Manuskripte

SWR3 Worte

Der Münchner Pfarrer Rainer Schießler denkt in seinem Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ auch über den Tod nach. Er schreibt:

In meinen bald 30 Jahren als Priester habe ich hunderte Menschen begleitet, betrauert, beerdigt. Was ich aus all diesen Erfahrungen mitgenommen habe, ist, dass Gott nicht leidet, wenn gestorben wird. Nein. Gott leidet nicht. Und selbst wenn er es tun würde, wäre es für die Trauernden auch kein Trost. Sie wären umso wütender, weil er es doch verhindern könnte. Aber Gott verhindert nicht. Genauso wie er den Tod Christi auch nicht verhindert hat. Die Botschaft liegt woanders: darin, dass wir den Tod akzeptieren und als Übergang sehen, als etwas ganz Natürliches, das uns zu ihm führt, unserer Bestimmung: (…) sich von allen irdischen Vorstellungen befreien und das Undenkbare erwarten.

Rainer M. Schießler: Himmel, Herrgott, Sakrament

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Ein Text der Schauspielerin und Poetry-Slammering Julia Engelmann:

Ein Mensch bedeutet ein Vorname und ein Geburtsdatum, die sich niemals verändern, bedeutet eine Straße und Größe, die sich bestimmt verändern (…). Ein Mensch bedeutet ein (…) Körper, der tanzt, schläft, lernt, (…) liebt und geliebt wird.
Ein Mensch bedeutet eine eigene Art zu lachen, (…) ergriffen zu sein, "Hallo" und "Tschüss" zu sagen, (…) Frühstück zu machen oder es ausfallen zu lassen (…).
(…) Ein Mensch bedeutet Gefühle, Geschmack, Geheimnisse, (…) Erinnerungen, (…) Talente, Träume, (…) Zerbrechlichkeit, Stärke und eine eigene Stimme.
Ein Mensch bedeutet eine eigene Geschichte wie ein Puzzle aus unzähligen einzelnen Momenten und viele andere Geschichten, deren Puzzleteil er ist.
(…)Ein Mensch bedeutet ein Wunder. Ein Mensch bedeutet alles und mehr, als Worte beschreiben können.

 

 

 

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Die Autorin und Bloggerin Susanne Niemeyer beschreibt eine Unterhaltung mit der eigenen Fantasie. Die Fantasie hat sie gerade aufgefordert, einfach mal so zu tun „als ob“:

„Hör zu“, beginnt die Fantasie zu erklären, (…)„es geht nicht darum, ein anderer Mensch zu sein als du. Sondern darum so zu tun, als seist du schon der Mensch, der du sein möchtest. Es geht darum, dem Leben einen Vertrauensvorschuss zu geben. Den Kochlöffel in die Hand zu nehmen, statt dich mit deiner Kochbuchsammlung zu brüsten. Die Schuhe zu schnüren, statt die Bundesligatabelle runterzubeten. Einfach zu tun, als wäre das Leben so, wie es sein soll. Am Morgen aufstehen, als ob der Tag schön würde. Den Bäcker begrüßen, als ob er ein netter Mensch wäre. Den Weg zur Arbeit gehen, als ob es viel zu entdecken gäbe. (…) Verstehst du? (…) Das ist leben, als ob es Wunder gibt.“

Susanne Niemeyer: So viel du brauchst. Sieben Sachen zum besseren Leben

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Eine Geschichte darüber, wie man ganz leicht die Welt in Ordnung bringen kann:

Ein kleiner Junge kam zu seinem Vater und wollte mit ihm spielen. Dieser aber hatte keine Zeit für den Jungen und auch keine Lust zum Spielen. Also überlegte er, womit er seinen Sohn beschäftigen könnte.

Er fand in einer Zeitschrift eine komplizierte und detailreiche Abbildung der Erde. Dieses Bild riss er heraus und zerschnitt es dann in viele kleine Teile. Das gab er dem Jungen und dachte, dass der nun mit diesem schwierigen Puzzle wohl eine ganze Zeit beschäftigt sei.

Der Junge zog sich in eine Ecke zurück und begann mit dem Puzzle. Nach wenigen Minuten kam er zum Vater und zeigte ihm stolz das fertig zusammengesetzte Bild.

Der Vater konnte es kaum glauben und fragte seinen Sohn, wie er das geschafft habe. Das Kind sagte: „Ach, auf der Rückseite war ein Mensch abgebildet. Den habe ich richtig zusammengesetzt. Und als der Mensch in Ordnung war, war es auch die Welt."

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Ein Zitat aus dem Buch „Dienstags bei Morrie“ von Mitch Albom:

„In unserem Land findet eine Art Gehirnwäsche statt“, sagte Morrie seufzend. „Weiß du, wie man das macht? Man wiederholt etwas immer und immer wieder. (…) Dinge zu besitzen ist gut. Mehr Geld ist gut. Mehr Eigentum ist gut (…) Mehr ist gut. (…) Der Durchschnittsmensch wird durch diese Parolen ständig eingenebelt (…).
Weißt du, was dich wirklich befriedigt? Anderen das anzubieten, was du zu geben hast.“
(…)
„Ich meine nicht Geld, (…). Ich meine deine Zeit. Widme dich liebevoll anderen Menschen, widme dich der Gemeinschaft, die dich umgibt, und bemühe dich, etwas zu schaffen, das deinem Leben Sinn und Bedeutung verleiht. Wie du siehst“, fügte er grinsend hinzu, „ist an keiner Stelle von einem Gehalt die Rede.“

Mitch Albom: Dienstags bei Morrie

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Ein Text des Theologen und Dichters Albrecht Gralle. Er schreibt über Freunde:

Freunden kann mal der Kragen platzen, wenn sie mit dir reden, aber nur, weil ihr Herz für dich bis zum Halse schlägt.
Freunde stört es nicht, bei dir fernzusehen, auch wenn du schon längst ins Bett gegangen bist.
Freunde kämpfen für dich nächtelang im Gebet und sagen dir: „Ich hab neulich an dich gedacht!“ (…)
Freunde können es sich leisten bei einem Witz, den du erzählst, nach der Pointe zu fragen
(…)
Freunde reden manchmal blödes Zeug, weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast.
Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus, dafür aber in deinem Kühlschrank.
Freunde geben dir im Winter ihr letztes Hemd und behaupten, sie wollten sich sowieso gerade sonnen.
Freunde machen es so ähnlich wie Gott: Sie mögen dich so wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich verändern kannst.

Albrecht Gralle: Freunde, in: Andere Zeiten e.V.

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Das „Lied eines blinden Kindes“:

Wer sagt, dass ich nicht sehen kann?
Ich höre doppelt gut
und seh´ mit meinen Ohren dann
was sich so alles tut.

Ich höre das, was du nicht hörst
und seh´ es dann vor mir,
ich seh´ die Vögel, die du störst,
und manches andre Tier.

Ich seh´so viel, was du nicht siehst,
und das ist bunt und schön,
seh´ wie sich eine Blume schließt,
du hast es nicht geseh´n.

Du hast das Fühlen ganz verlernt,
nur weil du sehen kannst,
du siehst die Dinge weit entfernt,
doch nicht den Wind, der tanzt.

Ich frage mich, wer ist hier blind?
Bin ich´s oder gar du?
Und willst du wissen, wie wir sind,
mach mal die Augen zu.

Broschüre der Deutschen Blindenanstalt: Sehen/Sehbehinderung/Blindheit, Marburg/Lahn.

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