Manuskripte

SWR3 Worte

Vom Heiligen Franziskus von Assisi gibt es eine alte Legende. Der Heilige soll einmal mit Gott gesprochen haben. Franziskus wollte wissen, ob Gott eigentlich mit ihm zufrieden ist. Damit wie er lebt und wen er alles liebt.

 „Weinend sagte Franziskus eines Tages zum Herrn.:

Ich liebe die Sonne und die Sterne.

Ich liebe Klara und ihre Schwestern.

Ich liebe das Herz der Menschen und alle schönen Dinge.

Herr, du musst mir verzeihen. Denn: nur dich sollte ich lieben.

 

Da lächelte Gott und sagte:

Ich liebe die Sonne und die Sterne.

Ich liebe Klara und ihre Schwestern.

Ich liebe das Herz der Menschen und alle schönen Dinge.

Mein Franziskus, du musst nicht weinen. Denn: das alles liebe ich auch.“

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Was hat Gott eigentlich gedacht, als er die Welt gemacht hat? Die Theologin Susanne Niemeyer hat dazu eine Idee. Sie schreibt: 

„Als Gott die Welt erschuf, machte er als erstes die Großzu?gigkeit. Das hatte praktische Gru?nde. Er wollte aus dem Vollen schöpfen. Er legte fu?nf Erbsen in eine Schote, statt einer. Er hängte mehr Kirschen in den Baum als er je hätte essen können. Das Meer fu?llte er randvoll und mit Sternen warf er um sich. Dem Menschen gab er zehn Finger und der Fliege tausend Augen. Wenn schon, denn schon, dachte er und rief: „Weitermachen!“

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Die aktuelle Miss Germany heißt Lena Bröder. Sie hat ein Buch geschrieben. Darin erzählt sie vom Geschäft rund um die Schönheitswettbewerbe – und wie sie die Miss-Wahlen ganz persönlich erlebt hat.  

„Blond, blöd, im Bikini und völlig unecht. Das ist die typische Miss-Teilnehmerin. Zumindest im Kopf der meisten Leute. Die haben manchmal auch recht. Meistens aber nicht. Wenn ich Klischees und Geschwätz höre, wie oberflächlich das ganze Miss-Geschäft sei und wie sehr man sich verstellen müsse, dann denke ich für mich: Ich bin Miss Germany geworden nicht obwohl, sondern weil ich ich selbst war. Mit meinen abstehenden Ohren und meiner zu langen Nase und meinem Glauben. Und ich habe mir auf den Laufstegen und Bühnen nicht mein Ich bewahrt oder es gerettet. Sondern ich bin dort noch ein bisschen mehr ich geworden."

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Raphael ist körperbehindert. Seine Mutter schreibt über das Leben mit einem behinderten Kind: 

 „Es ist ein Geschenk, dass wir nicht in die Zukunft blicken können. Wenn man mir vorher gesagt hätte, was mit dem Thema Kind alles auf uns zukommt, so hätte ich dankend abgelehnt, denn einer solchen Aufgabe hätte ich mich niemals stellen wollen.

Inzwischen bin ich dankbar, dass Raphael unser Leben bereichert und uns immer wieder hilft uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein Mensch wie Raphael bewegt sich in keinem Punkt mit dem Mainstream, und es gibt nur wenige, die den Weg vor ihm gegangen sind. Daher reisen wir auf holprigen Trampelpfaden. Es gibt kaum Wegweiser, manchmal müssen wir uns mit der Himmelsrichtung begnügen.“

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Raphael Müller ist 17 Jahre alt und körperbehindert. Er sitzt im Rollstuhl. Raphael Müller kann nicht reden, aber er kann schreiben. In seinem Buch heißt es:  

„Heutzutage wird großen Wert auf Individualität gelegt, und zugleich sollen möglichst alle der Norm entsprechen. Dies raubt Gottes buntem Schöpfungsplan die Brillanz der Farben. Jeder noch so ungewöhnliche Mensch hat seine Berechtigung, seine Aufgabe und sein ganz spezielles Talent. Das Ziel sollte nicht sein, alle gleichzumachen, sondern das Besondere im anderen zu erkennen und sich gegenseitig zu stützen und zu ergänzen. Denn nur so werden wir erkennen, welches Bild dem Puzzle zugrunde liegt.“

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Raphael Müller ist 17 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Als Epileptiker kann er nicht sprechen, aber er kann schreiben. In seinem Buch heißt es:  

„Auch ich möchte Positives bewirken. Mein Schicksal soll mehr bewirken als mir Schmerz bereiten. Es soll Sinn machen und anderen Betroffenen den Weg ebnen. Gott hat mir ein schweres Päckchen mit auf den Weg gegeben. (…) Wenn ich es schon tragen muss, so soll es wenigstens nicht umsonst sein. Ich suche nach einem Weg, es in eine Perle zu verwandeln, und ich will mich auf keinen Fall entmutigen (…) oder ausbremsen lassen durch meine Behinderung, sondern vielmehr beflügeln durch meine Talente. “

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Ein Segen - speziell für alte Menschen, aber nicht nur für sie. Der Autor Phil Bosmans hat ihn geschrieben, als er selber schon alt war.  

„Gesegnet sind, die verstehen,

dass meine Füße nicht mehr gut gehen können

und meine Hände zittrig geworden sind.

Gesegnet sind, die begreifen, dass ich schlecht höre,

und die sich bemühen, laut und deutlich zu sprechen.

Gesegnet sind, die wissen,

dass meine Augen nicht mehr viel sehen und dass ich nicht gleich alles mitbekomme.

 

Gesegnet sind, die nicht schimpfen,

wenn ich etwas verschütte, wenn ich etwas umstoße oder fallen lasse.

Gesegnet sind, die mir helfen, meine Sachen zu finden,

weil ich nicht mehr weiß, wo ich sie hingelegt habe.

Gesegnet sind, die mich anlachen und mit mir reden.

Gesegnet sind, die mir zuhören,

wenn ich von früher erzähle.“

 

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