Manuskripte

SWR3 Worte

Wo finde ich Gott? Wo kann ich ihm begegnen? Ernesto Cardenal hat als Priester mit den Armen in Nicaragua gelebt. Seine Erfahrung ist:

„Gott ist die Heimat aller Menschen. Er ist unsere einzige Sehnsucht.
Gott ist im Innersten aller Kreatur verborgen und ruft uns. Das ist die geheimnisvolle Ausstrahlung, die von allen Wesen ausgeht. Wir hören seinen Ruf in der Tiefe unseres Wesens wie die Lerche, die in der Frühe von ihrer Gefährtin geweckt wird, oder wie Julia, die Romeo unter ihrem Balkon pfeifen hört.“

Ernesto Cardinal Die Freude der Armen. Texte zur Orientierung: Ernesto Cardinal

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22116

Menschen, die in der Wüste leben, sind faszinierend anders, meint die Journalistin Karin Weber- Duve. Sie erzählt:

„Die Beduinen gehören mit zu dem Eindrucksvollsten meiner Reise durch die tunesische Sahara. Die Würde der Männer, ihre Ruhe, die Art, wie sie gehen, ein Feuer entfachen, Tee kochen, die Lasten abhängen und wieder aufsatteln. Ihre ganze Aufmerksamkeit und Hingabe gilt dem Moment. Dem, was gerade ist. Vielleicht liegt einer der Gründe für meine Faszination von der Wüste in dem Wiederfinden der Bedeutung des Moments: Er war mir damals, als ich vom Kindsein Abschied nahm, verloren gegangen.“

Karin Weber-Duve Karawane der Frauen; Zeitschrift: Brigitte woman.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22115

Geben ist seliger als nehmen, steht in der Bibel. Dazu eine Geschichte.

„Ein alter Mann sitzt in einem Bus. In seinem Arm hält er einen wundervollen Blumenstrauß. Eine junge Frau kann ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen. Immer wieder schaut sie zu den bunten Blumen. Kurz vor der nächsten Haltestelle erhebt sich der Mann und geht zu der Frau. „Gefällt Ihnen der Strauß?“ Er reicht ihr die Blumen und sagt: „Er ist eigentlich für meine Frau. Aber ich denke, sie hätte gern, dass Sie ihn bekommen. Ich gehe nun zu ihr und erzähle ihr, dass ich die Blumen Ihnen geschenkt habe.“

Erstaunt nimmt die Frau den Strauß dankend entgegen. Als der alte Mann aussteigt, sieht sie ihm nach. Er verschwindet durch ein Tor, das auf einen kleinen Friedhof führt.“

Geschenkt. In: Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22114

Ein gemütliches Zuhause zu haben, tut gut. Seine Türen auch für andere Menschen zu öffnen, ist wichtig, meint die Theologin Dorothee Sölle und erzählt:

„Vor kurzem hörte ich eine Geschichte über einen Bekannten von mir, den ich sehr schätze. Dieser Mann wurde gebeten, seine leerstehende Wohnung einer ihm gut bekannten Frau mit vier Kindern, die ihren krebskranken Mann besuchen wollte, für zwei Nächte zur Verfügung zu stellen. Er lehnte das ab. […] Dieses Verhalten störte mich sehr […] und ich habe mich gefragt, warum es mich so betroffen macht, wenn jemand Angst vor Unordnung und Schmutz hat und eine Art Intimität wahren möchte. [… Ich habe erkannt:] Zuhause sein, ein Heim haben und die eigenen vier Wände gestalten, […] das ist schön, aber es ist auch gefährlich, nämlich dann, wenn es zu etwas Unberührbaren tabuisiert wird.“

Dorothee Sölle Zu Hause war noch niemand. In: Dies.: Mutanfälle. Texte zum Umdenken

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22113

Albert Einstein kannte sich nicht nur mit der theoretischen Physik aus, sondern auch mit dem menschlichen Miteinander. Er rät:

„Güte entspannt […]. Sie beseitigt Misstrauen und Missverständnisse.
Indem Güte wiederum Gütigkeit weckt, verstärkt sie sich selber.

Deshalb ist sie die zweckmäßigste und intensivste Kraft. Was ein Mensch an Gütigkeit in die Welt hinausgibt, das arbeitet an den Herzen der Menschen und an ihrem Denken. [...]  Eine unermessliche Wahrheit liegt in dem Worte Jesu: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

Albert Einstein Ehrfurcht vor dem Leben.
In: Geschenk der Stille. Hrsg. v. Hedwig-Maria Winkler und Erwin Brandes.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22112

CARE-Pakete: auch heute noch werden Lebensmittelpakete geschnürt und zu Menschen in Not geschickt. CARE-Pakete haben eine lange Tradition. Vor 70 Jahren halfen sie den in Deutschland gestrandeten Flüchtlingen über die erste große Not hinweg. Irmingard Kruse erinnert sich:

„Wir waren fünf Kinder, das sechste war unterwegs, als 1946 das erste CARE-Paket aus den USA bei uns eintraf. Was für eine riesige Freude für unsere Familie, die nach der Flucht aus dem Osten in Lübeck gestrandet war – mit Nichts. Wir lebten zu siebt in einem einzigen Raum, hungerten und froren. […]. Die CARE-Pakete brachten plötzlich wieder Hoffnung in diese Zeit der bitteren Not.“

Irmingard KruseCARE Deutschland-Luxemburg e.V.: 70 Jahre CARE-Pakete für Menschen in größter Not, https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfsorganisationen/care-deutschland-luxemburg/70-jahre-care-pakete-fuer-menschen-in-groesster-not

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22111

Nach einer Auseinandersetzung wieder auf den anderen zugehen? Die Management-Trainerin Sabine Asgodom sagt, warum sich das lohnt:

„Über Menschen, die uns enttäuscht haben, sagen wir oft trotzig: ‚Die brauchen wir nicht‘. Doch: Menschen brauchen Menschen. Menschen brauchen Zuneigung, Freundschaft und Anerkennung. Deshalb finde ich, ist es immer einen Versuch wert, Beziehungen zu retten.

Vielleicht sind Sie die Stärkere in diesem Spiel, vielleicht können Sie die Hand ausstrecken zur Versöhnung.

Vielleicht sind Sie im Recht und der andere war vielleicht schuld?
Nun, deshalb können Sie großzügig sein, verzeihen und einen neuen Anfang wagen.“

Sabine Asgodom
Lebe wild und unersättlich! 10 Freiheiten für Frauen, die mehr vom Leben wollen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22110