Manuskripte

SWR3 Worte

Der Folksänger Phil Ochs protestierte in den 1960er Jahren gegen die politische Situation in den USA und den Vietnamkrieg. Aber es gab für ihn noch einen anderen Weg als den Protest. Er sagte:

 "In einer derart brutalen, hässlichen Welt liegt der wahre Protest in Zärtlichkeit und Schönheit."

 

Gefunden auf Dradio.de

http://www.deutschlandfunk.de/songwriter-phil-ochs-die-us-amerikanische-stimme-des.871.de.html?dram:article_id=350769

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22059

Konstantin Wecker darüber was Religion nicht ist und was sie wertvoll macht:

Religion heißt nicht, dass einer sich plötzlich hinstellt und sagt, er wüsste, was Gott ihm gesagt hat, und er müsse das der Welt überstülpen. […] Ich bin eigentlich erst durch die Mystik wieder zur Religion gekommen und auch durch den Mann aus Nazareth [Jesus], der für mich eine ganz große Rolle spielt. [Er] entwickelt eine Idee der Gewaltfreiheit, der Gleichheit von Mann und Frau, die so außergewöhnlich ist, dass sie sich in der Realität nicht durchsetzen konnte, aber sehr wohl als Idee. Vielleicht lieben wir die Träumer so sehr: weil wir diesen Traum lieben.

 

Aus: Entrüstet Euch! Hg.v. Margot Käßmann und Konstantin Wecker, Gütersloher Verlagshaus 2015, S. 42f

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22058

Uwe Johannsen aus dem Gemeindemagazin "Die Brücke" der evangelischen Kirchengemeinde Köngen.

Was wäre, wenn ich unsere Katze wäre,

dann hätte ich

Statt einem kratzigen Bart ein samtweiches Fell

Keine Bandscheiben

Viel bessere Augen und Ohren

Superscharfe Krallen statt abgebrochener Fingernägel

Einen Teller, der sich immer wie von Geisterhand füllt

Stets einen warmen Platz an der Heizung

Immer genügend Schlaf

Null Verantwortung

 

Dafür hätte ich aber

Keine Bücherregale

Keine Freundinnen und Freunde

Keine schöne Sprache

Kein Cello

Keinen Schreibtisch

Keine Lieder

Keine Liebe

Kein Gottesbild

Will ich wirklich tauschen.

Uwe Johannsen

Aus: Die Brücke, Gemeindemagazin der Evangelischen Kirchengemeinde Köngen am Neckar, hg. V. der evangelischen Kirchengemeinde Köngen, 1, 2016, S. 7. 

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Ein altes Märchen erzählt, wie ein wissbegieriger König die Gelehrten seines Landes beauftragte, für ihn alles Wissenwerte der Welt aufzuschreiben. Nach vierzig Jahren legten sie das Ergebnis in tausend Büchern vor. Der König, der inzwischen schon alt geworden war, sagte: „Tausend Bücher kann ich nicht mehr lesen. Kürzt alles auf das Wesentliche. Nach zehn Jahren hatten die Gelehrten den Inhalt der Geschichte der Menschen in hundert Bänden zusammengefasst. Der König sagte: „Das ist noch zu viel. […] schreibt nur das Wesentliche“ Die Gelehrten machten sich erneut an die Arbeit und fassten das Wichtigste in einem einzigen Buch zusammen. Sie kamen damit, als der König im Sterben lag. Dieser wollte wenigstens das Wesentlichste aus der Arbeit der Gelehrten erfahren. Da fassten sie […] zusammen: „Sie lebten, sie litten, sie starben. Und was zählt und überlebt, ist die Liebe. 

Aus: Kurzgeschichten 3, hg. V. Willi Hoffstürmer, Matthias-Grünewald-Verlag 1990, S. 75

 

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Hoffnung haben, nicht einfach so, sondern gerade in schwierigen Situationen, das beschreibt der brasilianische Bischof Dom Helder Camara so:

Hoffen heißt, an das Abenteuer der Liebe glauben, Vertrauen zu den Menschen haben, den Sprung ins Ungewisse tun und sich ganz Gott überlassen …

Wenn du keine Planke ins Wasser zu werfen hast, sei selbst eine lebendige Planke für die Schiffbrüchigen – deine Brüder.

 

Aus: Unseren täglichen Reis gib uns heute, Gebete aus der dritten Welt, hg. V. Adalbert Ludwig Balling, Herderverlag 1984, S. 71

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Wie man vor 1600 Jahren über Freundschaft gedacht hat, erfahren wir durch den Theologen Augustin. Er schreibt:

Miteinander reden und lachen, sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen. Zusammen schöne Bücher lesen, sich necken dabei, aber auch einander Achtung erweisen. Mitunter sich auch streiten, ohne Hass, so wie man es wohl einmal mit sich selbst tut, manchmal auch in den Meinungen auseinandergehen und damit die Eintracht würzen. Einander belehren, voneinander lernen, die Abwesenden schmerzlich vermissen, die Ankommenden freudig begrüßen: lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen, sich äußern in Miene und Wort und tausend freundliche Gesten und wie Zündstoff den Geist in Gemeinschaft entflammen, so dass aus den Vielen eine Einheit wird.

 

Aus: Hol dir einen Stern vom Himmel von Anton Lichtenauer, Herder-Verlag, Freiburg, 2009, S. 176

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Der heutige Sonntag trägt in der Evangelischen Kirche den Namen Trinitatis. Es ist das Fest der Dreieinigkeit, das Gott als ein großes Geheimnis feiert. Eine Legende über den Kirchenvater und Theologen Augustin erzählt das so: 

[Ein] Junge spielt am Strand. Der heilige Augustin kommt des Weges und fragt den Jungen: Was machst du da? Der Junge antwortet: Ich schöpfe das Meer in die Muschel. Augustin sagt: Das wird dir nicht gelingen. Das Meer ist viel zu weit und tief. Der Junge entgegnet: Und was machst Du? Du willst Gott, der viel weiter und tiefer ist zwischen zwei Buchdeckel einschließen? Augustin geht sehr nachdenklich weiter.

 

Aus: Beim Wort genommen, hg.v. Hans-Martin Lübking und Günter Törner, Güthersloher Verlagshaus, 2002, S. 121

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