Manuskripte

SWR3 Worte

Der Autor Hinrich C.G. Westphal bekam von einem Freund eine Mail. In der ihn der Freund fragte, wozu er weiterleben solle, und was an diesem Leben schön sei. Der 71 jährige Hinrich C.G. Westphal antwortete ihm darauf:

Ich bin nach wie vor neugierig auf das Leben, auf andere Menschen und neue Ideen, Wunder und Lachen, kleine Bestätigungen und Erfolge. Ich genieße immer noch die Luft, die Blumen und den Himmel, Hunde, die mit dem Schwanz wedeln, schöne Frauen mit Ausstrahlung, gutes Essen und Trinken, Zärtlichkeit, das Meer und mein Bett. Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die mich brauchen, und dass es einige gibt, auf deren Liebe ich nicht verzichten kann. Auch hoffe ich, dass Gott noch etwas mit mir vorhat. Abtreten von dieser Bühne Leben kann ich nur einmal, unwiderruflich. Dann aber spielt die Musik ohne mich weiter.

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…vergesst nicht, neben dem Lernen, dem Arbeiten und Kämpfen, der Wut und der Geduld das Billardspielen zu lernen. Oder greift zur Gitarre, Laute Flöte, lernt das Kochen neu, nicht als Pflicht, sondern als schmatzigen, schmausigen Spaß. Denkt euch Witze aus, lernt erneut den Himmel zu sehen, das Jauchzen beim Tanzen, das laute Rufen, das Miteinander; übt euch im Lieben. Nur so werden wir, altersschwer und grau dann, sagen können: Ich bin lebenssatt.

Anna Tüne – Vergesst nicht

 

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Ein etwas anderes Morgengebet: 

Lieber Gott, bis jetzt geht’s mir gut. Ich habe noch nicht getratscht, die Beherrschung verloren, war noch nicht muffelig, gehässig, egoistisch oder zügellos. Ich habe noch nicht gejammert, geklagt, geflucht oder Schokolade gegessen. Die Kreditkarte habe ich auch noch nicht belastet. Aber in etwa einer Minute werde ich aus dem Bett klettern und dann brauche ich wirklich Deine Hilfe.

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 Zu einer guten Integration unserer Flüchtlinge gehört auch, sie vor Fremdenfeindlichkeit zu schützen. Der Journalist Heribert Prantl sagt dazu:

Die deutsche Gesellschaft hat sich verändert. Der Migrationshintergrund eines stattlichen Teils der Bevölkerung zeigt sich nicht mehr nur im Hintergrund. Das ist gut so; und das wird dem Land guttun, weil nur so Integration funktionieren kann. Und zur Integration und zu einer guten deutschen und europäischen Zukunft gehört es auch, dass die ganze Gesellschaft die Unverschämtheiten einer ausländerfeindlichen Bagage zurückweist.

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 Der muslimische Schriftsteller Navid Kermani hat letzten Oktober den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Seine bewegende Dankrede ging durch alle Medien. Besonders wegen des Schlusses seiner Rede, bei dem er zum Gebet für Christen aufruft, die vom IS entführt wurden. Er sagte:

Meine Damen und Herren, ich möchte Sie um etwas Ungewöhnliches bitten… Ich möchte Sie bitten, zum Schluss meiner Rede nicht zu applaudieren, sondern für Pater Paolo und die zweihundert entführten Christen von Qaryatein zu beten…Und wenn Sie nicht religiös sind, dann seien Sie doch mit ihren Wünschen bei den Entführten. Was sind denn Gebete anderes als Wünsche, die an Gott gerichtet sind? Ich glaube an Wünsche und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken. Ohne Wünsche hätte die Menschheit keinen der Steine auf den anderen gelegt, die sie in Kriegen so leichtfertig zertrümmert. Und so bitte ich Sie beten Sie für Jacques Mourad, beten Sie für Paolo Dall’Oglio, beten Sie für die Christen von Qaryatein, beten Sie oder wünschen Sie sich die Befreiung aller Geiseln und die Freiheit Syriens und des Iraks. Gern können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten. 

 

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Der Journalist Heribert Prantl über die Christlichkeit europäischer Flüchtlingspolitik:

Denjenigen Regierungen in Europa, die von christlich-konservativen Parteien getragen werden, muss man einen mahnenden biblischen Satz ganz obenauf in die Konferenzmappe legen: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ So sagt es Jesus, so steht es beim Evangelisten Matthäus (Matthäus 25:40). Die Bibel ist ein Flüchtlingsbuch, die Aufnahme von Flüchtlingen ist in biblischen Erfahrungen tief verwurzelt. Eine der ältesten Rechtsnormen, das alttestamentliche Fremdenrecht, ist bei den europäischen Regierungen in Vergessenheit geraten.

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Das eigene Wort, wer holt es zurück,
das lebendige – eben noch ungesprochene Wort?

Wo das Wort vorbei fliegt, verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb, fällt Schnee.

Ein Vogel käme dir wieder nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte, in deinen Mund.

Du schickst andere Worte hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.

Das Wort ist schneller, das schwarze Wort.
Es kommt immer an, es hört nicht auf, an zu kommen.

Besser ein Messer als ein Wort. Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft am Herzen vorbei.

Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer am Ende das Wort.

Unaufhaltsam – von Hilde Domin

 

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