Manuskripte

SWR3 Worte

Dumme Menschen sind gefährlicher als böse Menschen, schrieb der Theologe Dietrich Bonhoeffer. Warum?

Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. … unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung wird dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt.
Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht …mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen zu tun hat…
So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen….
Nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung kann die Dummheit überwinden…
Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Aus: Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Siebenstern Taschenbuch 1974

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Gutmenschen- das sind die, die helfen wollen. Dafür gelten sie oft als naiv. Aus der Sicht dessen dem geholfen wird, sieht das anders aus, wie ein Jude erzählt.
Ihm hat der Italiener Lorenzo im KZ täglich unter Lebensgefahr ein Stück Brot zugesteckt. Er schreibt:

Dafür verlangt er keine Belohnung und will auch keine annehmen,
denn er …glaubt nicht, dass man Gutes um der Belohnung willen tun soll. …
Ich glaube, dass ich es Lorenzo zu danken habe,
wenn ich noch heute unter den Lebenden bin.
Nicht so sehr wegen seines materiellen Beistands,
sondern weil er mich mit seiner Gegenwart,
mit seiner stillen und einfachen Art, gut zu sein,
dauernd daran erinnerte,
dass noch eine gerechte Welt außerhalb der unseren da ist….
Lorenzo war ein Mensch. Seine Menschlichkeit …stand außerhalb dieser Welt der Verneinung.

Aus: Fulbert Steffensky, Heimathöhle Religion, Radius 2015

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Was ist Toleranz? Rainer Forst, Professor für Politik in Frankfurt meint:

Wenn Sie am Ende unseres Gespräches sagen: "Was der… da sagt, kann man gerade noch tolerieren", dann ist das kein Kompliment für mich.
Insofern heißt Toleranz immer, dass man mit dem, was andere denken oder tun, ein Problem hat.
Und da fängt es an, denn man muss wissen, welches Problem man damit hat und ob dieses Problem vielleicht bei mir und meinen Vorurteilen liegt.
Und nicht bei dem, was die anderen denken oder machen.
Gleichwohl: Wenn man überzeugter Christ ist, muss man natürlich nicht die Haltung haben, der Islam sei genauso wahr – und umgekehrt.
Toleranz heißt in einer Demokratie nur:
Auch wenn ich mit Überzeugungen und Praktiken von Menschen ein wirkliches Problem habe, müssen diese dennoch gleichberechtigt bleiben, sofern sie nicht selbst gegen Grundrechte verstoßen.

http://derstandard.at/2000023009380/Philosoph-Toleranz-ist-keine-Schoenwetterveranstaltung

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Als Hilde Palm floh sie vor dem Naziterror in die Dominikanische Republik. Die Gedichte, die sie schrieb, veröffentlichte sie deshalb als Hilde Domin. In einem Gedicht beschreibt sie, wo Heimatlose ihre Heimat haben:

Dein Ort ist
Wo Augen dich ansehen.
Wo sich die Augen treffen
Entstehst du

Du fielest,
aber du fällst nicht.
Augen fangen dich auf.

Es gibt dich
Weil Augen dich wollen,
dich ansehn und sagen
dass es dich gibt.

Aus: Fulbert Steffensky, Heimathöhle Religion, Radius 2015

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Seit zwei Jahren reist Christopher Schacht um die Welt. Mit nur 50 Euro ist der 21 jährige gestartet. Eine Begegnung auf den Fiji Inseln hat sein Leben verändert:

Eine alte, indische Witwe namens Lakshmi erzählte mir von ihrem schweren Leben. Aber dann bekam sie leuchtende Augen und erzählte von ihrer spirituellen Erleuchtung, nachdem eine Gruppe von Australiern für sie gebetet hatte.
Sie brachte mir einen Brief der Australier, den sie ja nicht lesen konnte, damit ich ihn ihr vorlas.
Es ging zunächst um einige persönlichen Dinge und endete mit: „Jesus loves you!“
Diese alte, indische Witwe hatte… scheinbar nichts und doch schien sie, als hätte sie alles.
Die Bedeutung dieser drei kurzen Worte, hatte ihr Leben verändert.
Und das Verrückteste an dieser Geschichte war wohl, dass dieser Moment für mich mehr bedeutet hat, als die vielen abenteuerlichen Tage auf hoher See oder im Regenwald.

http://www.focus.de/reisen/weltreise-extrem-mit-nur-50-euro-um-die-welt-meine-mutter-dachte-schon-zweimal-ich-sei-tot_id_4981451.html?utm_source=facebook&utm_medium=social&utm_campaign=facebook-focus-online-panorama&fbc=facebook-focus-online-panorama&ts=201510041059

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In seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 1. Oktober erinnerte Außenminister Steinmeier an die Gründung der Vereinten Nationen vor 70 Jahren. Er sagte:
Dieser großartige Moment weckt in mir, als Deutschem, zugleich große Demut:

Denn die Charta der Vereinten Nationen war ja auch eine Antwort der Menschheit auf Krieg und Unmenschlichkeit, die von meinem Land ausgegangen waren.
Seither, über sieben Jahrzehnte hinweg, ist es Deutschland vergönnt gewesen, behutsam und schrittweise wieder hineinzuwachsen ins Herz der internationalen Gemeinschaft…
Der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt sagte bei seinem Amtsantritt 1969:
„Wir Deutschen wollen ein Volk guter Nachbarn sein.“
Heute, wenn mir eine syrische Familie in Berlin von ihrem Schicksal, von Krieg und Vertreibung, erzählt, dann bekommt dieser Satz eine neue Bedeutung.

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2015/151001_BM_VN_GV.html

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Psalm von Hans Dieter Hüsch

Möge uns der Herr weiterhin zu den Brunnen des Erbarmens führen,
zu den Gärten der Geduld und uns mit Großzügigkeitsgirlanden schmücken…
Er möge …in unser Herz eindringen, um uns mit seinen Gedankengängen zu erfrischen,
uns auf Wege zu führen, die wir bisher nicht betreten haben
aus Angst und Unwissenheit darüber, dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges fröhlich sehen will.…
Wir sind Kinder Gottes! …Jeder soll es sehen und ganz erstaunt sein, dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können, und sagen: Donnerwetter!
Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen und sagen, er habe Gottes Kinder gesehen, sie seien ungebrochen freundlich und heiter gewesen,… weil die Liebe alles überwindet und … der Mensch ein neuer Mensch werde durch Jesus Christus.

Aus: "Weihnachtspsalm - Ich setze auf die Liebe" aus der CD: Hanns Dieter Hüsch liest Psalmen. Ich stehe unter Gottes Schutz

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