Manuskripte

SWR3 Worte

Thomas Gottschalk in seinem Buch „Herbstblond“:

 „(…)Ich habe mich nach den schlichten Regeln der Bergpredigt immer mit der Welt, in der ich lebe, arrangieren können. Dazu kommt, dass ich meinen Erfolg nicht harter Arbeit oder übertriebenem Fleiß verdanke. Ich habe mit dem bisschen, das ich hatte, gewuchert und stehe heute mit dem Ergebnis nicht schlecht da. (…) Mein Leben hat mir, ohne dass ich mir das verdient hätte, wenig Grund zu Zweifeln oder gar Verzweiflung beschert. Ich bin in einem Alter, wo mehr Anlass zu Dankgebeten besteht.

 

Thomas Gottschalk, Herbstblond als E-Book, Position 4835 bis 4851

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Thomas Gottschalk in seinem Buch „Herbstblond“:

„Meinen Glauben und meinen Katholizismus habe ich immer als hilfreiches Moment in meinem Leben empfunden. Dabei habe ich ihn nie zur Schau getragen. Ich habe keine Erbauungsreferate beim Katholikentag gehalten (…) und ich gehe auch nicht jeden Sonntag in die Kirche. Ich habe in meiner Gottsuche auch die Zweifler zu Wort kommen lassen und war von den (…) Schlussfolgerungen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins (…) durchaus fasziniert. Aber seine Beweise für die Nichtexistenz Gottes sind nicht sehr viel stichhaltiger als die Versuche der Gegenseite (…).

Mit diesen Themen hätte ich mich als Erwachsener nie beschäftigt, wenn bei mir nicht in der Kindheit die (…) Fundamente dafür gelegt worden wären (…). (…) Meine Eltern entschieden sich für den Glauben und nahmen mich einfach mit hinein.“

Thomas Gottschalk, Herbstblond. Die Autobiographie, als E-Book, Position 4778 bis 4794

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Die Berliner Schriftstellerin und Mutter Okka Rohd hat eine Liste verfasst, was sie ihrer Tochter irgendwann einmal zeigen möchte:

Wie Muscheln rauschen.

Wie es sich anfühlt von oben bis unten geliebt zu werden. (…)

Wie man sich entschuldigt.

Wie Basilikum riecht. Und Regen. Und Zimtschnecken.

 Wie man verzeiht.

 Wie man einen richtig guten Zitronen-Kuchen backt. (…)

 Dass es okay ist traurig zu sein.

Und muffig.

Dass es okay ist, um Hilfe zu bitten. (…)

Wie grandios Faulheit ist.

Und wie grandios es ist, sich anzustrengen. Für das Eigene. Für das, was einem wichtig ist. Egal, wie weit man damit kommt.

 Wie gut es ist, nein zu sagen. Auch wenn es schwerfällt.

Wie gut es ist, ja zu sagen. Auch wenn es schwerfällt. (…)

Dass es ihr Leben ist. Ihr eigenes. Und sie die Wahl hat, die kostbare Freiheit, ihre eigene Wahl zu treffen.

 

aus: Okka Rohd, Völlig fertig und irre glücklich. Meine ersten Jahre als Mutter, Rowohlt Verlag Hamburg, S. 62.

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Die Kinderbuchautorin Cornelia Funke im Interview darüber, wie sie mit Angst umgeht:

„Sich etwas Schwieriges zuzutrauen befreit innerlich, und schafft man es, dann traut man sich plötzlich alles zu. Es ist, als ob das Leben einem ab und zu einen goldenen Schlüssel reicht, der klebrig ist von Angst. Doch wenn man die Angst überwindet und ihn benutzt, ist die Belohnung unglaublich. (…) Diese kleinen Ängste, dieses „Ich will jetzt nicht weg, ich habe es gerade so gemütlich und so sicher“, das sind oft die lästigsten. Ich habe selber lange so gelebt, ohne zu merken, dass dadurch die geringste Änderung des Vertrauten zum Stress wird. Ich halte inzwischen Gemütlichkeit und Sicherheit für die gefährlichsten Dinge im Leben überhaupt. Je öfter man sich Veränderungen und neuen Situationen aussetzt, desto mutiger und stärker wird man.“

aus: Zeit Magazin Nr. 24, 11. Juni 2015, Das war meine Rettung: Die Schriftstellerin Cornelia Funke im Interview mit Louis Lewitan, S. 46.

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Thomas Gottschalk in seinem Buch „Herbstblond“:

„Ich bin oft gefragt worden, woher meine Sicherheit im Auftritt kommt, dieses Gefühl, dass mir auf einer Bühne nichts passieren kann, solange irgendwas passiert. Wenn ich es Talent nenne, dann nicht im eitlen Sinn des Begnadeten, der sich in der eigenen Begabung sonnt, sondern im Sinn des Bibelgleichnisses von den Talenten, die der Herr an seine Diener verteilt hat. Darin ist der Ängstliche, der seines vergräbt, am Ende der Dumme, und der Forsche, der damit wuchert, steht bei der Endabrechnung als Gewinner da. Vielleicht ist es Gottvertrauen.

Ja, in Ermangelung anderer Sponsoren glaube ich daran, dass Gott mir eine Gabe mit auf den Weg gegeben hat, die er insgesamt sehr zögerlich verteilt hat.“

Thomas Gottschalk, Herbstblond als E-Book, Position 4672

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Heinrich Bedford-Strohm – so heißt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er hat sich mit Angela Merkel und anderen Spitzenpolitikern getroffen. In seiner Rede hat er gesagt:

„Können wir unser Leben genießen, wenn so viel Leid in der Welt ist? Längst sind es nicht mehr Reisen in andere Länder, die uns mit Not und Armut konfrontieren. Menschen kommen hierher, weil sie nichts mehr zu verlieren haben. Der Glaube an das Gute kann ins Wanken geraten, wenn wir Bilder von Mordaktionen sehen – oder uns diesen Bildern bewusst nicht aussetzen, um der Propaganda keinen Triumph zu gönnen. Doch wer resigniert, gibt der Aussichtslosigkeit recht.

Nur eine Gesellschaft, die das Hoffen in schwieriger Zeit nicht verlernt, behält die Kraft zum Handeln.“

 

aus: Die Zeit, Ausgabe vom 9. Juli 2015 Nr. 28, S. 50.

 

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Die Psalmen sind uralte Gedichte aus der Bibel. Der Theologe und Autor Andreas Knapp hat einen dieser Psalmen umgeschrieben.

mein psychologe hat mich

analysiert und kennt mich

ob ich auf der couch sitze oder liege

er weiß von mir

und durchschaut all meine träume

 mein arzt hat mich untersucht

und durchgecheckt

die röhre umschloss mich von allen seiten

röntgen und ultraschall

bringen mein innerstes ans licht

im mrt werden sichtbar

selbst meine gedanken

meine dna kunstvoll gewoben

ist im computer schon verzeichnet

meine gene getestet

wohin könnte ich fliehen

vor den webcams

in banken oder straßenbahn

wird alles aufgezeichnet

 

ER aber bleibt verborgen

zu schwierig sind für uns

SEINE gedanken

und auch ich

ein gedanke von IHM

bleibe geheimnis

 

aus: Andreas Knapp, Heller als Licht. Biblische Gedichte, 2014, S. 31

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