Manuskripte

SWR3 Worte

Papst Franziskus sagte in seiner Rede zur Verleihung des Karlspreises der Stadt Aachen:

Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet. Ich träume von einem Europa, das die Kranken und die alten Menschen anhört und ihnen Wertschätzung entgegenbringt, auf dass sie nicht zu unproduktiven Abfallsgegenständen herabgesetzt werden. Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person. Ich träume von einem Europa, … wo das Heiraten und der Kinderwunsch eine Verantwortung wie eine große Freude sind und kein Problem darstellen, weil es an einer hinreichend stabilen Arbeit fehlt. 

Aus: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/may/documents/papa-francesco_20160506_premio-carlo-magno.html

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Der Romanautor Peter Henning auf die Frage nach seiner religiösen Erziehung: 

Ich bin katholisch getauft worden, und meine Großmutter hat es auch mit mir versucht. Sie hat mich sonntags fein gemacht und mich mit meinem Onkel in die Kirche geschickt. Das war der Bruder meines Vaters, und er war schizophren. Wir sind dann nicht in die Kirche gegangen, sondern in der nächsten Kneipe eingekehrt und haben dort an den Automaten gespielt. Ich habe zur Kirche gar kein Verhältnis. Aber irgendwie ein Gefühl, dass es jemanden da oben gibt. Die Leitungen zu ihm sind in der Regel belegt. Aber manchmal legt er für alle anderen auf und dann kann ich mit ihm reden. 

„Ich bin ein Erinnerungspilot“, Brigitte Neumann im Gespräch mit Peter Henning, in: Publik-Forum Heft 7 (2016)

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Der Theologe Heribert Arens macht sich Gedanken über einen Vers im Lukasevangelium, in dem es um die Vergebung geht: 

Von Vergebung reden mit wohlgesetzten Worten ist leicht.

Aber Vergeben, wenn sie dich quälen und dir dabei hämisch ins Gesicht grinsen,

wenn sie dich fertigmachen, wenn du das Gefühl hast: „Die wissen ganz genau, was sie tun!“,

dann vergeben:

Wer das tut, der meint es ernst, todernst, mit der Vergebung.

An dessen Vergebung kannst du glauben.

(Zu Lukas 23,34) 

Heribert Arens, Gott, du bist so menschlich.

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Als Reaktion auf eine Zeitungskolumne wünscht ein Leser der Autorin Margarete Stokowski in einer ordinären Hassmail den Tod. Sie antwortet ihm, ausnahmsweise: 

Es würde dir gut ins Weltbild passen, wenn ich dich hasse, aber ich kann damit nicht dienen. Selbst wenn ich alle negativen Emotionen, die ich gerade habe zusammenkratze, kommt da kein Hass raus. …

Ich glaube nicht, dass es eine gute Lösung für irgendwas ist, im Internet rumzuhassen, vor allem nicht auf Kosten anderer Leute. Heute kriegst du Aufmerksamkeit dafür, aber das ist morgen schon wieder vorbei. Es ist einfach kein gutes Konzept. 

Margarete Stokowski, Nimm die Hand aus der Hose, wenn ich mit dir rede, in: Spiegel-Online vom 05.05.2016

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Der frühere Politiker Heiner Geißler hat sich schon vor etlichen Jahren über das Nationale als Wert geäußert. Dazu sagte er: 

Es müsste eigentlich der Dümmste kapieren, dass das Nationale kein Grundwert ist. Ich bin froh, dass ich in Deutschland geboren bin. Das ist ein wunderschönes Land, aber meine Identität erschöpft sich nicht darin, dass ich Deutscher bin. Ich versuche, Demokrat zu sein. Ja, ich versuche auch Christ zu sein und die beiden letzten Identitäten sind für mich wichtiger als Deutscher zu sein. Das heißt, … der polnische überzeugte Demokrat, der sich zu seiner Verfassung bekennt, steht mir innerlich näher … als der deutsche Rechtsradikale der Mitglied der NPD ist. 

Heiner Geißler, in: WahlBekanntschaften, hrsg. von Norbert Sommer

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Die christliche Tradition kennt die sogenannten Werke der Barmherzigkeit. Die freie Autorin Linda Jarosch meint dazu: 

Jeden Tag habe ich in meinem Alltag Situationen, die mich für die Werke der Barmherzigkeit aufbrechen können, wenn ich offen dafür bin. Das geschieht schon in alltäglichen Unterhaltungen, wenn jemand anderer Meinung ist und für die Freiheit seiner Meinung kein Verständnis erfährt, sondern Abwertung. Ob ich diesem Menschen gegenüber Verbundenheit und Annahme zeige oder ihn isoliert stehen lasse, entscheide ich allein. Ich muss dabei nicht religiös motiviert sein, nur menschlich mitfühlend und handelnd. Mein Handeln kann den anderen daran erinnern, dass es doch eine gerechte Welt gibt. 

Linda Jarosch, Ein Maßstab für mich?, in: Bibel heute 205 (2016)

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Die christliche Tradition kennt die sogenannten Werke der Barmherzigkeit. Ulrike Bechmann ist Religionswissenschaftlerin. Sie sieht darin auch eine Beziehung zu anderen Religionen: 

Die Barmherzigkeit Gottes ist kein Freibrief für verwerfliches Handeln … Die Barmherzigkeit gibt den Menschen erst die Chance, nach Gerechtigkeit, Gegenseitigkeit und Solidarität … zu streben. … Diese Einsicht in die Güte Gottes verbindet den Islam mit dem Judentum und dem Christentum. … Der Glaube an die Barmherzigkeit des einen Gottes verbindet also die drei monotheistischen Religionen in ihrem Kernbereich. Die von Gott geschenkte Barmherzigkeit wird dann für alle drei Religionen zur Quelle, sich selbst und anderen gegenüber barmherzig zu sein. 

Ulrike Bechmann, Im Namen Gottes, des Erbarmers, in: Bibel heute 205 (2016)

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