Manuskripte

SWR3 Worte

Heute ist mein Geburtstag. Und an diesem Tag möchte ich einen Satz weitergeben der mir wichtig ist. Er ist von Oscar Wilde und geht so:  

Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon.

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Sich nicht von der Länge eines Vorhabens lähmen lassen. Wie das geht erklärt Beppo Straßenkehrer im Kinderbuchklassiker MOMO: 

Manchmal hat man eine schrecklich lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen (…). Und dann fängt man an, sich zu eilen(…). Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. (…) So darf man es nicht machen. (…) Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken. Man muss nur an den nächsten Schritt denken. Den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude. Das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schr

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Ruth Pfau ist Ordensschwester und Lepra-Ärztin in Pakistan. Über die Liebe sagt sie: 

In der Liebe kommen wir dem Eigentlichen am nächsten. Liebe ist nie verdient, nie hart erarbeitet und nie eigene Leistung. Sie ist Zufall, Geschenk. Es gab und gibt in meinem Leben immer wieder Situationen, in denen ich in fast panischer Angst denke, hier kannst du nicht lieben, wie willst du diese Aufgabe durchstehen, diesen Menschen bejahen? Wie willst du denn auch nur mit denen arbeiten?

Aber wenn ich dann wirklich aufmerksam hinschaue, gelingt es doch immer wieder. Einfach, weil Gott keine Ausschussware schafft. Irgendetwas Schönes, Kostbares ist in jedem Menschen, vielleicht auch nur etwas Tragisches, aber immer etwas, was ich doch lieben kann. 

Ruth Pfau. in: Sylvia Müller und Ulrich Sander (Hrsg.): Schenk deiner Seele ein Lächeln, Herder, S. 44.

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Die Theologin Christa Spilling Nöker hat sich mal gefragt ob in jedem Menschen ein Engel steckt. Dabei hat sie sich folgendes überlegt: 

Was für ein faszinierender Gedanke, wenn wir uns vorstellen, dass in jedem von uns, neben allen dunklen und auch anstrengenden Seiten, auch ein Engel steckt. Dass uns also auch eine innere Kraft verfügbar ist, uns nicht von Missgeschicken oder gescheiterten Vorhaben lange niederdrücken zu lassen. Als besonders glücklich ist wohl der Mensch zu schätzen, dem eine Portion Humor in die Wiege gelegt worden ist. Ihm wird es umso leichter fallen, enttäuschenden Erfahrungen mit Selbstironie und Witz zu begegnen und ihnen damit die drückende Schwere zu nehmen. Aber ein wenig kann es ein jeder tagtäglich üben, die inneren Flügel Stück für Stück wachsen zu lassen. 

Christa Spilling Nöker. in: Sylvia Müller und Ulrich Sander (Hrsg.): Schenk deiner Seele ein Lächeln, Herder, S.17.

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Eine jüdische Geschichte über den Reichtum: 

Eines Tages kam ein Mann zu einem Gelehrten und wollte von ihm wissen: „Meister, warum sind reiche Menschen meist so hartherzig und kalt?“ Ohne darauf zu antworten, forderte ihn der Meister auf: „Geh ans Fenster und blicke durch die Scheibe?“ Der Mann trat ans Fenster und sah hinaus. „Was siehst du?“ „Was soll ich schon sehen? Ich sehe die Menschen, die Straße, den Park, den blauen Himmel, die Sonne.“ Nun verlangte der Meister vom Mann, sich vor den Spiegel zu stellen –was dieser auch tat. „Und was siehst du nun?“ „Na ich sehe mich!“, antwortete ihm der Mann verdutzt. Damit hast du dir deine Frage selbst beantwortet: „Das Fensterglas unterscheidet sich vom Spiegel nur durch eine Silberschicht. Nur durch dieses bisschen Silber siehst du plötzlich nur noch dich!“

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Eine Geschichte von einem mir unbekannten Verfasser

Ein kleiner Junge, der auf Besuch bei seinem Großvater war, fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen. Im gleichen Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück und der Junge versuchte vergebens sie mit einem Stöckchen herauszuholen. Der Großvater hatte ihm zugesehen und hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen.

"Das ist falsch", sagte er, "komm' ich zeig' dir wie man das macht."

Er nahm die Schildkröte mit ins Haus und setzte sie auf den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, steckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.  

"Menschen sind manchmal wie Schildkröten", sagte der Mann. "Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte auf und er wird seinen Panzer verlassen können."

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Ich glaube an das Gute, auch wenn so viele Menschen vom Bösen heimgesucht werden. Ich glaube an das Schöne, auch wenn das Häßliche in der Welt wuchert und der Dreck tief in den Menschen dringt. Ich glaube an die Liebe, auch wenn so viel Feindschaft herrscht und so viel Haß geschürt wird. Ich glaube, daß der Uranfang des Guten Gott ist. Gott ist nicht der gute Mensch, aber in jedem guten Menschen kommt er auf uns zu. Gott ist nicht die Blume, aber in jeder Blume ist er vorübergegangen. In allem, was lebt, hat Gott eine Spur seiner Liebe hinterlassen. In jedem Grashalm entdecke ich seine Signatur.

© Phil Bosmans (1922 - 2012), belgischer Ordenspriester, Telefonseelsorger und Schriftsteller, ›der moderne Franziskus‹

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