Manuskripte

SWR3 Worte

Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft - manche meinen, die lohnen sich nicht, weil man doch nur ausgenützt würde. Aber was wäre die Alternative –  fragt der Journalist Roland Müller:

„Hilfsbereitschaft ist stets mit dem Risiko behaftet, missbraucht zu werden. Doch ist sie deshalb falsch? Die Frage ist, was die Alternative [zur Hilfsbereitschaft] wäre angesichts von Krieg und Verfolgung in Syrien, dem Irak und Teilen der Erde. Wenn unter einer Million Flüchtlingen 1000 Verbrecher sein könnten, nimmt man dann keinen einzigen auf? Und sieht man dann gleichmütig weiter zu, wie Menschen ermordet werden und ertrinken? […]

Eine solche Haltung, […] ist konsequent, aber zynisch. Und sie hat einen Preis: den Verlust von Humanität.“

Roland Müller
In: Leitartikel: Mordfall Maria L., Das Fanal von Freiburg, Südwest-Presse 13.12.2016
http://iphoneapp.hz-online.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Mordfall-Maria-L-Das-Fanal-von-Freiburg;art1222894,4112178

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Heute ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Der Publizist Hans-Albrecht Pflästerer erzählt, was es mit ihm auf sich hat:

„Immer dem Stern nach. Drei weise Männer aus einem fernen Land auf der Suche nach Jesus, dem Kind. Sie finden es, beten es an und erweisen ihm die Ehre mit ihren Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Gold ist wertvoll […]: ein königliches Geschenk. […]

Weihrausch ist ein Gemenge, das kräftig duftet, wenn man es verbrennt […]: ein Symbol für die Gottesverehrung.

Myrrhe ist eine Tinktur aus dem Harz der immergrünen Myrrhe. […] Das Geschenk wird als Hinweis auf die Menschlichkeit Gottes gedeutet. […]

In der christlichen Tradition sind aus den weisen Männern später Könige geworden: drei, durch die Anzahl der Geschenke.

Zur Erinnerung daran ziehen heute die Sternsinger übers Land.“

Hans-Albrecht Pflästerer
Gold, Weihrauch und Myrrhe; In: Andere Zeiten e.V. (Hg.), Der andere Advent 2004/2005

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Manchmal ist es schon ganz schön herausfordernd, das gemeineinsame Familienleben der verschiedenen Generationen. Der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch sagt dazu:

„Wer einen Dialog herbeiführen will, muss sich […] herabneigen, von sich absehen und sich zuwenden. Muss nicht besitzen wollen, darf nicht besitzergreifend sein. […]

Gelegentlich vorsichtig Empfehlungen anbieten […] Kummer aufspüren und teilen […], sich gegenseitig ernst nehmen. Zusammen essen und trinken, […], Aufbegehren aushalten, zusammen traurig sein,

nicht immer alles besser wissen, am besten gar nichts besser wissen, sondern trösten. Ratlosigkeit teilen, Wärme herstellen, Bindungen spüren lassen.“

Hanns Dieter Hüsch
Im Zeichen des Friedens. Dialog mit der Jugend; In: Das Schwere leicht gesagt

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Das neue Jahr ist noch jung. Worauf kommt es an, damit es ein gutes Jahr werden kann? Schon vor rund 65 Jahren überlegte der Dichter Erich Kästner:

„Nein, das alte Jahr war keine ausgesprochene Postkartenschönheit, beileibe nicht. Und das neue? Wir wollen’s abwarten.

Wollen wir’s abwarten? Nein! […]

Wir wollen nicht auf gut Glück, […] nicht auf den Zufall […]

und nicht auf die Weisheit der Regierungen und die Intelligenz der Parteivorstände und die Unfehlbarkeit aller übrigen Büros hoffen.

Wenn Millionen Menschen nicht nur nebeneinander, sondern miteinander leben wollen, kommt es auf das Verhalten der Millionen, kommt es auf jeden und jede an, nicht auf Instanzen.

Wenn Unrecht geschieht, wenn Not herrscht, wenn Dummheit waltet oder Hass gesät wird […] - stets ist jeder Einzelne zur Abhilfe mit aufgerufen. […] Jeder ist mitverantwortlich für das, was geschieht.“

Erich Kästner
D
ie vier archimedischen Punkte, In: Die kleine Freiheit

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Wie wäre es, heute Abend ganz spontan ein paar Freunde zum Essen einzuladen? Sie meinen, der fast leere Kühl- und Vorratsschrank lässt das nicht zu? Frère Roger, Gründer der Kommunität Taizé, meint:

„Wer seinen Besitz teilt, kann nicht umhin, den eigenen Lebensstil zu vereinfachen und seine Wohnung zu öffnen. Es braucht nur ganz wenig, um gastfreundlich zu sein. Zuviel Besitz hemmt die Gemeinschaft eher, als sie zu vergrößern. Bei Tisch entfaltet sich der Geist des Festes in der Einfachheit.

Vereinfachen, um intensiv zu leben – darin findest Du den Geschmack am Leben.“

Frère Roger
Alles vom anderen verstehen.

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Haben Sie eine Liste mit guten Vorsätzen fürs Neue Jahr erstellt? Die Liste der Sozialpädagogin Susanne Niemeyer sieht so aus:

„Ich stelle mir vor, eine „Was-ich-schon-immer-tun-wollte“-Liste anzulegen. Segeln lernen würde ich darauf setzen. […] Eine Katze aufnehmen. Eine Pension eröffnen mit luftigen Zimmern. Abends würde ich für die Gäste Suppe kochen.

Ich weiß: Vieles davon wird Phantasie bleiben.

Und wenn schon - es gibt Träume, die müssen nicht sofort wirklich werden.

[…] Dann und wann hole ich die Liste neugierig hervor. Sieh her, würde ich denken, das Leben bietet tausend Möglichkeiten. Und vielleicht irgendwann, wenn die Zeit reif ist, ergreife ich eine davon.

Und selbst wenn aus der Pension nur ein Suppenessen mit Freunden wird“

Susanne Niemeyer
Was ich schon immer tun wollte; in: Andere Zeiten e.V. (Hg.), Der andere Advent 2007/2008

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Was würden Sie tun, wenn Sie das Neue Jahr regieren könnten? Der Schriftsteller Joachim Ringelnatz antwortete auf diese Frage:

„Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich die ersten Nächte schlaflos verbringen und dann vermutlich tagelang ängstlich und kleinlich ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schmieden.

Dann – hoffentlich – aber laut lachen und endlich den lieben Gott abends leise bitten, doch wieder nach seiner Weise das neue Jahr göttlich selber zu machen.“

Joachim Ringelnatz
In: Andere Zeiten e.V. (Hg.), Der andere Advent 2013/2014

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