Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Gebet für schwere Tage des Autors Stephan Sigg:

Guter Gott, manchmal fühl ich mich allein in der Masse der Menschen, fühle mich nicht verstanden, ungeliebt und lästig. Niemand da, der meine Meinung teilt, dieselben Fragen und Zweifel hat.

So viele Menschen auf der ganzen Welt die an dich glauben, die auf dich hoffen. Alle mit ihren Überzeugungen, Zweifeln und Sehnsüchten. Manchmal fühl ich, dass ich einer von Ihnen bin. Schenk mir deinen Geist, damit ich erfüllt werde von deiner grenzenlosen Liebe.

Lass mich Dich spüren, lass mich zu dir finden, im Lärm unserer Welt. Die Stille entdecken und erkennen, welche Tipps Du für mich bereithältst.

 

Quelle: Sigg, Stephan, Form mich, Firm mich, Jetzt entscheide ich, Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck 22011, 41.

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Die Schauspielerin Uschi Glas engagiert sich seit einigen Jahren dafür, dass Kinder morgens nicht ohne Frühstück zur Schule müssen. In einem Interview erzählt sie, wie gut es tut, anderen zu helfen: 

Ich selbst bin in der Nachkriegszeit groß geworden und weiß, wie hart es ist, wenig zu haben. Deswegen habe ich mich im Laufe der Jahre für verschiedene Projekte ehrenamtlich engagiert (…). Weil ich denke, dass wir alle der Gesellschaft gegenüber eine Verantwortung tragen und andere unsere Hilfe brauchen.

Ich bin der festen Überzeugung, jeder kann etwas bewirken: ob arm, ob reich, jung oder alt. Jeder kann seinem Nächsten mit Liebe begegnen. Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, entdecken wir, wo wir gebraucht werden. Und es tut gut, anderen zu helfen. Glück zu teilen ist eine wundervolle Erfahrung. Denn am Ende zählt im Leben nur die Liebe, die wir verschenkt und geteilt haben.


Quelle: „Jeder kann etwas bewirken“, von Lisa-Marie Sowa, in: Frauenzeitschrift „tina“, Nr.15, 6. April 2016, 6.

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Beten verändert. Davon ist Theologin Angela Rinn überzeugt. In einem Interview hat sie erklärt, warum.

Für mich ist das Beten die einzigartige, wundervolle, berauschende Möglichkeit, mit Gott zu sprechen – wie mit einem Freund oder einer liebevollen Mutter. Manchmal ist das auch nur ein Stoßseufzer, ein kurzer Dank dafür, dass ich meinen Tag gut überstanden habe.

Manchmal ist es ein leidenschaftliches Bedrängen, wenn ich für mich oder mir liebe Menschen unbedingt etwas erreichen will. Als mein bester Freund todkrank war, habe ich so gebetet. Ich hätte es unerträglich gefunden, wenn ich in dieser Zeit nicht hätte beten können.

Mein Freund selbst hat auch so heftig gebetet, dann verzweifelt, als er spürte, dass unsere Gebete sich nicht erfüllen. Zuletzt hat er darum gebetet, sterben zu dürfen.

Ich bin mir sicher, dass unser Schicksal von unserem Beten abhängt, einfach, weil es mich und andere verändert

 

Quelle: http://www.zeit.de/2016/28/gebete-gott-hilfe-seele (letzter Zugriff: 15.09.2016)

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Schwamm drüber. Leichter gesagt als getan.  Davon erzählt diese Geschichte:

Eines Tages kam ein weiser Alter zu Besuch zu einem jungen Mann. Als er das Wohnzimmer betrat und sich in einen Lehnstuhl setzte, erblickte er eine große Tafel an der Wand. (…) Und in seiner Neugier fragte er den Jungen danach.

„(…) Das alte Schulgebäude -sagte der Junge-  wurde geschlossen. Und jeder durfte etwas mitnehmen. Ich griff sofort zur Tafel.“

Der alte Mann fragte ihn, „was machst du mit der Tafel? Ich sehe, sie ist von oben bis unten voll beschrieben.“

Der junge Mann (…) sagte: „Da habe ich all die vielen Dinge aufgeschrieben, wo andere mir Böses getan haben. (…).“ Traurig blickte er den alten Mann an.

Der hakte jedoch nach: „Ist denn keiner zu dir gekommen und hat dich um Verzeihung gebeten?“

„Doch“, (…) „Soweit ich mich erinnern kann, waren es viele. Aber ich kann es trotzdem nicht ungeschehen machen.“ (…) Was würdest du denn an meiner Stelle tun?“

Ohne zu zögern bekam er die Antwort: „Schwamm drüber!“

Und mit einem Blick wies der alte Mann auf den Tafelschwamm, der an der Seite hing – er war seit Jahren vertrocknet.

 

Quelle: Hoffsümmer, Willi (Hg.), 77 Herzfenster – Geschichten, die gut tun, Patmos Verlag, Ostfildern 72015, 84f.

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Das Gedicht  „Selbsterkenntnis“ von der Autorin Ute Latendorf:

Ich bin kein frei fliegender Vogel

und auch keine behäbige Kuh.

Ich habe ein bisschen von beidem

und noch etwas anderes dazu.

 

Ich bin nicht so mutig wie der da

und nicht so locker wie die.

Aber so spießig und ängstlich wie jene

und langweilig war ich noch nie.

 

Ich werde wohl niemals ein Schloss baun,

dafür reichen die Steine mir nicht.

Doch ich will eine ganz kleine Birke pflanzen,

die wächst dann und hebt sich zum Licht.

 

Ich bin keine Märchenprinzessin,

doch ich hocke auch nicht hinterm Herd,

ich krieche nicht wie ein Schnecke,

aber reite auch kein wildes Pferd.

 

Ich stehe an gar keiner Spitze,

aber treten kann niemand auf mich.

Ich bin wie andere und ich bin nicht wie sie,

ich bin wohl am ehesten ich.

 

Quelle: Latendorf, Ute, Selbsterkenntnis, in: Glückspilz – 12 wunderbare Entdeckungen, Eschbach: Verlag am Eschbach der Schwabenverlag AG 2014, 15.

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Ein Segensgebet für schwere Zeiten vom Theologen Jürgen Kaufmann:

Wo Schmerz dir den Mut zum Leben raubt, da stärke Gott dich mit seinem Segen. Er zeige dir den Weg zu sich, inmitten deiner Einsamkeit. Wo Fragen dir den Verstand  rauben, dort stärke Gott dich mit seiner Nähe. Er öffne dir Ohren und Herz, um Antworten zu verstehen, wenn es an der Zeit ist. Wo Schlaflosigkeit dir die Kräfte raubt, da stärke Gott dich mit seinen Gedanken. Er helfe dir im Wachsen der Hoffnung, dass er dich begleitet, wohin auch immer du gehst.

 

Quelle: Kaufmann, Jürgen, Du hast mein Leben dem Tod entrissen – offene Trauerandachten (Feiern mit der Bibel – Band 28), Verlag Katholisches Bibelwerk

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Die Journalistin Misha Leuschen macht sich Gedanken rund um das Thema Sonntagskleider.

Mein liebstes Sonntagskleid war rosa (…). (…) Noch heute erinnere ich mich genau an das Gefühl des leicht kratzigen (…) Stoffs (…).

Sonntagskleider besitze ich schon lange nicht mehr. Am Sonntag trage ich meine Alltagskleider (…). Das Feierliche (…), ist auf der Strecke geblieben. (…) Die Freude am Sonntag (…) ist mir längst abhanden gekommen. (…) Lieber ausschlafen als morgens zur Kirche gehen, lieber Jogginghose statt Sonntagskleid.

Gott mag es gleich sein, wie ich vor ihn  trete. Aber mir sollte es nicht egal sein. Das merke ich, wenn ich mich doch mal aufmache zum Sonntagsgottesdienst und auf dem Weg zur Kirche meine afrikanischen Nachbarn treffe. Dann fühle ich mich beschämt von ihrer Fröhlichkeit (…), mit denen sie den sonntäglichen Kirchgang als Höhepunkt der Woche zelebrieren und dies auch in ihrer Kleidung zeigen. Die Frauen, prächtig gekleidet in allen Farben des Regenbogens (…). Die Männer piekfein, mit bunten Westen und wunderschönen Krawatten. (…)

Diese Messlatte liegt definitiv zu hoch für mich. Aber Schuheputzen wäre schon ein guter Anfang.

 

Quelle: Andere Zeiten e.V., Hamburg 2009, sonntags – Erfindungen der Freiheit, keine Seitenzählung vorhanden.

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