Manuskripte

SWR3 Worte

Man muss nur immer wieder an sich arbeiten, dann kann man glücklich werden, heißt es. Der Geigenbauer Martin Schleske hält das für einen Irrtum. Er fragt: 

Wie kommen wir eigentlich auf diese Überheblichkeit, dass man "an sich arbeiten" kann - als könne man Werkstück und Werkmeister in einem sein? 

Als Geigenbauer weiß ich: Jedes Holz hat seinen Faserverlauf, seine Geschichte, seine Eigenheiten und Verletzungen. Das muss ich spüren, um das Holz zum Klingen zu bringen.
...
Ein Mensch, der sein Vertrauen auf die Weisheit Gottes setzt, hat keine besseren Holzfasern als andere, aber er weiß, er hat einen Meister, der sie zum Klingen bringt. Es ist das Geheimnis des Geigenbaus: Nicht das Holz wird dem Meister gerecht, sondern der Meister wird dem Holz gerecht.

Martin Schleske: Herztöne, Lauschen auf den Klang des Lebens

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Die Kriegsreporterin Antonia Rados hat viele Interviews geführt, auch mit mächtigen Männern wie zum Beispiel mit Sadam Hussein. Dabei hat sie viel über mächtige Männer und ihr Frauenbild gelernt. Sie sagt:

"Im Gespräch mit einer Frau sind .. solche Herrscher überzeugt, es werde bestimmt einfach für sie. Sie denken, dass man uns Frauen mit unserer vermeintlichen Sentimentalität leicht auf seine Seite ziehen kann. Das ist immer wieder sehr interessant zu beobachten. In dem Augenblick, wo sie begreifen, dass diese Strategie nicht aufgeht, entsteht ein Moment der Lähmung, da sie nicht wissen, wie sie nun damit umgehen sollen. Nach solchen Treffen habe ich es schon mehrmals erlebt, wie ich oder andere Frauen als "unberechenbare Schlange" oder sogar als Hure dargestellt wurden?. 

Galore Interviews, DIALOG GmbH Dortmund, Ausgabe 8/2016, S. 61

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Der heutige Tag heißt „Michaelis“ und erinnert an den Erzengel „Michael“. Der katholische  Theologe Anselm Grün schreibt über ihn:

Seit jeher gilt Michael als der Engel, der für uns kämpft. Er besiegt den Drachen. […] Michael ist kein niedlicher Engel, sondern ein Engel voller Kraft. Und diese Kraft sendet Gott jedem Menschen, damit er nicht von den Mächten dieser Welt besiegt wird.

Das ist eine tröstliche Botschaft. Neben uns ist ein Engel, der für uns kämpft. […] wenn Menschen gegen uns kämpfen, aber auch dann, wenn wir im Kampf mit uns selber liegen. […]

Manchmal wundere ich mich, wie Menschen mit einer brutalen Kindheit dennoch halbwegs normal geblieben sind, daß sie Großes geleistet haben. Da ist Michael für sie eingetreten. Er hat für sie gekämpft und sie selbst durch die harten Auseinandersetzungen mit neuer Kraft ausgerüstet. […] Michael verweist auf die Kräfte, die in unserer Seele schlummern. 

Anselm Grün: Jeder Mensch hat einen Engel

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Wir Europäer sind stolz auf unsere freiheitliche, demokratische, westliche Welt, meint die Auslandskorrespondentin Antonie Rados. Dass das nicht immer so war, wird ihr durch eine ägyptische Bekannte klar, die ganz anders auf dieses Europa schaut.

"Sie … kam nach Berlin, um dort zu studieren. Sie erzählte mir, sie habe sich wenig mit der europäischen Geschichte beschäftigt, und sie wusste tatsächlich nichts über den Holocaust. Ihr war es unverständlich, wie im Herzen der westlichen Zivilisationen systematische Massenmorde geschehen konnten, und meinte, bei allem Schlechtem im Nahen Osten, ist derart Schlimmes dort nie geschehen."

Galore Interviews, DIALOG GmbH Dortmund, Ausgabe 8/2016, S. 66

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Die Schauspielerin Anke Sevenich hat bei vielen Tatort- Krimis mitgespielt. Zu Gott hat sie vor allem eine dankbare Beziehung. Sie sagt:

Ich bete, wenn etwas auf der Haben-Seite steht, wenn etwas gelungen ist. Ich bin zum Beispiel einfach dankbar, dass ich meinen Sohn habe, ein ganz großes Geschenk. Eine Vorstellung von Gott? Nein. Auch kein klares Bild. Aber ich glaube an den christlichen Gott und an das was die Bibel vorgibt. Das sage ich so dezidiert, weil ich den Eindruck habe, dass es nicht mehr so angesagt ist, Christ zu sein. 

Aus CHRISMON-Plus, Hg. v. Heinrich Bedford-Strohm u.a.

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Der Geigenbauer Martin Schleske war einmal so verzweifelt, dass er seine Geigenbauwerkstatt aufgeben wollte. Aber vorher wollte er doch mit Gott noch ein Wörtchen darüber reden und hat gebetet: 

"Dies ist deine Werkstatt, Vater, es ist deine Werkstatt! Die Leute glauben, ich sei der Meister dieser Werkstatt, aber du bist der Meister. Wenn ich das hier tun soll, dann musst du es segnen! Ich kann auch etwas Anderes machen, ich klebe nicht an dieser Arbeit." ..." Du kannst diese Werkstatt auch dichtmachen. Dann mache ich etwas Anderes. Aber du solltest schon daran denken, dass du dann eine gute Werkstatt verlierst!"

Martin Schleske: Herztöne, Lauschen auf den Klang des Lebens

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Was ist Feindesliebe? Der kürzlich verstorbene Pfarrer und Theologe Jörg Zink beschrieb sie so:

Den Feind lieben heißt gewiss nicht sich anbiedern oder unterwerfen, es heißt gewiss nicht Grausamkeit hinnehmen, ohne sich zu wehren und den Verfolgten zur Seite zu stehen. Aber es heißt sehen, dass auch unsere Feinde Menschen sind wie wir: fehlerhaft, verängstigt, irrend, gebunden an Interessen und Vorurteile. […]

Den Feind lieben – das heißt in den Spiegel sehen … und darauf achten, nicht ungewollt ähnlich zu handeln wie er.

Den Feind lieben – das heißt …davon ausgehen, dass Menschen sich ändern können, Feindschaften beigelegt und Konflikte versöhnlich beendet werden können.

Aus: Entrüstet euch! Hg. v. Margot Käßmann und Konstantin Wecker

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