich viel wert ist. […]

Das ist eine Utopie, die über das gemeinsame Singen hinausgeht: Wer ganz bei sich ist, seinen „Grundton“ gefunden hat, kann in einer Gesellschaft friedlich existieren, weil er keine Angst vor der Unterschiedlichkeit der vielen fremden Stimmen um sich herum hat.“

Christoph Roos – im Interview mit Kay Pollak

Die Kraft der Musik. Christoph Roos inszeniert zum Spielzeit Auftakt am Tübinger Landestheater „Wie im Himmel“, geschrieben von Kay Pollak.

In: Schwäbisches Tagblatt, Donnerstag, 24. September 2015, Regionale Kultur

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Der Schriftsteller Detlef Block liebt das Leben und hält daran fest, auch wenn ihn der Alltag manchmal eines Besseren belehrt:

Schön zu leben, sage ich,
Obwohl vieles dagegen spricht. Ich weiß, und wer wüsste nicht!

Schön zu leben,
mit der Schlüsselblume in der Hand und dem Staub, den wir von den Füßen schütteln. […]

Schön zu leben,
weil es Dich gibt, Nazarener, und dein Manifest der Hoffnung, an das ich glaube.

Schön zu leben,
sage ich uneingeschränkt. Es wird viel zu wenig gesagt.

Detlev Block, Schön zu leben in: Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg

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Bei Religion, so meinen viele, gehe es vor allem um Regeln und Vorschriften. Die Theologin Dorothee Sölle sieht das anders. Bei Religion, so erläutert sie, gehe es um das Lebensglück, oder wie sie es formuliert um das Glück, sein Leben als ganz und vollständig wahrzunehmen. Sie erzählt:

Menschen haben […] das Bedürfnis nach einem unzerstückten Leben. Das alte Wort […] »Heil« drückt genau dieses Ganz-Sein, dieses Unzerstückt-Sein und Nicht-kaputt-Sein aus.

Es ist zugleich der Wunsch nach einem Leben, in dem wir ohne Berechnung und ohne Angst […] lieben, hoffen und glauben können. Alle diese Erfahrungen sind mit einem intensiven Glücksgefühl verbunden, und eben um dieses Glück des Ganz-Seins geht es in der Religion.

Dorothee Sölle Titel: Der Wünsch, ganz zu sein, in:  Dies: Die Hinreise

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Warum ist es so ein Segen, Freunde zu haben? Der Schriftsteller Albrecht Gralle beschreibt das so:

„Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln, und sie fragen ‚Kaffee oder Tee?‘.
Freunde können es sich leisten bei einem Witz, den du erzählt hast, nach der Pointe zu fragen.
Freunde erleben Dich mit verklebten Augen, ungewaschenen Haaren und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Schönheit.
Freunde machen es so ähnlich wie Gott: Sie mögen dich so wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst.“

Albrecht Gralle, Freunde in: Als ob. Ein Jugendbuch für andere Zeiten.

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