Manuskripte

SWR3 Worte

Was Leute meiner Generation verlernt haben, ist Gottvertrauen. Spirituell und religiös ungebunden eiern wir durch die Welt, fühlen uns vermeintlich frei und haben gleichzeitig Angst, das Kind mal ohne Helm aufs Dreirad zu lassen. 

Franziska Storz, „Mama, wann stirbst du?“, in: www.sueddeutsche.de vom 11.09.2015, Süddeutsche Zeitung Digitale Medien, München

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Meine Großmutter …  hat in ihrem ganzen Leben nie die Haustür zugesperrt. Und als ich eines Tages bei ihr war, da war sie schon 90 Jahre alt, und ich sagte: Großmutter, warum machst du nicht die Tür zu? Hast du denn keine Angst? Da sagte sie mir den unvergesslichen Satz: Wenn ich zusperre, kommen die Einbrecher. Sie hat also die Erfahrung gemacht: Ein offenes Haus ist ein sicheres Haus. Und ein verschlossenes Haus ist ein unsicheres Haus. Das steht ganz klar im Gegensatz zu dem, was wir landläufig unter Sicherheit verstehen, aber die Geborgenheit kann nur dort entstehen, wo das Haus offen ist. So empfinde ich das. Und deswegen ist für mich Heimat ein offenes Haus.

 Edgar Reitz im Gespräch mit Simon Hauck, in: http://www.artechock.de/film/text/interview/r/reitz_2015.html

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Mit dem »Heimat«-Begriff verhält es sich … ähnlich wie mit der »Sehnsucht«. »Heimat«, das ist zunächst einmal eine Empfin­dung und eine Erin­ne­rung an ein mögli­cher­weise in der Kindheit zurück­lie­gendes Glücks­emp­finden, das man aber zu der Zeit noch nicht benennen konnte… Heimat ist kein fester Besitz. Man kann nie sagen: Dieses ist meine uner­schüt­ter­bare Heimat. In dem Moment, wo man das sagt, grenzt man aus. Ich habe aber immer die Erfahrung gemacht, dass Heimat oder das Gefühl, zu Hause zu sein, mit einer Offenheit zu tun hat. 

Edgar Reitz im Gespräch mit Simon Hauck, in: http://www.artechock.de/film/text/interview/r/reitz_2015.html

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Gemeinschaft heißt, gemeinsam handeln. Gerade in Not. Europa sei ein Kontinent der Menschlichkeit, sagen wir. Menschenwürde und Menschenrechte seien unsere höchsten Rechtsgüter. Darauf sind wir stolz. Unsere Menschlichkeit müssen wir jedoch beweisen. Angesichts von Millionen Flüchtlingen kann sich Europa nicht mehr abschotten. 

Michael Gmelch, Flüchtlinge an Bord, in: „Christ in der Gegenwart“ Heft 36 (2015), Herder-Verlag Freiburg, 391

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Nun, da du fort bist, scheint mir alles trübe.

Hätt‘ ich’s geahnt, ich ließe dich nicht gehen.

Was wir vermissen, scheint uns immer schön.

Woran das liegen mag -. Ist das nun Liebe?

 

Mascha Kaléko, Von Mensch zu Mensch, aus: Zerreiß doch die Wolken. Texte zum Nachdenken, Hg. v. M. Schlagheck, S. Schmidt, T. Sternberg, Herder: Freiburg 2007, 71

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Jeden Tag zu leben als neu geschenkte Gegenwart, ohne Angst vor dem Morgen und Übermorgen, das Nächstliegende ernst zu nehmen und sich ihm zuzuwenden – das allein ist wichtig. Ich glaube nicht mehr wie in jungen Jahren, durch mein Engagement die Welt ... verändern zu können, doch auch jetzt noch kann ich etwas dazu beitragen, dass in meiner unmittelbaren Umgebung menschlich gelebt wird und die Hoffnung nicht stirbt. 

Heinrich Missalla, Nichts muss so bleiben wie es ist. Mein katholisches Leben im 20. Jahrhundert, Publik-Forum Verlagsgesell.: Oberursel 2009, 195

 

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Heimat ist für mich an keinen spezifischen Ort gebunden, es ist ein Gefühl. Ich fühle mich dort zu Hause, wo ich glücklich bin. Und glücklich machen mich bestimmte Menschen. Heute geht es doch nicht darum, wo man sich physisch zu Hause fühlt, sondern wie man es schafft, sein Leben zu synchronisieren mit den Menschen, die einem wichtig sind.

 

Salman Rushdie, Ich habe einen Traum, in: „Die Zeit“ Nr. 6 vom 01.02.2006, Zeitverlag Gerd Bucerius, Hamburg

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