Manuskripte

SWR3 Worte

Wir waren miteinander auf dem Kirchentag in Berlin: 10 Schwarze aus Chicago, 20 Leuten aus der Evangelischen Studierendengemeinde und 7 Geflüchtete. Nach der Reise sagt EJ ein junger schwarzer Drummer aus einem sozialen Brennpunkt von Chicago:

Ich habe so viel gelernt, aber am meisten hat mich beeindruckt mit den Geflüchteten zu reden. Wir reden immer darüber wie viel Schwierigkeiten wir haben mit der Diskriminierung Rassismus in den USA. … Aber sie haben mir erzählt von ihrer zerstörten Heimat, von Gambia, von Aleppo, vom Krieg.

Sie haben Leute sterben sehen direkt neben ihnen. Sie sind durch die Wüste gelaufen, haben sich Monate lang versteckt, sie haben Leute ertrinken sehen und jetzt versuchen sie alles, um hier als freie Bürger leben zu dürfen.

Das hat mich am meisten beeindruckt:

dass sie immer noch Mut haben!

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Zum Abschluss des Evangelischen Kirchentags in Wittenberg hat der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba auf der Festwiese die Predigt gehalten und gesagt:
Die Geschichte beider unserer Länder - Deutschland in der Nazizeit und Südafrika während der Apartheid -sind Erinnerungen unfassbarer Grausamkeit.

Dennoch sind sie auch Geschichten von Gottes unerschöpflicher Treue. Beide erzählen von der Herausforderung den Einen Gott, den Heiligen zu finden, der wie es unser Gesang eben sagt „irgendwo im Schatten steht“.

Unsere Geschichten sind Zeugnisse der Macht der Worte Hagars, jener verzweifelten jungen Frau aus der Bibel, wenn sie von Gott sagt „Du siehst mich“

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Ein neuer Tag beginnt – mit Worten der Bibel will ich ihn begrüßen:

Gott ist mein Licht und mein Glück
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Gott ist der Schutz meines Lebens
Vor wem sollte ich erschrecken?

Zeige mir, Gott, deinen Weg
Und führe mich geradlinig durchs Leben!
Was wäre mir geschehen,
wenn ich nicht fest vertraut hätte:

Ich werde die Güte Gottes erfahren
Solange ich im Lande der Lebenden bin.
Darum hoffe ich auf Gott!

Sei stark und fasse neuen Mut!
Setze deine Hoffnung auf Gott!

basisbibel ps_43. Deutsche Bibelgesellschaft 2012

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Sierra unterrichtet Geschichte in Chicago afroamerikanische Geschichte. Als wir zusammen das Mauermuseum besuchen und ich ihr von meiner geteilten Familie im geteilten Land erzähle, sagt sie:

Es ist wie die Tunnel die gebaut wurden damals als Sklaven aus den Südstaaten in den Norden gerettet wurden. Auch hier haben wieder Menschen Tunnel gebaut um in die Freiheit zu kommen.

Ich hatte noch nie von diesem Teil der Geschichte Deutschlands gehört. Wenn ich jetzt zurückkomme, kann ich meinen Schülern davon erzählen, was ich hier erfahren habe.

Und ihnen daran deutlich machen, dass es stimmt, dass wir Geschichte lernen müssen, weil sie sich sonst immer und immer wiederholen wird. In Berlin habe ich verstanden, dass Menschen auf der ganzen Weltum Freiheit kämpfen –

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Bryan ist minister of music in Chicago, ein Kantor sozusagen. Aber eben für schwarze Musik in der afroamerikanischen Kirche Trinity United Church of Christ. Musik ist dort eine Quelle von Trost und Kraft für die Schwarzen, die täglicher Schikane ausgesetzt sind. Eine Woche lang war er zu Besuch in Deutschland, war mit uns in Berlin auf dem Kirchentag. Und ihm ist folgendes aufgefallen:

Unsere Musik ist aus dem Schmerz geboren, sie singt immer von der Sehnsucht nach Freiheit. Wir haben hier erfahren, dass Menschen auf der ganzen Welt Schmerz erleben.

Wir haben von der Teilung Berlins gehört. Das Mauermuseum und das Holocaustmuseum besucht.
Wir haben auf die Geschichten unserer Freundinnen und Freunde gehört. Deswegen können wir zusammen singen:

Wir teilen den Schmerz und wir teilen die Hoffnung.“

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Die Schriftstellerin und Professorin Maya Angelou hat für die Freiheit der Schwarzen in den USA gekämpft. Wie die Sehnsucht nach Freiheit klingt das erklingt in diesem Gedicht.

Ein Vogel in Freiheit
Schwingt sich auf den Rücken des Windes
Und lässt sich treiben
Bis zum Ende der Strömung
Tunkt seine Flügel
In orangene Sonnenstrahlen
Und wagt es den Himmel für sich zu fordern

Aber ein Vogel
Der seinen schmalen Käfig abschreitet
Kann nur selten durch die Gitterstäbe seiner Begrenzung sehen
Seine Flügel sind gestutzt, seine Füße gebunden

Der Vogel im Käfig singt
Mit ängstlichem Trillern
Von unbekanntem und dennoch ersehntem
Und sein Ton klingt schrill bis zu fernem Hügel
Denn der Vogel im Käfig singt von Freiheit!

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Ein Reisesegen- für Freunde aus den USA:

Jeder Aufbruch hofft auf ein Ankommen,
auf eine Veränderung.

Manchmal kennst Du das Ziel nicht.
Das verunsichert. Nimm die Ungewissheit mit.

Sie mischt sich mit Vorfreude.
Von Wittenberg ging vor 500 Jahren ein besonderer Aufbruch aus,
dem wir heute noch folgen
und den wir feiern wollen.

Und so vergesst nicht, Freunde,
wenn ihr reist,
wir reisen gemeinsam.

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