Manuskripte

SWR3 Worte

Bei einem Surfurlaub in Marokko freundet sich der Schriftsteller Sergio Bambaren mit einem marokkanischen Surfer an. Über diese Freundschaft schreibt er:

Jeden Tag … paddelte ich mit einem Marokkaner hinaus aufs Meer. Er sprach fließend Spanisch, schließlich trennt Marokko und Spanien lediglich ein schmaler Wasserweg. Nur aus diesem Grund wurde ich als Katholik geboren und er als Moslem, nur wegen eines Streifens Wasser… Zwei Welten, die so nah und doch so fern sind, hervorgegangen aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Doch letztendlich einte uns etwas Bedeutungsvolleres: Unabhängig von unserem Glauben und unserer Religion waren wir einfach Surfer. Das zeigte mir, dass Gemeinschaften unterschiedlichen Glaubens in guter Eintracht zusammenleben können, wenn etwas Stärkeres sie verbindet, egal, woher sie kommen und wer sie sind. Wir waren einfach Soul-Surfer und taten das, was uns das Liebste war.

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 Wie kann man eine glückliche Ehe führen? Der Schriftsteller Wolfgang Altendorf gibt mit folgender Geschichte eine Antwort:

„Sophius, der Weise,in fünfzigjähriger ungetrübter Ehe wurde nach dem Geheimnis dieses Glücks gefragt, und er antwortete:

„Fragt mich nicht, was ich getan, vielmehr fragt mich danach, was ich nicht getan.

Nicht habe ich zu ihr gesagt: Werde wie ich!… Als ich sie zum ersten Mal sah,[...] gefiel sie mir so, wie sie war. Ich lag ihr zu Füßen, weil sie anders war;

werde ich ihr zu Füßen liegen, wenn sie so ist wie ich? [...]

Fragt mich deshalb nicht, was ich getan, fragt mich, was ich nicht getan. Nicht habe ich von ihr verlangt, ihr Wesen zu verleugnen, weil es nicht mein Wesen sei, den Rhythmus gar ihres Atmens zu ändern, etwa, weil mein Rhythmus der gesündere sei…

Gewünscht habe ich mir dieses: Das Mädchen mir zu retten, jenes, das mir Aug‘ und Sinn vergnügte, hinüberzuretten in die Ehe[...].“

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Als Religionslehrerin werde ich oft gefragt: Frau Schmidt, haben Sie schon mal die ganze Bibel gelesen? Wenn ich das dann bejahe und erkläre, dass ich viele Stellen auch immer wieder lese, reagieren die Kinder oft verwundert und wollen wissen warum. Die Schriftstellerin Dorothee Sölle hat in einer kleinen Geschichte die - meiner Meinung nach - perfekte Antwort darauf gefunden:

 

Eine afrikanische Frau

auf einer Konferenz befragt

warum sie denn immer die Bibel läse

es gäbe doch so viele Bücher

sie könne doch nun lesen und schreiben

gab in die Enge getrieben

schließlich die Antwort

ich lese doch gar nicht

das Buch liest mich.

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„Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern.

Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzige mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab.

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Im März fand die erste Vesperkirche in Calw statt. Damit hat sich ein Traum von Pfarrer Raschko erfüllt. Darüber sagt er:

„Da gibt es eine altehrwürdige Stadtkirche mit sperrangelweit geöffneten Türen. Sie sagen:„Willkommen“! Innen gibt es keine Kirchenbänke mehr, sondern festlich gedeckte Tische. Viele Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Milieus sind „an einem Tisch“ versammelt, in angeregtem Gespräch. Kinder, Jugendliche, Senioren, Bankangestellte.

Der Obdachlose, der sonst hinter der Kirche schläft, wird bedient von freundlichen Menschen. Was sonst so schwierig ist, gelingt: Für eine kleine Zeit werden die Grenzen der Milieus überwunden. Und es passiert: Gegenseitiges Wahrnehmen geschieht tatsächlich. Die Vesperkirche will nicht Arme speisen. Sie will die Reichen mit den Armen zusammenbringen. Dann werden beide satt. Denn es gibt reiche Arme und arme Reiche.

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Der Indianer Black Elk war Medizinmann seines Stammes und zugleich gläubiger Katholik. Für ihn gibt es drei Formen des Friedens, die alle miteinander zusammenhängen. Er sagt:

Der erste Frieden, der Wichtigste, ist der, welcher in die Seelen der Menschen einzieht – wenn sie ihre Verwandtschaft, ihr Einssein mit dem Universum begreifen und inne werden, dass im Mittelpunkt der Welt das große Geheimnis wohnt – und dass diese Mitte tatsächlich überall ist. Sie ist in jedem von uns. Dies ist der wirkliche Frieden – alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.
Der zweite Frieden ist der, der zwischen Einzelnen geschlossen wird.
Und der dritte ist der zwischen Völkern.
Doch vor allem sollt ihr sehen, dass es nie Frieden zwischen den Völkern geben kann, wenn nicht der erste Frieden vorhanden ist –
welcher, wie ich schon oft sagte, innerhalb der Menschenseele wohnt!

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Herr meiner Stunden und meiner Jahre, du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir. Sie war mein und wird mein, und ich habe sie von dir.  
ich danke dir für jeden Schlag der Uhr und für jeden Morgen, den ich sehe.

Ich bitte dich, dass ich ein wenig dieser Zeit freihalten darf von Befehl und Pflicht, ein wenig für Stille, ein wenig für Spiel, ein wenig für die Menschen am Rande meines Lebens, die einen Tröster brauchen.

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