Manuskripte

SWR3 Worte

Glauben oder nicht glauben? Und: braucht es eigentlich die Entscheidung evangelisch oder katholisch? Die Architektin Gesine Weinmiller, die auch Ratsmitglied in der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, sagt dazu:

„Um zu glauben oder nicht zu glauben, braucht es exakt gleich viel Glaube.

Wenn man sich allerdings auf das Experiment Glaube einlässt, erfährt man, wie das Wagnis einer Realität weicht. Ich fühle mich eher als Christ statt als ‚evangelisch‘ und suche vor allem das Verbindende […]. Manchmal sitze ich im Kontaktgesprächskreis mit den katholischen Bischöfen und Kardinälen und frage mich, was Jesus zu den strittigen Themen sagen würde, und komme zu dem Schluss, er hätte ähnliche Fragezeichen im Gesicht wie ich.“

N. Schneider (Hg.): Ich bin evangelisch. Menschen sprechen über ihren Glauben

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Ingeborg Ronecker hat in den 90erJahren mitten im konfliktbeladenen Jerusalem gelebt. Damals fand sie Worte, die ich heute gerne nachspreche:

„Ich will hoffen und glauben, dass wir eines Tages in einer Welt ohne Gewalt leben,
dass alle Menschen frei von ihrer Angst werden,
die einen von ihrer Angst an Macht zu verlieren,
die anderen von der Angst unterdrückt zu werden.

[…]

Ich will hoffen und glauben, dass Gottes Plan von einem neuen Himmel und einer neuen Erde nicht nur ein Traum ist,
und dass jeder von uns daran mitbauen kann
durch Geduld, durch Güte, durch die kleine Tat.“

Ingeborg Ronecker: Jerusalem Jahre

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Mitten im Alltag den besonderen Moment, die bahnbrechende Idee, das Glück, - kurzum: Gott finden, das geht. Meint die französische Schriftstellerin Madeleine Delbrel und rät zu folgender Haltung:

Geht in euren Tag hinaus
ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott,
ohne Bescheidwissen über Gott,
ohne Enthusiasmus,
ohne Bibliothek – geht so auf die Begegnung mit Gott zu.
Brecht auf ohne Landkarte –
und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist, und nicht erst am Ziel.

Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte-Gedichte-Gebete, hrsg. von Annette Schleinzer

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Wie soll bei all den Lügen in der Welt die Wahrheit noch eine Chance haben? Der Schriftsteller Albert Camus sieht gute Chancen dafür, dass Wahrheit sich durchsetzen kann:

„Ich habe nie an die Macht der Wahrheit an sich geglaubt. Aber es ist schon viel, wenn man weiß, dass bei gleichen Kräfteverhältnissen die Wahrheit stärker ist als die Lüge.

Dieses mühsame Gleichgewicht haben wir erreicht.
Und diese Nuance gibt unserem Kampf heute Sinn.“

Albert Camus, Fragen der Zeit

 

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Wie komme ich gut durch den Tag? Was ist wichtig? Mahatma Gandhi hat seinen Tag mit fünf Vorsätzen begonnen

„Ich will bei der Wahrheit bleiben.
Ich will mich keiner Ungerechtigkeit beugen.
Ich will frei sein von Furcht.
Ich will keine Gewalt anwenden.
Ich will in jedem zuerst das Gute sehen.“

S. Niemeyer, M. Lemme, Brot und Liebe

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Unsere Erinnerungskultur in Deutschland ist wichtig. Für das Leben heute und in der Zukunft. Erinnern hat auch mit Gott zu tun, meint die Theologin Dorothee Sölle:

 „Wer sich nicht erinnert, wer vorgibt, es nicht gewusst zu haben, und wer es auch später nicht wirklich wissen sollte – oder von der Gnade der späten Geburt faselt - hat nichts begriffen.
Gott ist Gedächtnis, und darum ist Sich-Erinnern eine Annäherung an Gott, Vergessen und Verdrängen, eine Art, Gott loszuwerden.“

D. Sölle, Leidenschaft für das Leben

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Sonntag, das ist ein Tag der Großzügigkeit. Für die Publizistin Susanne Niemeyer ein Grund selber großzügig zu sein. Sie sagt: 

Als Gott die Welt schuf, machte er als erstes die Großzügigkeit.
Das hatte praktische Gründe: Gott wollte aus dem Vollen schöpfen.

Gott legte 5 Erbsen in eine Schote (manchmal sogar sieben), statt einer.
Gott hängte mehr Kirschen in den Baum, als er je hätte essen können.

Das Meer füllte Gott randvoll und warf mit Sternen um sich.
Dem Menschen gab Gott 10 Finger und der Fliege tausend Augen.

Wenn schon, denn schon, dachte Gott und rief: Weitermachen!

Susanne Niemeyer: Damit wir klug werden. 100 Experimente mit Gott

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