Manuskripte

SWR3 Worte

Wir hören die Geräusche der Außenwelt, aber meistens hören wir nicht hin. Auch das Hinhören will gelernt sein, wie jeder Musikunterricht beweist.

Judentum und Christentum sind Hör- Religionen. „Höre Israel…“(heißt es). Bei der Geburt und der Auferstehung Christi „hörten“ Menschen die Stimme der Engel.

Es gibt nicht nur ein Hören mit den Ohren, sondern auch ein „Hören mit dem Herzen“ und ein tiefes Hören mit dem ganzen Körper.

Gott atmet durch seine ganze Schöpfung. Ergreift uns sein Geist des Lebens, dann erwacht eine ungeahnte Liebe zum Leben in uns, und unsere Sinne öffnen sich.

Der Theologe Jürgen Moltmann in Hoffen und Denken

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Thomas von Aquin, ein Theologe aus dem 13. Jahrhundert hat sich schon zu seiner Zeit über Mitläufer und Ja-sager aufgeregt. Er hat das so ausgedrückt:

Die blasse Harmlosigkeit, die sich leider oft mit Erfolg als Sanftmut ausgibt, sollte niemand für eine christliche Tugend halten

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Heute ist der internationale Tag der Pflege. Pflegen kann man nicht nur Alte und Kranke, auch Kinder brauchen Pflege. Der Hirnforscher Gerald Hüther lernt dazu aus dem Umgang mit der Natur.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Die Pflanzen wachsen dann am besten, wenn man sie in die Sonne stellt, wenn man sie düngt und wenn man sie einigermaßen von Unkraut frei hält.

Das wäre die Aufgabe, die man hat. Und wenn man die einigermaßen hinkriegt, wächst das Pflänzchen schon. Das ist nicht etwas, was wir päppeln müssen, sondern das hat genug Kraft und bekommt genug Lebensenergie mit auf die Welt. Und so ist das mit Kindern. 

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Ich träumte, ich hätte ein Interview mit Gott.
„Du möchtest also ein Gespräch mit mir?" fragt Gott. „ Wenn Du Zeit hast", sage ich.
Gott lächelt.
„Meine Zeit ist die Ewigkeit. Welche Fragen würdest Du mir gerne stellen?
„Was erstaunt dich am meisten an den Menschen?"

Gott antwortet:
„Dass sie der Kindheit überdrüssig werden, sich beeilen, erwachsen zu werden, um sich dann danach zu sehnen, wieder Kind sein zu können. 

Dass sie, um Geld zu verdienen, ihre Gesundheit auf das Spiel setzen,
und dann ihr Geld ausgeben, um wieder gesund zu werden.

Dass sie durch die ängstlichen Blicke in ihre Zukunft das Jetzt vergessen, so dass sie weder im Jetzt noch in der Zukunft leben.

Dass sie leben, als würden sie niemals sterben, um dann zu sterben, als hätten sie nie gelebt."
Gott nahm meine Hand… dann schwiegen wir gemeinsam eine Weile.

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Heute vor 83 Jahren haben Nazis in über 30 deutschen Städten öffentlich Bücher verbrannt – dazu der Historiker Wolfgang Benz:

Der doktrinäre Eifer der Rechtgläubigen beruft sich seit jeher auf Gottes Willen, ersatzweise auf die „Vorsehung“ ….,die sich ihnen unmittelbar mitgeteilt hat.

In der säkularen Welt ist es das „gesunde Volksempfinden“ oder die Staatsräson, an die appelliert wird, um unerwünschte Kunst – Literatur, …Musik, Film – zu schmähen und zu tilgen.

Aber gemeint ist in beiden Fällen nicht das Kunstwerk oder die Schrift, … gemeint sind Gesinnung und Lebensform von Menschen und damit die Menschen selbst.

… Wie viele Literaten, Künstler, Intellektuelle sind in diesem Augenblick… wegen ihrer Gesinnung, … im Gefängnis, stehen unter Hausarrest, …oder sind an Leib und Leben bedroht?

http://www.pen-deutschland.de/de/2013/05/17/wolfgang-benz-gedanken-toten-um-den-feind-zu-vernichten/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21946

Versöhnung zwischen Täter und Opfer- wie geht das? Der 90 jährige Theologe Jürgen Moltmann meint:

Mit der Bitte um Entschuldigung anerkennt der Täter seine Schuld … und legt die Wiederherstellung seiner eigenen Selbstachtung in die Hände derer, an denen er so oder so schuldig geworden ist.

Die Demütigung, die er ihnen zugefügt hat, macht er durch diese Selbsterniedrigung wieder gut…indem er bekennt: es tut mir leid.

(Aber)  ohne ein starkes Vertrauen, dass die Opfer ihre Schuldvorwürfe aufgeben, wenn sie um Entschuldigung gebeten werden, kann sich kein Täter vor seinen Opfern in den Staub werfen….

Darum müssen die Opfer den Tätern entgegenkommen und ihnen Hoffnung auf ihre Entschuldigung machen. Es muss ein Raum des Vertrauens um Täter und Opfer geschaffen werden.

Jürgen Moltmann; Hoffen und Denken

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21945

Es könnte ein Kommentar zur aktuellen politischen Lage in Deutschland sein. Aber es ist die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Kriegsende, gehalten im deutschen Bundestag heute vor 31 Jahren. 

Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden. Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit - für niemanden und kein Land!

Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren….

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative…. Lernen Sie miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,354568,00.html

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