Manuskripte

SWR3 Worte

Bei einem Strandspaziergang hat die Schriftstellerin Anne Morrow Lindbergh tiefes Glück erlebt. Sie erzählt:

„Ich ging weit den Strand entlang, vom weichen Rhythmus der Wellen getragen, die Sonne auf meinem Rücken, den Wind und den salzigen Sprühregen des Gischtes im Haar. Und dann nach Hause, durchnässt, beglückt, taumelnd und bis zum Rand mit der Einsamkeit des Tages angefüllt:
voll wie der Mond, ehe die Nacht von seinem Glanz gekostet hat;
voll wie ein Becher, ehe die Lippen ihn berühren.
Es ist das Gefühl der Fülle in mir, das in den biblischen Psalmen mit den Worten "Mein Becher läuft über" beschrieben wird.
Gott, lass niemanden kommen - bete ich plötzlich - ich könnte mich verströmen.“

Anne Morrow Lindbergh
Titel: Ich ging weit den Strand entlang
In: Muscheln in meiner Hand. (Gift from the sea)

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Die Natur mit all ihren Farben und Geräuschen in vollen Zügen genießen, für die französische Philosophin Simone Weil ist das geradezu ein Menschenrecht. Sie sagt:

„Man hat recht, die Schönheit der Welt zu lieben, denn sie ist das Zeichen eines Liebesaustausches zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung.
Die Schönheit ist für die Dinge, was die Heiligkeit für die Seele ist.“

Simone Weil (1909-1943)
In: Evangelisches Gesangbuch

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Kirchenräume können uns tief berühren. Diese Erfahrung hat Lothar Stempin gemacht, vielleicht in einem Urlaub:

„Kirchen sind auf ihre Art unvergleichliche Räume:
Sie überschreiten im Blick auf Größe und Aufwand oft jedes vernünftige Maß. Mit Kategorien der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Rationalität sind sie nicht zu fassen. [...]
Licht- und farbgetränkt zeigen sich viele Kirchenräume.
Lichtspiele durch Sonnenschein oder Kerzenlicht faszinieren.
Leuchtende Farbräume lassen das Heilige transparent werden: […]
Blau für Himmel und Ewigkeit,
Rot für das Feuer der Liebe und des Blutes, […]
Schwarz für die Trauer und das Dunkel.
Violett für die Sehnsucht nach Licht und Leben,
Ja, Kirchen sind Übergangsräume, weil Gedanken und Gefühle in die Höhe gehoben werden.“

Lothar Stempin, Oberkirchenrat im Lutherischen Kirchenamt der VELDK in Hannover
Himmel überm Asphalt. Von der Alltäglichkeit des Glaubens.

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Weil sie selbst erlebt hat, wie schmerzhaft Vorurteile sein können, engagiert sich Naomi Hill für internationale Studierende und Migranten. Sie erzählt:

"Ich […] bin in den USA geboren, aber meine Mutter ist Deutsche. Als ich 6 Jahre alt war, sind wir nach Deutschland umgezogen. Obwohl mein Name mich eindeutig als Ausländerin outet, habe ich mich nie so gefühlt. Im Gegenteil, ich hatte viele Vorteile, weil ich verschiedene Weltanschauungen gleich als Kind mitbekommen habe. […]
Doch als ich während des Studiums  […] eine Wohnung suchte, bekam ich es nicht nur vom Hörensagen, sondern persönlich ganz handfest mit Vorurteilen zu tun. Ich rief auf eine Zeitungsanzeige hin  […]  bei einem der Vermieter an. Natürlich meldete ich mich mit meinem Namen: Naomi Hill; schließlich gehört das doch zum guten Ton. Darauf bekam ich zu hören: ‚Wir wollen keine Ausländer.‘ Das hat mich sehr geschockt und tief gesessen. […] Vorurteile können ganz schön wehtun!"
Naomi Hill

Vorurteile
In: http://www.e-vorurteil.de

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Mutig auf ganz andere Menschen zugehen, – das beginnt „im Kopf“!
Die Sozialpädagogin Susanne Niemeyer malt sich ihr Tun vorher in Gedanken genau aus:

„Wie wäre es, wenn der Platz an meinem großen Tisch nicht mehr frei bliebe. Wenn manchmal die ältere Frau dort säße, die ich abends, wenn es dunkel ist, verstohlen in die Mülltonne gucken sehe.
Wie wäre es, wenn sie und mein Freund und ich zusammen essen würden, und sie würde dabei von früher erzählen […].
Nein, nicht gleich eine Ersatzfamilie bilden. Auch nicht ständig beieinander sitzen, nur manchmal, hier und da, achte die eine auf die andere:
Ich brächte ihr die Wasserkisten in die Wohnung und dann und wann auf dem Weg zur Arbeit ein paar frische Brötchen. […] Und sie könnte während meines Urlaubs meine Blumen gießen, und vielleicht wüsste sie, was gegen Blattläuse hilft.
Wie wäre das?“

Susanne Niemeyer
Wie wäre es.
In: Der Andere Advent. Meditationen und Anregungen vom 2. Dezember 2006 bis 6. Januar 2007, hrsg. vom Andere Zeiten e.V

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Mit 18 Jahren ist Weis Rassuli aus Afghanistan geflohen. Als Asylbewerber lebt er nun in Deutschland allein und fern von seiner Familie. Dass er den Mut nicht sinken lässt, liegt auch an den vielen Leuten in seinem Dorf, die ihm freundlich begegnen. Er erzählt:

„Es geht mir besser, seitdem ich in der örtlichen Fußballmannschaft aufgenommen wurde, in der ich übrigens nicht der einzige Asylbewerber bin. Seither habe ich dort Freunde, auch der Trainer ist sehr nett und hilfsbereit. Wir haben auch außerhalb des Spielfeldes Spaß miteinander. Ich werde in die Familien eingeladen und man hilft mir mit Formularen und Anträgen. Und während der Fußball-Sommerpause konnte ich sogar nebenan im Tennisclub spielen und fühlte mich auch dort sehr freundlich aufgenommen.“

Heimfocus; Magazin, Nr. 14, August 2013, S. 13
Vgl.:
http://www.heimfocus.net/projekte/heimfocus/n14-082013/

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Woher haben wir eigentlich den Sonntag, unseren wöchentlichen freien Tag? Die Theologin Dorothee Sölle denkt darüber nach und erzählt:

"Die Zehn Gebote sind in alle Sprachen der Welt übersetzt. Diese Sprachen haben Wörter für ‚Himmel‘ und ‚Erde‘, für ‚Bildnis‘ und für ‚Gott‘. Nur ein Wort ist hierbei unübersetzbar, das ist das Wort ‚Sabbat‘, der Ruhetag, der Feiertag nach sechs Arbeitstagen - vielleicht das größte Geschenk des jüdischen Volkes an die Menschheit."

Dorothee Sölle
Der siebte Tag

In: Den Rhythmus des Lebens spüren. Inspirierter Alltag

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