Manuskripte

SWR3 Worte

Die Journalistinnen Barbara Tambour und Bettina Röder über die Hoffnung: 

Nur wer hofft, kann verändern. … Wer keine Hoffnung hat, überlässt die Weltläufe den Bürokraten, die lediglich verwalten, oder dem neoliberalen Diktat, das Konsum, Wettbewerb und Wachstum zur obersten Maxime macht. Wer die Welt gestalten und bewahren will, braucht die Hoffnung, dass sein Tun sinnvoll und erfolgreich sein wird. Nicht die Gewissheit, aber die Hoffnung. Sie ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. 

Barbara Tambour/Bettina Röder, Ohne Hoffnung keine Zukunft, in: Publik-Forum Heft 1 (2016)

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Christsein ist vor allem überzeugend gelebte Praxis, meint der Journalist Wolfgang Kessler: 

Ich bin nicht allein Christ geworden, weil ich nach Sinn für mein Leben suchte. Sondern weil mich jene beeindruckten, die mir nicht mit den 2000 Jahre alten Mythen der Bibel kamen, sondern die die Essenz des Glaubens lebten: jene, die bis zu ihrem Tod Widerstand gegen Menschenverächter leisten; jene, die auch unter Druck von Gewehren Gewalt verweigern; jene, die im Dschungel, in den Slums, mit Flüchtlingen und Armen für die Schöpfung und für mehr Gerechtigkeit streiten. Es ist ihr Glaube, der ihnen Kraft gibt, glaubwürdig zu leben. Sie geben mir seit jeher mehr als die vielen Schwätzer auf den Bühnen der Welt. 

Wolfgang Kessler, Sind Christen geisteskrank?, in: Publik-Forum Heft 1 (2016)

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Angesichts der Hysterie um die Flüchtlinge plädiert die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Nadja Schlüter für mehr nüchternen Pragmatismus: 

Ich glaube fest daran, dass man am ehesten zum Pragmatiker wird, wenn man da hingeht, wo die Menschen sind, über die alle dauernd sprechen. In Flüchtlingsheime, in Notunterkünfte, zu Veranstaltungen mit Geflüchteten. Wenn man mit ihnen umgeht und merkt, wie gern man manche hat und wie blöd man manche findet. Und wie gern man manche Helfer hat und wie blöd man manche findet. Weil es eben dort und mit diesen Menschen genauso ist, wie überall und immer, wo Menschen mit den verschiedensten Hintergründen aufeinander treffen.  

Nadja Schlüter, „Es kommen nicht eine Million Engel zu uns“, in: http://www.jetzt.de/fluechtlinge/pragmatismus-in-der-fluechtlingskrise vom 28.01.16,

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Der Liedermacher Konstantin Wecker über Zweifel am Glauben: 

Ich war mal zwei Wochen im Kloster … und habe mal die ganzen Gebetszeiten mitgemacht und habe mir einiges übrigens auch bewahrt für mich privat. Und dann habe ich mit dem Prior gesprochen. Ich habe gesagt: Schauen sie mal, Sie machen das seit 40 Jahren. Sind Sie Gott näher? Sagt er: Nein, das glaube ich bestimmt nicht. Aber es gibt immer mehr Momente, wo der Zweifel weniger wird. Und das ist sehr schön und sehr viel. Und so würde ich sagen, habe ich in meinem Leben auch ein paar Momente erlebt, in denen ich für kurze Zeit keinen Zweifel hatte.

 

Konstantin Wecker, in: WahlBekanntschaften, hrsg. von Norbert Sommer, Wichern-Verlag: Berlin 2002

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Der Schriftsteller Navid Kermani hat auf der Insel Lampedusa die Ankunft geretteter Flüchtlinge erlebt. Seine Gedanken in diesem Moment beschreibt er so:

 

Ich will sie begrüßen, auf Arabisch „Friede sei mit euch“ rufen oder ihnen wenigstens zulächeln, aber weil niemand es tut, traue ich mich nicht, und so wanken sie ohne jeden Kommentar der Umstehenden, ohne Begrüßung oder Bekundungen der Freude, einer nach dem anderen aus dem Schiffsbauch hervor, wanken an der Hand französischer Soldaten die paar Meter übers Deck und werden von italienischen Soldaten … über die Brücke an Land geleitet … Ich zittere,  so ergriffen bin ich, das Leben zu sehen, das nackte Leben wie bei einer Geburt oder beim Sterben, das Leben, als was es ist: ein Geschenk. 

Navid Kermani, Ausnahmezustand. Reisen in eine beunruhigte Welt, Verlag C.H. Beck, 72015

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Genuss im Angesicht des Terrors? Der Journalist Jochen Bittner hat dazu eine klare Meinung:  

Unser materielles Paradies ist … zugleich auch ein ideelles Hoffungsziel, eines, das jene … verachten, die Elend erst stiften. Essen, Musik, Erotik – das Himmlische im Irdischen zu finden ist es, was den Hass von Glaubenstotalitaristen schürt. Wenn Islamisten könnten, würden sie den Genuss selbst erschießen, die Ekstase, die Dekadenz, weil sie Ausdruck eines reichen Lebens sind, das scheinbar ohne Gottergebenheit auskommt.

Das Gegenteil ist richtig. Genussfähigkeit ist Glücksfähigkeit. Und wer glücklich ist, dem fällt es ebenso schwer zu hassen, wie es ihm leichtfällt, zu lieben. Genuss macht bewusst, wie wertvoll, wie heilig das Leben ist, und zwar nicht nur das eigene. 

Jochen Bittner, Ein Hoch auf unser gutes Leben, in: „Die Zeit“ vom 30.12.2015

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Der Journalist Peter Dausend wundert sich über eine scheinbare Selbstverständlichkeit: 

Ich bin gern gut gelaunt. In dem amerikanischen Kaffeeladen, in dem ich mir täglich meine Morgendosis Koffein besorge, sagte mir eine Verkäuferin mal, ich sei ihr Lieblingskunde, weil ich immer zuerst grüße, bevor ich etwas bestelle, und dabei auch noch lächele. Bis dahin dachte ich, das sei normal.  

Peter Dausend, Mir geht´s bestens, in: „Die Zeit“ vom 30.12.2015

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