Manuskripte

SWR3 Worte

Egon Ernst ist obdachlos. In einem Interview hat er darüber gesprochen, wie es ihm auf der Straße geht.  

„Manchmal ärgert man sich. Manche Leute tun so, als seien sie etwas Besseres. Die denken, ihnen könnte das nie passieren, arbeitslos, obdachlos. Quatsch. Ich hab früher auch nicht geglaubt, das ich mal so leben würde. (…) Das Leben auf der Straße verändert einen. (…) Das geht nicht spurlos an mir vorüber. Es schmerzt, dass ich alles verloren habe. Man stumpft ab. (…) Ich möchte eine feste Bleibe haben, mein Leben in Ordnung bringen. 24 Stunden auf der Straße können lang werden. Man läuft rum, man sitzt rum. Im Kopf läuft das eigene Leben ab wie ein Film. Ich weiß, dass es schwer wird mit einer Wohnung. Aber es kommt doch vor, dass man Glück hat im Leben.“

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Das Gedicht „Manchmal“ von Gabriela Paydl:  

Manchmal stelle ich mir vor

ich sehe alles zum ersten Mal 

mein kleines Herz weit offen

staunend wie ein Kind

 

Sonnenblumen

strahlend

wie vom Himmel gefallene Sterne

 

Schmetterlinge

leise zärtliche Boten des Lichts

 

Steine

voller Leben und Geist

 

manchmal

wenn ich mit dem Herzen sehe

kann ich seinen Atem spüren

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Die Autoren Susanne Niemeyer und Matthias Lemme haben zusammen aufgeschrieben, wie sie sich den Himmel vorstellen.  

„Wenn ich in den Himmel komme, dann wird das kein Umzug aufs Altenteil, sondern ein Nach-Hause-Kommen. (…) Schwerelos, erlöst und angekommen werde ich sein – weil ich Gottes Aussicht teilen darf. Die Dinge sehen anders aus. Kleiner, aber übersichtlicher. Weiter weg, aber geordneter. Gelassener, grenzenloser. Ich werde lernen, wie das geht: sich über Menschen freuen, sich über sie ärgern, aber nicht an ihnen verzweifeln. Und an sie glauben.

Ich werde mich an Gottes sanftem Blick wärmen und den Eisverkäufer, meine Ex-Frau und die grobe Nachbarin mit anderen Augen sehen. Meine ärgsten Feinde, all die Bösewichte der Geschichte, sind auch da, schließlich ist das ganze keine Talentshow.

Der Eintritt: macht frei.“

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Der Fußballer Mesut Özil in seinem Buch „Die Magie des Spiels“: 

„Kurz vor dem Anstoß bete ich. (…) Das hat bei mir Tradition. (…) Schon als kleiner Junge habe ich vor Spielen auf dem Fußballfeld gebetet. Und so habe ich es bis heute beibehalten. Auch weil mir das Beten sehr viel Kraft und Zuversicht verleiht.

Es ist immer derselbe Text, den ich kurz vor dem Anstoß auf dem Rasen vor mich hinsage. Ich bete auf Türkisch:

„Gott, gib uns für das heutige Spiel Kraft und schütze mich und meine Teamkollegen vor Verletzungen. Gott, du kannst den Weg uns öffnen oder auch verschließen. Führe uns nicht vom rechten Weg ab. Amen.“

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Ein kurzes Morgengebet von Pfarrer Frank Muchlinsky: 

Gott, ich danke dir für die lieben Menschen um mich herum.

Ich schließe die Augen, atme einmal tief durch, öffne die Augen wieder – und dann danke ich dir auch für die anderen. Amen.

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Fee macht Poetry-Slam. In einem Text von ihr, richtet sie sich an alle, die im Leben schon mal so richtig gefallen sind und die es geschafft haben wieder aufzustehen.  

„Schau dich an! Deine Knie waren aufgeschlagen.

Und jetzt: Du bist hier.

Und wenn man nicht so genau hinschaut, sieht man nicht mal mehr die Narben.

Ja, du lagst am Boden. 

Ja, man hat dir ein Bein gestellt- mehr als eins!

Ja, du bist gefallen und ja, als du lagst, trat man auf dich drauf.?

Aber hey, schau dich an: Du standest auch wieder auf.

Und jetzt bist du hier.

Geh zur U-Bahn oder einkaufen! Aber geh, als würde die Welt ein Catwalk sein!

Denn, um aufrecht und mit Stolz zu laufen, muss man nicht groß und skinny sein.

Ich weiß, es fällt dir schwer dran zu glauben.

Ich weiß, du hast Zweifel an dir! Aber (…) du hast es geschafft: Du bist hier!“

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Heute ist Ostern. Da feiern Christen, dass Jesus auferstanden ist und das Leben mit Gott weitergeht. Auch nach dem Tod. Der Dichter Martin Gutl hat dazu diesen Text geschrieben: 

Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft,

uns heimbringt aus der Dämmerung in sein beglückendes Licht,

das wird ein Fest sein!

Da wird unser Staunen von neuem beginnen.

Wir werden Lieder singen, Lieder, die Welt und Geschichte umfassen.

Wir werden singen, tanzen und fröhlich sein:

Denn er führt uns heim:

aus dem Hasten in den Frieden

aus der Armut in die Fülle. (…)
 

Wenn Gott uns heimführt, das wird ein Fest sein.

Wir werden einander umarmen und zärtlich sein.

Den Verirrten werden die Binden von den Augen genommen. Sie werden sehen.

Die Suchenden finden endlich ihr Du.

Niemand quält sich mehr mit der Frage „Warum?“.

Wenn Gott uns heimführt, das wird ein Fest sein. (…)

Ein Fest ohne Ende.

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