Manuskripte

SWR3 Worte

Paketboten stehen zeitlich immer unter Druck. Trotzdem hat sich einer Zeit genommen um zu helfen. Warum tust du das? Fragt ihn ein anderer. Weil du religiös bist oder aus Mitleid? Er sagt: Das kann ich dir nicht beantworten, ich kann das nicht trennen. Du trennst dauernd. Das unterscheidet uns. Ich kann das nicht trennen. Meine Religion und mich selbst.

Das ist nichts was ich mir aussuche. Das bin ich. Das ist Natur. Das ist gegeben. Das ist Heimat. Das ist meine Haut. Das ist meine Kultur. Mein Kopf. Meine Arme. Meine Geschichte. Mein Gefängnis. Meine Freiheit.

Wenn ich einem weinenden Menschen gegenüberstehe, dann bin ich mit ihm verbunden.
Wenn ich wegen meiner Religion benachteiligt werde, dann kann ich das nicht abstellen, indem ich die Religion wechsle.

Björn Bicker, was glaubt ihr denn, urban prayers

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In München hat ein Theaterprojekt verschiedene Gruppen von Gläubigen zusammengebracht. Die erzählen einander von ihren Erfahrungen, einer erzählt:

Wir hatten so eine Büroetage. Da haben wir gesungen. Gospel. Wir haben jeden Tag gesungen. Laut. Fröhlich. Und dann haben sich die Nachbarn beschwert. ‚Wir können nicht mehr arbeiten in unseren Büros, wenn ihr so laut singt.‘ Wir preisen den Herrn, haben wir gesagt. ‚Das ist uns egal‘, haben die Nachbarn gesagt, ‚wenn ihr nicht aufhört damit, dann rufen wir die Polizei.‘

Dann haben wir angefangen die Fenster zu vernageln, von innen. Wir haben unsere ganze Kirche von innen schalldicht gemacht. Man hat nichts mehr gehört, kein Licht kam rein. Die Nachbarn haben uns gefragt, ‚wie habt ihr das denn gemacht?‘ Dann haben wir die Nachbarn eingeladen… Dann haben die gerufen, ‚Jesus ihr seid ja verrückt.‘

Aber das haben wir für euch gemacht. Damit ihr uns nicht mehr hören müsst. Wir können uns nicht erlauben, hier rauszufliegen.

Björn Bicker, was glaubt ihr denn, urban prayers,

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In der Vesperkirche in Mannheim kommen jeden Tag mehrere Hundert Menschen zum Essen und Reden zusammen. Die Gäste sind sehr arm. Einmal  kommt es zum Streit. Ein Mann trinkt in der Kirche Bier, ich schicke ihn raus. Aber er ist schon so betrunken, dass er mich nicht mehr erkennt. Er knurrt mich an wie ein Wolf und packt mich am Arm, da brülle ich los. Ein alter wunderbarer Kollege kommt und bringt den Betrunkenen hinaus.

Am nächsten Tag spricht mich ein anderer Gast darauf an:
„Gestern hab ich mir Sorgen um Sie gemacht, sie haben gebrüllt, so habe ich sie noch nie erlebt! Ich dachte, ich muss sie retten. Ich bin hier reingekommen und hab sie gesehen und wie der sie gepackt hat…
Und – das wissen sie vielleicht noch nicht- ich passe immer auf Sie auf. Ich bin nämlich ihr Schutzengel. Und ich bin nicht alleine! Wir alle passen auf sie auf.“

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Reinhardt Müller ist Pfarrer. Aber das Wichtigste in Sachen Religion und Glaube hat er von seiner Großmutter gelernt. Zum Beispiel: Wie kann man eigentlich mit Gott reden?

Komische Frage, hat meine Großmutter gesagt. Ich rede jeden Tag mit ihm. Ist ganz einfach. Wie Kuchen backen: Du suchst deine Sachen zusammen: also Mehl, Butter, Zucker und so weiter, dann knetest du den Teig, lässt ihn dann gehen und wartest ab.
Natürlich wollte ich genauer wissen, was das heißt: Seine Sachen zusammen suchen. Na, antwortete sie: Deine Gedanken sammeln, die dich gerade beschäftigen.
Und das Kneten? Du nimmst nicht alle Gedanken. Wird zu viel Durcheinander. Auch für Gott. Nur zwei drei Dinge, die dich bewegen. Und die sprichst du dir vor.

Und dann wie lange muss ich dann warten, meine Gedanken gehen lassen? Manchmal nur fünf Minuten. Du sprichst dein Gebet und spürst, wie alles um dich herum versinkt.
Und dann breitet sich in dir eine Ruhe aus, wie wenn ein Teig aufgeht. Lecker.

„Tröstet, tröstet…“
Seelsorge in der Verkündigung. Hg. D Joachim-Storch, Zentrum Verkündigung der EKHN

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Zu Anfang als noch nichts geschaffen war - außer unendliches Wasser- wollte Gott die Erde erschaffen. Und sprach zu einem Engel: „Geh‘ und bring mir Sand vom Grunde des Meeres!“ Der Engel tauchte gehorsam in die Tiefe und holte den Sand vom Grunde des Meeres. Aber die Gewalt des Wassers war so groß, dass sie ihm, als er empor tauchte, seine Last aus den Händen wegspülte. Als er dies merkte, kehrte er sogleich um und versuchte es zum zweiten Mal. Aber er verlor seine Beute wieder.

Und nicht anders erging es ihm beim dritten Versuch: Die Bedrängnis des Wassers war zu groß und seine Arme waren nicht stark genug, die Last emporzutragen.
Da kam der Engel beschämt zu seinem Gott und zeigte ihm seine leeren Hände: Kein Sand nur der unter den Fingernägeln.
Da sprach Gott: „Das genügt.“

Der Theologe Thomas Hirsch-Hüffel
„Tröstet, tröstet…“ Seelsorge in der Verkündigung. Hg. D Joachim-Storch, Zentrum Verkündigung der EKHN

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Schon vor 3000 Jahren haben Menschen zu Gott geklagt, wenn die Mächtigen ihre Macht missbraucht und die Armen, die Fremden, die Schwachen ausbeuteten. Zornig, voll Angst und voll verzweifelter Hoffnung beteten sie:

Steh auf Gott! Greif doch ein! Vergiss die Armen nicht! Warum darf der Frevler Gott verhöhnen? Wie kann er behaupten, dass du nicht strafst? Du hast das Elend und das Leid doch gesehen! Jetzt nimm die Sache selbst in die Hand!

… Breche die Macht des Bösen! Verfolge das Unrecht, dass er begangen hat, bis du nichts mehr davon findest.

Du hast gehört, wonach die Unterdrückten sich sehnen. Mach ihnen Mut! Öffne dein Ohr für sie! So hilfst du den Waisen und Benachteiligten, dass sie zu ihrem Recht kommen. Niemals wieder sollen Menschen dieser Erde auf ihr Angst und Schrecken verbreiten.

BasisBibel Das Neue Testament und die Psalmen. Deutsche Bibelgesellschaft

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