Manuskripte

SWR3 Worte

Wenn jemand stirbt, den man lieb gewonnen hat, breitet sich erst mal eine Stille aus.  So war das auch, als Jesus gestorben war. Am Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Alles war still. Aber in dieser Stille liegt auch eine Kraft, weiß der Polarforscher Knud Rasmussen, der die Geschichte einer Inuitfrau erzählt:

„In alten Tagen feierten wir […] große Feste zu Ehren der Seele des Wales, und diese Feste mussten stets mit neuen Liedern eröffnet werden; …
… in jener Zeit, in der die Männer ihre Worte zu diesen Hymnen suchten, mussten alle Lampen ausgelöscht werden. Es sollte dunkel und still … sein.

Denn unsere Vorväter hatten den Glauben, dass die Gesänge in der Stille geboren werden.
Dann entstehen sie im Gemüt der Menschen und steigen herauf, wie Blasen aus der Tiefe des Meeres, die Luft suchen, um aufzubrechen.“

Hubert Halbfas, der Sprung in den Brunnen

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Am Karfreitag heute, denken Christinnen und Christen auf der ganzen Welt an den Tod Jesu am Kreuz. Auch Mahatma Gandhi hat sich mit der Lehre und dem Leben Jesu beschäftigt. Von ihm wird folgende Geschichte erzählt:

Gandhi und ein Missionar gehen bei der Besichtigung der Missionsstadt Marianhill bei Durban/Südafrika nebeneinander her - Zur Kirche. Vor dem Kruzifix hält Gandhi inne, verbeugte sich ehrfürchtig und verharrt so für einige Zeit. Dann wendet er sich an den Missionar und flüstert: „Es ist das geduldige Leiden, das uns erlösen wird – Inder, Europäer, Afrikaner. Ihr Kreuz, Herr Pater, predigt eine große Wahrheit für die ganze Welt.

Kurzgeschichten, Willi Hoffsümmer (hg.)

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Marianne Birthler hat die Stasiunterlagenbehörde geleitet. Sie hat in der DDR viel in der Jugendarbeit ihrer Kirchengemeinde mitgearbeitet und sich aktiv an der friedlichen Revolution beteiligt. Sie erzählt, wie wichtig ihr biblische Geschichten sind:

Zum Beispiel die Geschichte vom Exodus, als das Volk Israel in das Land wollte, wo Milch und Honig fließen. Daraus stammt der Satz: „Ach, wären wir doch bei den Fleischtöpfen Ägyptens geblieben!“ Das ist gesammeltes Wissen über Freiheit, Gefangenschaft und  Mut von Menschen…. Sie sind ja nicht bei den Fleischtöpfen geblieben, sondern haben es gewagt fortzugehen. Das hat mir selbst Mut gemacht.

Aus CHRISMON-Plus, Ausgabe 01/2006

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Claus Samtleben ist Hausmann und das gerne. Vor 40 Jahren war er einer der ersten Männer, die sich ausschließlich um Haushalt und Kindererziehung gekümmert haben. Er erzählt:

Dass die gesellschaftliche Norm eine andere war, wusste ich natürlich, und auch mein eigener Vater war von dem Kaliber, der fand, Männer sollen nicht putzen. Ich finde aber selbst Kloputzen männlich.

[Und]In der Kindererziehung habe ich sehr intuitiv gehandelt. Meine Frau wollte alle möglichen Bücher lesen dafür. Mein Jüngster sagt immer, dass er froh ist, dass ich als Vater zu Hause geblieben bin. Ich war gelassener und weniger gestresst, als es Mütter wären, die alles perfekt machen wollen, weil es ja auch so von ihnen erwartet wird. Meine beiden Söhne haben früh gelernt, zu kochen und selbständig zu sein.

Aus: Frankfurter Allgemeine Quarterly, Ausgabe 02, Frühjahr 2017

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Der Künstler André Heller war noch nie wirklich fromm im landläufigen Sinn. Trotzdem hat er eine ganz klare Vorstellung von Gott und meint:

Es gibt nur einen Gott, und der ist mit absoluter Sicherheit von höchster Intelligenz und bei keinem Verein – nicht beim FC Buddha, FC Luther oder FC Mohammed. Gott spielt für keine Mannschaft. Gott ist in uns, und wir sind in ihm, und daher ist auch kein Mensch wertvoller als der andere.

Aus CHRISMON-Plus, Ausgabe 05/2006

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Eine Behinderung behindert nicht nur, sie erschließt auch neue Lebensräume, meint der Pfarrer Thomas Mann. Er ist selber von Geburt an stark sehbehindert und sagt:

„Wäre ich vor 100 Jahren geboren, wäre ich blind geblieben und vielleicht Bürstenbinder oder Korbmacher geworden. Würde ich erst in 100 Jahren auf die Welt kommen, wäre meine Sehbehinderung vielleicht längst heilbar – und ich wäre wohl nie Pfarrer geworden. Beides fände ich irgendwie blöd, denn ich möchte eigentlich niemand anderes sein als der, der ich bin …

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Franziska, dritte Klasse, ist schlau und sagt deshalb auch schlaue Sachen über Gott, zum Beispiel das: 

Von Gott ist in jedem Geschöpf ein Teil enthalten. Gott hat Macht, ist all-mächtig, weil dieser Teil von Gott unzerstörbar ist. Auch der böseste Mensch kann es in sich nicht kaputt machen. Dieser Teil von Gott kann zu uns sprechen aus anderen Menschen, Tieren und Pflanzen oder auch aus uns selbst. Aber jeder Mensch ist frei, auf diese Stimme Gottes zu hören oder eben nicht. Insofern ist Gott auch ohnmächtig. Mächtig ist Gott nur bei denen, die auf ihn hören. Wenn jetzt alle Menschen auf ihn hören würden, dann würde sich die Welt ganz doll verändern.

Aus: Anna-Katharina Szagu: Glaubenswege begleiten

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