Manuskripte

SWR3 Worte

Wie war das im Oktober 1989? Der damalige Außenminister Hanns Dietrich Genscher erinnert sich an jene Abendstunde auf dem Balkon in Prag:

Als ich Menschen, darunter auch solchen aus meiner unmittelbaren Heimat, sagen konnte „Euer Weg ist frei“ als ich den Jubel hörte weil ich nur sagte „Liebe deutsche Landsleute.“
Es war offenkundig, wenn so etwas mit Zustimmung der DDR-Führung möglich ist
Dann bedeutet das auchDass die Mauer nicht mehr lange stehen wirdUnd so kam es dann sehr bald auch.
….
Ich glaube diese junge Generation hat verstanden:
Das Volk, ihre Eltern hatten eine getrennte Vergangenheit. Aber wir haben eine gemeinsame Zukunft mit allen Chancen, mit allen Herausforderungen, mit allen Problemen.
 Und weil diese junge Generation in die Zukunft blickt…
Deshalb verstehen sie dass es eine gemeinsame Verantwortung ist und das lässt manche Vertreter alten Denkens auch selbst ziemlich alt aussehen…

http://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau:searchterm=denk+ich+an+deutschland&drau:broadcast_id=126

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20603

Deutschland ist zum Magnet geworden. Das Friedensversprechen und der Wohlstand unseres Landes üben auf Millionen Menschen eine ungeheure Anziehungskraft aus.
Deshalb macht es auch wenig Sinn, den Menschen die in Budapest vor dem Bahnhof GER-MANY, GER-MANY rufen, die Einreise nach Deutschland zu erschweren.
…Es macht doch tatsächlich wenig Sinn dass deutsche Politiker in der EU dafür streiten, dass die Flüchtlinge die nach Deutschland kommen wollen auch auf alle anderen EU Länder verteilt werden sollen.
Diese Menschen kann man ja nicht auf dem grünen Tisch verschieben wie Armeen. Sie werden trotz aller Zäune und Auffanglager an den EU AußengrenzenImmer wieder versuchen, ihren Traum zu verwirklichen: „GER-MANY“

Dr. Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von Evonik Industries in seiner Rede im China Club in Berlin am 10. September

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20602

Der US-amerikanische Historiker und Schriftsteller James Truslow Adams prägte erstmals den Begriff vom „American Dream“. Über die amerikanischen Einwanderer der ersten Stunde schrieb er schon vor mehr als 80 Jahren:

»Sie waren mit einer neuen treibenden Hoffnung gekommen, zu wachsen und aufzusteigen und für sich ein Leben herauszuhauen, indem sie sich nicht nur als Menschen durchsetzen, sondern auch als Menschen anerkannt sein wollen, ein Leben nicht nur in wirtschaftlichem Wohlergehen, sondern auch in gesellschaftlicher Anerkennung und Selbstachtung.«

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20601

Was Träume und Poesie in seinen Liedern bewirken, dazu sagt Konstantin Wecker:

Es bewirkt, glaube ich, Emotionen und es kann etwas bewirken, nicht nur meine Lieder, sondern die von vielen, vielen, vielen anderen Menschen, dass etwas passiert ist, wo niemand damit gerechnet hat.
Wir hatten noch die brennenden Asylantenheime und die Dumpfbacken mit ihren Sprüchen in der Presse und plötzlich haben sich ganz viele Menschen aufgemacht, um zu helfen und nicht zuerst ideologische Diskussionen zu führen, ob man von links oder rechts oder wie auch immer hilft, sondern einfach helfen.
Ich glaube, dass man das eigentlich in einer Gesellschaft, die die Empathie mehr oder weniger abgeschafft hat, die ausschließlich auf Konkurrenz- und Leistungsdruck basiert, dass man das nicht erwartet hat.
Es gibt aber eben, wie wir sehen, sehr viel mehr Menschen, und was mich besonders freut, es gibt sehr viele junge Menschen, die sich wieder beteiligen.

http://www.deutschlandfunk.de/deutschland-und-die-fluechtlinge-empathie-ist-nicht-ganz.694.de.html?dram:article_id=331681

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20600

Jeden Tag kommen Flüchtlinge zu uns. Der Philosoph Florian Goldberg meint dazu:

Dank der Globalisierung kommen nicht nur indische Mangos in unsere Kühlschränke und kongolesisches Silizium in unsere Handys, es kommen auch immer mehr Menschen auf die Idee, ihre in Syrien, dem Irak oder sonst wo zerbrochene Hoffnung gegen zumindest die Möglichkeit eines besseren Lebens einzutauschen.
Aus dem Fernsehen oder dem Internet wissen sie, wie es bei uns ist: Friedlich, frei und gut organisiert. Man kann sich ein Leben aufbauen. Genau das wollen sie auch, für sich und ihre Kinder. 
Und plötzlich geht es auch für uns um etwas. Wir dürfen uns bewähren! Wir können beweisen - uns selbst, nicht der Welt –dass wir in unserem Wohlstand nicht verblödet sind, sondern die lange friedliche Zeit gut genutzt haben. Dass wir gewillt sind und fähig, unsere zivilisatorischen Errungenschaften mit anderen nicht nur zu teilen, sondern gemeinsam mit ihnen weiterzuentwickeln.

http://www.deutschlandradiokultur.de/fluechtlinge-als-chance-die-stunde-der-zivilgesellschaft.1005.de.html?dram:article_id=331302

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20599

In ihrem Roman „Der Architekt des Sultans entführt Elif Shafak in die orientalische Welt muslimischer Gelehrter. Gott kann man in jedem Menschen begegnen!, meint ein Sufi.
Ein Raunen ging durch die Menge.
„Ruhe!“ rief jemand.
„Du behauptet also, du würdest Gott gleichen?“, fuhr der Großmufti fort:
[Und Scheich Madschnun, der Sufi antwortete:]
„Ihr selbst denkt,
Gott sei wie ihr – zornig, unbeugsam, rachelüstern.
Ich aber sage: anstatt zu glauben,
das Schlimmste des Menschen sei in Gott zu finden,
glaubt lieber, dass das Beste Gottes in den Menschen zu suchen ist.“

Der Architekt des Sultans. Elif Shafak, Kein und Aber

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20598

Ein Psalm aus der Bibel- wie ihn der Theologe Huub Osterhuis versteht:

Lass mich nur singen, solang ich noch kann.
Lass mich doch singen, solang ich noch bin bei Verstand und Stimme
         Wen soll ich síngen? Dich soll ich singen
         Dich, allein dich, wieder dich
Solange die Kriege noch dauern
Die Lebenden sterben. Die Toten nicht aufstehen
         Lasst uns noch singen mit Morgengoldlippen und Abendrotkehlen.
         Die ewigen Worte von Liebe und Frieden
Dass du sein wirst, der du gesagt hast zu sein
         Brot für Hungerdiebe, Licht für Blinde
         Für Flüchtlinge Zuflucht überall
Lasst uns doch singen
Von ungeschändeter Landschaft
         Kein Kind mehr verloren
         Schufte und Schänder sind vorbei.
Alle Dinge neu
Zucker und Honig, Brot und Wein in jeder Wohnung
Und die Glocken schlagen Gerechtigkeit.

Psalmen. Huub Osterhuis

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20597