Manuskripte

SWR3 Worte

Warum sind wir hier? Was soll das Ganze? Ganz plötzlich kann die Frage nach dem Sinn des Lebens im Alltag auftreten. Die Theologin Dorothee Sölle hat eine Idee, wie wir mit ihr umgehen können:

„Die Religionen geben auf diese Frage eine denkwürdige Antwort, die, obwohl oft genug kritisiert, etwas Unausrottbares an sich hat.

Sie reden alle […] von der ursprünglichen Kraft des Lebens, dem Ursprung aller Dinge, von dem, was alles zusammenhält und trägt. […] Wir müssen aufpassen, nicht ‚Sinn‘ mit ‚Erfolg‘ zu verwechseln. Denn das ist eine lebensgefährliche Verwechselung, wenn wir das Leben zurechtstutzen auf das Machbare und auf das, was sich konsumieren lässt. Meine christliche Tradition hat uns wirklich mehr versprochen! […] Gerechtes Handeln und die Verbundenheit mit allem, was lebt […] und Gott nicht oben und nicht später, sondern jetzt und hier.“

Dorothee Sölle, Hunger nach Sinn
In: Den Rhythmus des Lebens spüren. Inspirierter Alltag

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„Work-life-Balance“ – das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit wahren: wie könnte das gehen? Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler meint:

„Begrenzen und unterbrechen Sie Ihre Arbeit regelmäßig. Pausen sind heilig.

Der Sabbat ist heilig – d.h. mindestens ein arbeitsfreier Tag in der Woche, bevorzugt der Sonntag, gehört allein Ihnen und den Ihren!

Mahlzeiten sind heilig.

Arbeit ist das halbe Leben, nicht das ganze. Halten Sie Distanz, bewerten Sie die Arbeit nicht über, sondern behalten Sie im Auge, was Ihnen sonst im Leben kostbar ist.“

Tun und Lassen.
In: Suanne Breit-Keßler, Norbert Dennerlein (Hg.) zusammen mit Wolfgang Breithaupt, Wolfgang Geilhufe, Friedrich Hörsch, Detlef Klar, Kerstin Lammer, Lothar Mischke, Klaus Pönnighaus, Ingrid Weiß: Stay wild statt burn out. Leben im Gleichgewicht

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Vor 77 Jahren haben die Nazis das sogenannte „Euthanasie“ Programm angeordnet. Der Journalist Andreas Schlebach kommentiert:

„Vom "Gnadentod" ist zynisch die Rede, tatsächlich werden die Menschen ermordet - durch Medikamente, Nahrungsentzug oder quälende medizinische Tests. […] Bis Kriegsende fallen dem Vernichtungsprogramm rund 200.000 Menschen zum Opfer. […] Im Menschenbild der Nationalsozialisten  […]  wird das Leben nach ökonomischen Kriterien beurteilt. Wer den nationalsozialistischen Normen […] nicht entspricht, läuft Gefahr, nicht mehr als nützlich für die Volksgemeinschaft eingestuft zu werden. Psychisch Kranke, [alte Menschen und Behinderte] gelten zunehmend als [sogenannte] "Ballastexistenzen", die zu beseitigen sind.“

Andreas Schlebach
Hitler und das „lebensunwerte“ Leben. 15.08.14, in: http://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/Hitler-und-lebensunwerte-Leben,euthanasie100.html

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Frieden und Gerechtigkeit, das sind für den Islam und das Christentum wichtige Werte. Deshalb haben Christen und Muslime in Baden-Württemberg ein gemeinsames Wort herausgegeben, in dem es heißt:

„Wir teilen die Überzeugung, dass neben politischen Kräften in erster Linie menschliche, religiös begründete Überzeugungen den Frieden und die Gerechtigkeit fördern. Friede vermehrt sich dadurch, dass wir ihn teilen. […] Umso mehr nehmen wir mit Betroffenheit die gewaltsamen Konflikte wahr – weltweit und bei uns. […]. Wir rufen dazu auf, […] z.B. durch die Möglichkeit der praktischen Zusammenarbeit […]  in der Aufnahme und Unterstützung von Flüchtlingen , […] den Friedensimplus und das Friedenspotential der Religion neu […] zu stärken und zu profilieren.

ACK (Hg): Gemeinsames Wort der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Islamischer Religionsgemeinschaften und Initiativen in Baden-Württemberg zum Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit. Stuttgart 2016. In: http://www.oekumene-ack.de/fileadmin/user_upload/Material_Aktuelle_Meldungen/
gemeinsames_wort_fuer_frieden_und_gerechtigkeit.pdf

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Mit vier Jahren kam sie aus der Türkei nach Deutschland: Arife Ugur. Heute gibt die 34jährige islamischen Religionsunterricht und sagt:

„Wir thematisieren im Unterricht, dass die islamistischen Terroristen den Islam falsch verbreiten. Terror hat nichts mit dem Islam zu tun. Und dann sage ich den Kindern und Jugendlichen, dass sie auch in der Kirche beten können – auf ihre Weise. Denn einige der Kinder denken, dass sie nicht in eine Kirche gehen können. Aber das stimmt ja nicht. Es ist nur ein anderer Gottesdienst. Das verstehen sie. Beim Einschulungsgottesdienst legen wir deswegen auch viel Wert darauf, dass wir den Imam haben und ebenso den evangelischen und katholischen Pfarrer.“

Arife Ugur im Text von Susanne Fischer-Bolz
„Sie distanzieren sich von den Islamisten. Islamischer Religionsunterricht an der Sekundarschule, in: Altenaer Kreisblatt, 30. Juli 2016

Aussprache: http://de.pons.com/übersetzung?q=arife&l=detr&in=&lf=de
http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung?q=u%C4%9Fur&l=detr&in=ac_tr&lf=de

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Die Dirigentin Martina Batiç leitet in Erfurt ein Konzert, in dem Stücke aus unterschiedlichen Religionen vorkommen. Sie sagt:

„Ich betrete sehr gern Neuland. Den interreligiösen Dialog zu pflegen und sich für Werte wie Menschlichkeit, Toleranz, Frieden und Respekt einzusetzen, finde ich heute wichtiger denn je. Wir müssen alle Ideen stärken, die uns einander näherbringen. Deshalb möchte ich mit dem Konzert ein musikalisches Zeichen für die Gleichberechtigung der verschiedenen Religionen setzen.“

Martina Batiç zitiert im Text von Martina Helmig
Gebet mit vielen Stimmen. Jüdische, byzantinische und armenische Gesänge erklingen beim Abschlusskonzert im Erfurter Dom, in: Welt am Sonntag, Nr. 31., 7. August 2016

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Beten heißt vor allem, das Leben sein lassen, wie es ist. Das meint die Hamburger Pfarrerin Melanie Kirschstein und sagt:

„Es ist gar nicht so einfach, nur wahrzunehmen und auszuhalten, was gerade ist. Schnell sind die Gedanken auf und davon und drehen sich in den üblichen Sorgenkreisen. Nein! Nicht denken, keine inneren Debatten führen, auch unangenehmen Dingen nicht ausweichen. Alles so sein lassen. […] Auch das Schwere ist aufgehoben im großen Lebensfluss, der uns trägt und verändert.

Beten heißt: Sich selbst und das Leben mit Licht und Schatten liebevoll wahrzunehmen, zu akzeptieren und zugleich an Heilung und Veränderung zu glauben.“

Melanie Kirschstein
Beten, in: Andere Zeiten (Hrsg.): wandeln. Mein Fasten-Wegweiser.

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