Manuskripte

SWR3 Worte

Keiner kann alles- und muss es auch nicht. Davon ist die Kolumnistin Susanne Niemeyer überzeugt. Sie schreibt:

Vielleicht muss man gar nicht jeden mögen.

Der Friseur darf komisch sein, der Postbote mürrisch und Irene doof, weil jemand anders Irene vielleicht gut findet, und diesen anderen mag ich vielleicht auch, während Irene den Friseur mag, der wiederum mit seiner Mutter nichts anfangen kann, aber mit dem rotgesichtigen Nachbarn umso mehr, vor dem sich der Postbote in Acht nimmt, der wiederum Irene liebt.

Die Welt ist ein großes Netz. Jeder hält irgendwo fest und an keinem hängt alles.

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Der Theologe Jürgen Kaufmann wäre gerne sicher, dass es Gott gibt. Sein Wunsch klingt so:  

Ich lebe Tag um Tag

So viele Stunden lang

Und merke nichts von dir.

Die anderen sagen mir,

das gibt es einfach nicht –

so etwas wie einen Gott.

 

Lass mich doch dann und wann

Und sei’s sekundenlang

erfahren, dass du da bist.

Damit ich wieder hoffen kann.

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„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel!“ Der Satz stammt aus der Bibel. Die Schriftstellerin Marianne Williamson hat sich darüber Gedanken gemacht. Sie schreibt:  

Unsere tiefste Angst ist die Angst vor unserer unermesslichen Kraft. Es ist das Licht in uns, nicht die Dunkelheit, die uns am meisten ängstigt. Wir fragen uns: Wer bin ich, dass ich von mir sage, ich bin brillant, ich bin begabt und einzigartig. Ja, im Grunde genommen: Warum solltest du das nicht sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, hilft das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du glaubst, zusammenschrumpfen zu müssen, damit sich die Leute um dich herum weniger unsicher fühlen. Wir sind geboren, um den Glanz Gottes zu offenbaren, der in uns ist.

 

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Gedanken am frühen Morgen von der Schriftstellerin Waltraud Thomas.

Was ist heute für ein Tag? Was erlebe ich heute? Was passiert mir? Werde ich es ertragen können?

Ich wische an der Fensterscheibe (…) und sehe alles nur grau in grau. Was mache ich damit? Muss ich jetzt auch graue Miene zum grauen Spiel machen?

Ich nehme Haltung an und setze mich schon mal grade auf die Bettkante und lümmle nicht so herum. Ich wische meine Augen blank und fange an, Farben zu sammeln. Ein herrliches Bild erscheint vor mir. Fantastisch! Die grauen Wolken bilden einen dicken Ballon und schweben nach oben in blaue Lüfte. Die Regentropfen hüpfen in bereit stehende Tonkrüge und marschieren in Gruppen zum Bach hinter unserm Haus (…) ich will unbedingt den Tag retten. Ich pflücke viele Farben und binde sie zu einem wunderbaren Strauß zusammen. Alle Farben passen zueinander; man braucht sie nicht zu ordnen.

Ich bin doch ein bisschen bescheuert, denke ich. Das frische Wasser im Bad schafft es, dass ich ernsthaft über diesen Mittwoch – oder ist es Freitag – nachdenke. (…)

Und plötzlich (…) fühle (ich) mich geliebt und angenommen, denn ein wunderbarer Kaffeeduft streicht um meine Nase. Ich freue mich auf mein Frühstück und akzeptiere die Überraschungen, die Gott an diesem denkwürdigen Tag für mich bereithält.

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Gott ist uns manchmal näher als wir denken. Davon erzählt folgende Geschichte:

 

Ein kleiner Junge wollte Gott treffen. Er packte einige Coladosen und Schokoladenriegel in seinen Rucksack und machte sich auf den Weg. In einem Park sah er eine alte Frau, die auf einer Bank saß und den Tauben zuschaute.

 

Der Junge setze sich zu ihr und öffnete den Rucksack. Als er eine Cola herausholen wollte, sah er den hungrigen Blick seiner Nachbarin. Er nahm einen Schokoriegel und gab ihn der Frau. Dankbar lächelte sie ihn an – ein wundervolles Lächeln! Um dieses Lächeln noch einmal zu sehen, bot ihr der Junge auch eine Cola an. Sie nahm sie und lächelte wieder, noch strahlender als zuvor. So saßen die beiden den ganzen Nachmittag im Park. Als es dunkel wurde, verabschiedete sich der Junge.

 

Zu Hause fragte ihn seiner Mutter: „Was hast du denn heute Schönes gemacht, dass du so fröhlich aussiehst?“ Der Junge antwortete: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und sie hat ein wundervolles Lächeln!“

 

Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo ihr Sohn sie fragte, warum sie so fröhlich aussehe. Sie antwortete: „Ich habe mit Gott Mittag gegessen – und er ist viel jünger, als ich dachte.“

 

 

 

 

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Harald Fischer hat sich gefragt: wie geht beten und wofür ist es gut? Seine Antwort klingt so:

„Warum soll ich beten? Mir geht es doch gut!“ Wer so fragt, versteht das Beten falsch. Gott ist nicht der gutmütige Opa oder der vertrottelte Greis, dem ich erst sagen müßte, was mir fehlt und der sich dann durch viele Gebete vielleicht überreden läßt, mir das zu geben, was ich unbedingt haben will: Gesundheit, eine gelingende Beziehung, Erfolg … oder was immer mir im Moment gerade wichtig zu sein scheint.

Gott ist mir immer mit unendlicher Liebe zugewandt. Und er weiß, was ich brauche, auch ohne daß ich das erst wortreich zu sagen brauche. Gebet meint (…) mit meinem Gott (…) in Beziehung (zu ...) treten und mich zu erinnern, daß er da ist, für mich da ist.

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Liebe kann man nicht schöner beschreiben als es der Apostel Paulus vor gut 2000 Jahren in der Bibel getan hat. Davon ist die 20-jährige Anne überzeugt. Und deshalb hat sie Paulus einen Brief geschrieben. Darin steht:

Die Liebe – sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Ich würde noch einsetzen: Sie schränkt nicht ein.

Ich denke mir, wenn ich jemanden liebe, möchte ich ihm nicht ein Stück seiner Freiheit nehmen. Ich möchte nicht in Anspruch nehmen, nicht Gegenleistung verlangen. Liebe möchte ich gern bedingungslos schenken können. Und wenn der andere etwas von sich gibt, dann soll auch das freiwillig sein. Dann soll er zurückgeben, weil er gerne gibt. Liebe ohne Bedingung – das würde ich wirklich gerne können. Erst dann hat dieses Wort seine Berechtigung. Schön, daß du (Paulus) der Liebe einen solchen Stellenwert einräumst. Deine Anne.

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