Manuskripte

SWR3 Worte

Jedes Mal, wenn ich wieder von Katastrophen, Hunger, und Krieg erfahre, taucht sie auf. Die Frage: Warum tut Gott nichts gegen dieses Leid? (Sieht er etwa nur zu?) Dazu ein Text von einem mir unbekannten Autor: 

Wenn ich Gott wäre, könnte ich nicht zusehen, wie Neugeborene verhungern.
Wenn ich Gott wäre, könnte ich nicht zusehen, wie kleine Kinder misshandelt werden.
Wenn ich Gott wäre, könnte ich nicht zusehen, wie Männer ihre Frauen foltern.
Wenn ich Gott wäre, könnte ich nicht zusehen, wie einige wenige im Land alle anderen ausbeuten(...)
Wenn ich Gott wäre, könnte ich nicht zusehen, wie immer mehr Geld für Rüstung ausgegeben wird.

Wenn ich Gott wäre? Nicht einer würde mehr verhungern misshandelt, gefoltert oder ausgebeutet, wenn wir Menschen wirklich Menschen wären!

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Ich möchte der Tiefe meines Lebens begegnen

mehr schauen und hören

und weniger leisten

mehr fragen und erspüren

und weniger wissen

mehr sein und leben

und weniger haben und festhalten

 

Tiefe meines Lebens von Anton Rotzetter

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Gerade bin ich aufgebrochen in ein neues Jahr: 2016. Doch was bringt ein Aufbruch alles mit sich? Ein Gedicht von Christa Spilling-Nöker lässt mich darüber ganz neu nachdenken. Sie schreibt:

Aufbrechen

heißt vielleicht nicht einmal in erster Linie:

sich auf den Weg machen.

Aufbrechen meint zunächst einmal:

die innere Schale, die Maske,

die du dir zum Schutz vor den anderen

zugelegt hast, aufzubrechen,

dich zu öffnen für neue Gedanken,

neue Erfahrungen, neue Begegnungen.

Aufbrechen heißt also:

Sich bereitzuhalten für das Wunder.

Wo immer solches geschieht,

da bist du schon mitten auf dem Weg.

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Vor rund 700 Jahren hat die heilige Gertrud  über das Beten geschrieben:

Das Gebet, das ein Mensch nach bestem Können verrichtet,
hat große Kraft.
Es macht

ein bitteres Herz süß,
ein trauriges froh,
ein armes reich,
ein törichtes weise,
ein verzagtes kühn,
ein schwaches stark,
ein blindes sehend,
ein kaltes brennend.

Es zieht den großen Gott in das kleine Herz;
es trägt die hungrige Seele empor zu Gott,
dem lebendigen Quell,
und bringt zusammen zwei Liebende:
Gott und die Seele 

Gertrud die Große,
+1304 im Kloster Helfta

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Ein augenzwinkerndes Gebet des Heiligen Thomas Morus: 

Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum

verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes mit dem

nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.

Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält,

was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht

erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in

Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein

Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu,

dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit

machende Etwas, das sich »Ich« nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen

Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im

Leben und anderen davon mitteile.

  

Hl. Thomas Morus

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Eine weise Frau reiste durch die Berge. Eines Tages fand sie dort in einem Bachlauf einen sehr, sehr wertvollen Stein.

Am nächsten Tag traf sie einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in der Tasche.

„Gib mir den Stein“ sagte er.

Die Frau reichte dem Mann ohne jedes Zögern den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr, sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte.

Einige Tage später kam der Mann jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder.

„Ich habe nachgedacht.“ sagte er. „Ich weiß, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück. Das tue ich in der Hoffnung, dass du mir etwas viel Wertvolleres dafür schenken kannst. Bitte gib mir etwas von dem, was es dir möglich machte, mir diesen Stein zu schenken.“

 

Autor unbekannt,
Quelle: The Women’s Spiritual Network,
übersetzt und leicht geändert

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Der Pfarrer Hermann Kappen hat vor über 100 Jahren ein Neujahrsgebet geschrieben, das auch jenseits von Neujahr noch Sinn macht:

Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen. Aber nicht sofort.

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