Manuskripte

SWR3 Worte

Der niederländische Schriftsteller Abel Herzberg schreibt im Vorwort zu einem Buch die folgenden Zeilen:

So wie es Menschen gibt, die singen, nicht weil sie es wollen, sondern weil sich in ihnen eine Stimme erhebt, so gibt es auch Menschen, die glauben, nicht aus Angst und nicht wegen der Hoffnung auf Belohnung, sondern weil sie kraft ihres Wesens nicht anders können.

 

Huub Oosterhuis, Auf halbem Weg, Herder: Wien 1975

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Der Schriftsteller Mieczys?aw Malinski schreibt über das Menschsein:

Zuerst einmal musst du Mensch sein, erst dann kannst du Beamter sein, Arbeiter, Lehrer, Priester oder Arzt. Denn wenn dein Beruf auch wichtig, ja ehrwürdig ist, so darf er doch dein Menschsein nicht überwuchern. Selbst wenn die Institution, in der du arbeitest, groß, bedeutend, ja heilig ist, darfst du nicht ihr Werkzeug werden. Wenn du dich sklavisch an ihre Vorschriften hältst, zerstörst du Menschen, statt ihnen zu dienen. Keine von ihnen kann dir die Verantwortung abnehmen, als Mensch zu handeln. 

Mieczys?aw Malinski, Brot für jeden Tag, Herder: Freiburg 1976

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Die Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu über den Drang, möglichst alles gleichzeitig tun und erleben zu wollen:

Die Dinge nach und nach tun. Eins nach dem anderen. Und dann passt so viel mehr in den Tag hinein. Eins nach dem anderen. Nach und nach. Und dann scheint der Tag unendlich. Und voller Ereignisse.

Eins nach dem anderen. Immer wieder muss ich das lernen. Obwohl ich es schon längst weiß. Und sofort wieder vergesse. Es ist das Selbstverständlichste. Und doch kann man schwer dem Reiz der Gleichzeitigkeit widerstehen. Allgegenwärtig sein zu wollen. Selbstmächtig. Allmächtig.

 

Carmen-Francesca Banciu, Leichter Wind im Paradies, PalmArtPress: Berlin 2015

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Die Schauspielerin Anke Sevenich sagt über ihr Verhältnis zu Gott:

Ich habe ein dankbares Verhältnis zu Gott. Ich bete, wenn etwas auf der Haben-Seite steht, wenn etwas gelungen ist. Ich bin zum Beispiel einfach dankbar, dass ich meinen Sohn habe, ein ganz großes Geschenk. Eine Vorstellung von Gott? Nein. Auch kein klares Bild. Aber ich glaube an einen christlichen Gott und an das, was die Bibel vorgibt. Das sage ich so dezidiert, weil ich den Eindruck habe, dass es nicht mehr so angesagt ist, Christ zu sein. 

in: Chrismon. Das evangelische Magazin Heft 9/2016

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Die Schauspielerin Anke Sevenich sagt über ihre Beziehung zur Kirche:

Ich gehe nicht regelmäßig, aber ich gehe gern in die Kirche, das ist Teil meiner kulturellen Identität. Mich berührt es, wenn ich in alten Kirchen bin. Je älter, desto besser. Mir gefällt der Gedanke, dass da schon vor Hunderten von Jahren Menschen gesessen haben und nach dem Sinn des Lebens gefragt haben. Auch Menschen, die zu meiner Familie gehörten. Das ist für mich Anlass genug zu sagen: Okay, kannst du auch mal versuchen, da ist vielleicht was dran. 

in: Chrismon. Das evangelische Magazin Heft 9/2016

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Der Schauspieler Matthias Brandt über seinen Umgang mit dem Scheitern:

Ich glaube, dass wir grundsätzlich ein etwas seltsames Verhältnis zum Scheitern haben. Das liegt an diesem Selbstoptimierungsquatsch, diesem elenden Effizienzdenken. Man versucht systematisch, das Scheitern aus unserem Leben auszublenden. Nur weil irgendjemand mal die Behauptung aufgestellt hat, das dürfe nicht sein. Alles, was nicht gelänge, sei nichts wert: Aber wer sagt das eigentlich? Für mich ist Scheitern wesentlich, ich habe alles Wesentliche durch das Scheitern gelernt.

 

in: Süddeutsche.de vom 03.9.2016, http://www.sueddeutsche.de/leben/schauspieler-matthias-brandt-im-interview-ich-habe-alles-wesentliche-durch-das-scheitern-gelernt-1.3142961

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Der Schauspieler Matthias Brandt antwortet auf die Frage, ob er eine Vorstellung von Gott habe:

Ich bin mir nicht sicher. Ich finde es beeindruckend, Menschen zu begegnen, die absolut sicher und gefestigt in ihrem Glauben sind. Das muss toll sein, weil es eine Art von Gemeinschaft schafft, zu der ich eben nicht gehöre. Momentan erlebe ich das nicht als Mangel, aber ich weiß ja nicht, was mir im Leben noch widerfährt. Und ich habe durchaus das Gefühl, dass nicht alles in meiner Hand liegt. Es kennt doch jeder so eine Empfindung, dass Dinge passieren, weil sie passieren sollen – oder eben nicht passieren, weil sie nicht passieren sollen. Dieses Gefühl ist mir sehr vertraut. 

in: Chrismon. Das evangelische Magazin Heft 6/2016

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