Manuskripte

SWR3 Worte

Der Berliner Starfriseur Udo Walz liebt alles Schöne und genießt sein Leben. Das kann er, weil er in Kontakt bleibt mit denen, die es schwer haben. Er erzählt:

„Ich habe, weil mir es so gut geht, sieben Patenkinder, die ich anonym in Afrika ernähre. Das mach ich nicht für die Kinder, das mach ich für mich. Um mein Gewissen ein bisschen zu säubern […] Sonst kann ich mein Glück und mein schönes Leben nicht genießen. […] Denn es ist doch eine furchtbare Spannung: Kucken Sie mal, Sie stehen morgens auf und haben, wenn Sie Lust haben ein Rührei oder zwei Spiegeleier… und da unten in der dritten Welt, da gibt es Eltern, die nicht wissen, was sie ihren Kindern zu Essen geben sollen, weil sie nichts haben.“

Udo Walz
In: gerwin triftt; 2014: Udo Walz, http://www.gerwintrifft.de/de/interview.php?id=258

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Udo di Fabio ist Jurist und war Richter am Bundesverfassungsgericht. Über das menschliche Miteinander auch bei schwierigen Fragestellungen sagte er:

„Wenn man in der Migrationsfrage, denjenigen der Grenzen kontrollieren will, unmoralisch nennt […] oder beschimpft, dann endet die Möglichkeit einer Diskussion, bevor sie überhaupt beginnen kann. Man muss andere Meinungen tatsächlich zulassen und aushalten. [… Ich bin mir sicher:] Es herrscht zu viel Glaube an die Kraft bürokratischer Regelungen und zu wenig Vertrauen in die Entfaltungskräfte der Menschen vor Ort und in die Faszination von Bildung.“

Udo di Fabio, „Man muss andere Meinungen aushalten“. Udo di Fabio im Interview mit Gunter Hartwig
In: Südwest-Presse vom 28.12.2016

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Es ist nicht jedermanns Sache, Menschen zu begleiten, die sterbenskrank sind. Zeit haben, zuhören, Hände halten und Schmerzen lindern – auf einer Palliativstation ist das gelebter Alltag.

Der Journalist Ulrich Janssen konnte das nicht recht glauben. Nach dem Besuch einer solchen Station meint er:

„Als Journalist ist man skeptisch. […] Ist die große Freundlichkeit nicht aufgesetzt? Wird das „wir nehmen uns Zeit“ nicht etwas zu mantramäßig ausgesprochen? […]

Doch bald sieht man ein: Es ist anders. […] Dinge, die draußen wichtig sind, sind hier unwichtig. […] Hier lernt man, den Tod und das Leben zu akzeptieren. Und ich erkenne: es ist ein großes Glück ein Krankenhaus mit Palliativstation in der Stadt zu haben: […] Glück nicht nur für Schwerkranke, sondern auch für alle (noch) Gesunden. Sie können dort viel lernen, über das, was im Leben wirklich zählt.“

Ulrich Janssen, Dieses Krankenhaus ist anders.
In: Südwest-Presse, Schwäbisches Tagblatt vom 19.12.2015, http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Dieses-Krankenhaus-ist-anders-270373.html

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Sieben Wochen ohne „sofort“,  - so heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche, die heute beginnt. Aber was heißt „ohne sofort“? Anselm Grün beschreibt das so:

„Von Zeit zu Zeit braucht es wohl jeder von uns, dass wir uns zurückziehen vom Lärm und von der Hektik des Alltags – denn sonst gehen wir unter in dem Trubel.

Wir funktionieren dann nur, aber wir sind nicht mehr wir selbst. […]

Beim innerlichen Rückzug kommst Du mit Dir selbst in Berührung und Du entdeckst, was Dich in der Tiefe Deines Herzens bewegt.“

Anselm Grün, Von Zeit zu Zeit
In: Vergiß das Beste nicht, Freiburg im Breisgau 2000, zitiert nach: Christel Herzhauser: Zeit nur für mich. Vom Glück des Alleinseins

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Heute vor 84 Jahren flüchtete Bertold Brecht aus Deutschland, einen Tag nach dem Brand des Berliner Reichstagsgebäudes. Noch in der Nacht hatten die Nationalsozialisten willkürlich tausende von Gewerkschaftern, Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet. Brecht gehörte im Februar 33 mit zu den ersten, die aus Deutschland flüchteten und hatte die Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging, deutlich benannt:

„Sie kamen in ihren Hemden von braunem Stoff daher Und Brot und Brotaufstrich war rar. Und sie fraßen mit unverschämten Reden die Töpfe leer.

[…]und ihr Anstreicher strich die Sprünge im Haus mit brauner Tünche zu Und sie schalteten alles gleich.“

[…] Sie kommen mindestens zu zweit […] und schießen ihre Pistolen in jeden besseren Kopf.“

Bertold Brecht
D
ie Ballade vom Baum und den Ästen, in: http://www.erinnerungsort.de/ballade-vom-baum-und-den--c4sten-2c-die-_141.html
 

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Aus der Reihe tanzen und ein Narr werden, heute am Rosenmontag schlüpfen viele in diese Rolle. Die Journalistin und Autorin Sabine Asgodom erzählt:

„Der Narr steht für spielerische Leichtigkeit […], Verrücktheit, Schalk im Nacken und fröhliche Ehrlichkeit. Er macht Mut, Dinge auszuprobieren, in der Gewissheit, dass es nicht wirklich gefährlich enden wird. […]

Ja, die Rolle des Narren beinhaltet die Gewissheit, geführt zu werden und vermittelt […]
die Erlaubnis, mich auszuprobieren und Grenzen zu sprengen. ‚Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…‘ steht schon in der Bibel. Aus der Reihe zu tanzen beinhaltet, an Wunder glauben zu dürfen.“

Sabine Asgodom
In: Lebe wild und unersättlich! 10 Freiheiten für Frauen, die mehr vom Leben wollen

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Sonntag – ein Ausnahmetag. Die Lübecker Pfarrerin Susanne Richter erzählt, warum der Sonntag hilft, im Leben locker und flexibel zu bleiben:

„Ausnahmen sind das beste Mittel gegen Verstockung und Verkrampfung im Kopf. Macht man eine Ausnahme, gibt man damit zu verstehen: Ich versteife mich nicht auf mein Tun, sondern bleibe biegsam.

Der Sonntag ist der Inbegriff einer Ausnahme: Nach der Bibel ist er der allwöchentliche Feiertag, an dem wir nicht arbeiten, sondern unsere Befreiung feiern. Nicht, weil Arbeit schlecht ist, sondern weil eine genussvolle Pause ein Vorgeschmack darauf ist, was Leben auch sein kann: Fülle.“

Susanne Richter, Ausnahmetag
In: sonntags. Erfindung der Freiheit. Andere Zeiten e.V.

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