Manuskripte

SWR3 Worte

Der Wissenschaftler Clemens Sedmak meint, dass ein glückliches Leben niemals selbstsüchtig, sondern nur mitfühlend und solidarisch sein kann:

Es ist ein Zeichen von Borniertheit, in einer kleinen Welt zu leben, in der man sich selbst zum Zentrum macht. In diesem Sinn hat Solidarität auch mit der Überwindung von Dummheit, von Enge und Engstirnigkeit zu tun. Solidarität hat damit zu tun, dass man über sich hinauswächst, dass die Grenzen des Ich und die Grenzen der eigenen Welt hinausgeschoben werden. Solidarität bedeutet damit auch Wachstum und Veränderung und widerspricht einem Leben, das „hineingekrümmt ist in sich selbst“, wie eine berühmte Formulierung lautet. 

Clemens Sedmak, Geglücktes Leben. Was ich meinen Kindern ans Herz legen will

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Der Wissenschaflter Clemens Sedmak darüber, was für ihn – neben anderem - zu einem glücklichen Leben gehört:

Manche Sätze lähmen und schwächen. Sätze wie „Es hat keinen Sinn“, „Es interessiert mich nicht“, „Ich habe keine Lust“, „Es ist mir egal“ haben es an sich, dass sie die Kraft und den Mut zum Handeln nehmen. Ich kann mich an ein Gespräch mit einer Bekannten erinnern, in dem wir über Zukunftsmöglichkeiten sprachen. Was mich an diesem Gespräch frustrierte, war unsere Unfähigkeit, an einen Punkt zu kommen, an dem sich bei ihr ein Leuchten der Augen, ein Aufblühen der Seele … gezeigt hätte. Das ist ernüchternd. Es ist unbezahlbar, wenn man weiß, wofür es sich zu leben lohnt, wenn man weiß, was begeistert und am Leben erhält.

 

Clemens Sedmak, Geglücktes Leben. Was ich meinen Kindern ans Herz legen will

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Die Journalistin Wlada Kolosowa hat sich in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft engagiert. Sie erinnert sich:

Ich habe mehr als 200 Schnitzel auf Teller verteilt und dabei „Bitte schön!“ und „Guten Appetit!“ gesagt, als ich sie über die Essensausgabe geschoben habe. Ich habe Tische abgewischt und Teller in die Spülmaschine geräumt, ein bisschen Verstecken mit einer achtjährigen Irakerin gespielt und Ahmed den deutschen Ausdruck „ins Fettnäpfchen treten“ beigebracht. Die Weltkrisen sind davon kaum kleiner geworden. Ich kann noch nicht einmal sagen, dass ich mich danach besser gefühlt habe. Aber vielleicht geht es auch gar nicht darum. Ich habe Menschen kennen gelernt, die für mich vorher eine abstrakte Zahl waren – und die mir das Gefühl gaben, dass mich die Welt da draußen etwas angeht.

 

Wlada Kolosowa, Keine Ausrede mehr

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Die Schauspielerin Karoline Schuch verkörpert im Spielfim „Katharina Luther“ Luthers Ehefrau Katharina. Über ihre Rolle der Katharina sagt sie:

Katharina wurde mit kaum sechs Jahren ins Kloster geschickt. … Ich war in dem Alter eine Woche allein auf Kur, das war die Hölle für mich. … Katharina musste das über Jahre hinweg ertragen – da muss ihr Urvertrauen sehr erschüttert gewesen sein. Zugleich ist sie eine starke Frau, die aus dem Kloster ausbricht, die für sich entscheidet: Ich will nicht im Zölibat leben. In unserem Film sagt sie den Satz: „Ich möchte ein ganzes Leben leben.“ Ich finde, das ist ein sehr schöner Gedanke und ein schönes Ziel auch für das eigene Leben. Also das zu tun, was mir und denen, ich liebe, guttut. Ohne größte Kompromisse. Und wenn ich merke, das funktioniert nicht mehr - für mich oder meine Familie –, dann muss ich etwas ändern. 

„Ich steige ins Flugzeug, aber ich plane meine Zeit nur bis zum Flug“. Karoline Schuch im Gespräch mit Dirk von Nayhauß

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Allein durch unsere Sprache können wir einander verletzen, aber auch bereichern. Der Journalist Fabian Vogt über eine Sprache, die satt macht:

Vermutlich wird der Satz „Haben Sie eine Payback-Karte?“ in Deutschland inzwischen öfter gesagt als der Satz „Ich liebe dich!“ Und was sagt das über unsere Gesellschaft? …

Die Eine-Welt-Leute in unserer Kirchengemeinde betonen immer, dass sie Produkte verkaufen, von deren Herstellung die Erzeuger gut leben können. … Das gilt auch für Kommunikation. Ich möchte gern eine Sprache sprechen, von der ich und mein Gegenüber gut leben können. Sprache, die das Dasein fördert und satt macht. Und ich vermute, dass der Satz: „Schön, Sie zu sehen“, deutlich mehr Lebenshunger stillt als die Frage: „Haben Sie eine Payback-Karte?“.

 

Fabian Vogt, Sprach-Vermögen

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Die Qualität einer Gesellschaft hänge davon ab, wie sie mit den Schwächsten umgeht, meint die Autorin Sybille Berg:

Zu Hause ist, wo ich auf der Straße umfallen kann. Und fast sicher bin, dass es Leute geben wird, die mir aufhelfen, den Arzt rufen, die Polizei. Zu Hause ist, wo ich der Polizei vertraue und dem Aufgefangenwerden beim Stolpern. Der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich in die Schweiz ziehen wollte, fand an einer Tramhaltestelle statt. Auf der Bank lag ein betrunkener Mensch, ein Polizist trat zu ihm, und als ihm die Situation für den Schlafenden gesundheitlich unbedenklich schien, ließ er den Betrunkenen ruhen, nicht ohne ihn vorher zugedeckt zu haben.

Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich in ihrem Umgang mit ihren schwächeren Mitgliedern. Also mit fast allen, die nicht über ein paar Millionen verfügen. Also mit uns, die wir morgen auf der Straße landen können, wegen einer zu langen Krankheit, einer Entlassung oder anderweitigem Elend.

 

Sybille Berg, Mitgefühl und Gier

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Das Leben soll Spaß machen. Doch was, wenn das nicht gelingt? Die Ordensfrau Melanie Wolfers über Glück und Unglück:

Die Erwartung, dass das Leben aus Spaß besteht, lässt alle, die sich unglücklich fühlen gleich dreifach leiden: Erstens fühlen sie sich unglücklich. Zweitens müssen sie sich Vorwürfe anhören, dass sie nicht genügend für ihr Glück investieren. Und drittens tendieren viele dazu, sich selbstkritisch zu beäugen, denn: „Alle anderen sind glücklich, bloß ich nicht. Was mache ich nur falsch?“ … Es klingt paradox, aber es trifft zu: Viele wären glücklicher, wenn sie auch mal unglücklich sein dürften!

 

Melanie Wolfers, Selig die Unglücklichen

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