Manuskripte

SWR3 Worte

Manchmal kommt man über das Staunen nicht mehr hinaus. Zum Beispiel im Urlaub: Bergluft, Strand, oder faszinierende Städte. Dass man aber auch im Alltag das Staunen nicht vergessen soll, darauf hat schon der heilige Augustinus vor rund 1500 Jahren aufmerksam gemacht. Er schreibt:

Die Menschen machen weite Reisen, um zu staunen:

Über die Höhe der Berge,

über riesige Wellen des Meeres,

über die Länge der Flüsse,

über die Weite des Ozeans

und über die Kreisbewegungen der Sterne.

An sich selbst aber gehen sie vorbei,

ohne zu staunen.

Ein Zitat des Theologen Augustinus.

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Die Theologin Iris Macke hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie möchte die Menschen, die sie mag beschenken und sich von ihnen beschenken lassen. Das sieht so aus:

Gemeinsames Wandern ohne Meckern. Das schenkte ich meinen Eltern, als ich ein Kind war. Heute machen wir (…) ein Spiel daraus: „Ich schenke Dir Zeit. Was möchtest Du damit machen?“ Erlaubt ist alles, was froh macht. Ich wünsche mir von meiner Schwester, dass sie sich einen Tag um unsere Kinder kümmert. Meine Freundin will endlich mal wieder mit mir um die Häuser ziehen – ohne auf die Uhr zu gucken. Auch unserer ehemaligen Nachbarin schenke ich Zeit. Ich lese ihr im Pflegeheim aus ihrem Lieblingsbuch vor. Und hoffe, sie spürt, dass ich da bin. Meine Mutter schickt mich auf die Leiter. Für sie schneide ich die Gartenhecke. Und staune über das kostbarste Geschenk, das wir weitergeben dürfen.

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Der spanische Maler und Bildhauer Pablo Picasso über das Suchen und Finden:

Ich suche nicht – ich finde. Suchen, das ist (…) das Finden-Wollen von bereits Bekanntem. Finden, das ist das völlig Neue. Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungeborgenen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit geführt werden, die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen.

Ein Text von Pablo Picasso.

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In der Hektik habe ich mal wieder vergessen, einkaufen zu gehen. Aber wer ist schon perfekt? Im nicht-perfekt-sein stecken ungeahnte Möglichkeiten.
Zum Beispiel heute Abend: Aus allem was der Kühlschrank hergibt, ein Restmenü zaubern. Nicht perfekt zu sein, kann man üben – in allen Lebenslagen.
Der Schriftsteller Michael Ende beschreibt, wie es gehen kann:

(Das,) was dich hindert, Kunst zu machen, mache zum Thema deiner Kunst.
(Das,) was dich hindert gut zu sein, mache zum Gegenstand deiner Güte.
(Das,) was dich hindert, zu erkennen, mache zum Fundament deines Denkens. (Das,) was dich hindert, bewusst zu sein, mache zum Mittelpunkt deiner Aufmerksamkeit.
(Das,) was dich hindert, dein Leben zu haben, mache zum Inhalt deines Lebens.

Ein Zitat von Michael Ende.

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Die Theologin Kirsten Westhuis freut sich auf ihren Urlaub. Sie schreibt:

(…) Acht Kilo. Das ist meine Vorgabe. Mehr soll nicht mit auf meine Reise, denn alles, was ich in meinen Rucksack packe, muss ich selbst schultern. Ich pilgere nach Santiago de Compostela. 800 Kilometer zu Fuß. Ganz allein. Mit jedem Gramm, das in meinem Rucksack wandert, und noch mehr mit jedem Überflüssigen, das ich zuhause lassen kann, wächst meine Vorfreude.

Ich freue mich auf eine Zeit, in der nur das Notwendigste auf meinen Schultern lastet und ich offen sein kann für alles, was mir auf dem Weg begegnet. Eine Zeit, in der ich in meinem eigenen Tempo meine Schritte setze. Eine Zeit, in der ich über Berge und Täler schreite, immer einem Ziel entgegen, das mich lockt und erwartet.

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Aus einem Gebet des Theologen Jörg Zink:

(Herr), (…) Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr und für jeden Morgen, den ich sehe. Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben. Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit, jede Stunde zu füllen.

Ich bitte dich, dass ich ein wenig dieser Zeit freihalten darf von Befehl und Pflicht, ein wenig für Stille, ein wenig für das Spiel, ein wenig für die Menschen am Rand meines Lebens, die einen Tröster brauchen.

Ich bitte dich um Sorgfalt, dass ich meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht verderbe. Jede Stunde ist ein Streifen Land, ich möchte ihn aufreißen mit dem Pflug, ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche, damit Frucht wächst.

Segne du meine Zeit.

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Was der Name Gottes für ihn bedeutet, beschreibt der Theologe Alfons Deissler in einem Gebet. Es heißt: „Jahwe – Ich bin da“.

In das Dunkle deiner Vergangenheit
Und in das Ungewisse deiner Zukunft,
in den Segen deines Helfens
und in das Elend deiner Ohnmacht
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

In das Spiel deiner Gefühle
Und in den Ernst deiner Gedanken,
in den Reichtum deines Schweigens
und in die Grenzen deiner Begabung
lege ich meine Zusage:
Ich bin da. (…)

In die Enge deines Alltags
Und in die Weite deiner Träume,
in die Schwäche deines Verstandes
und in die Kraft deines Herzens
lege ich meine Zusage:
Ich bin da.

Ein Gebet des Theologen Alfons Deissler.

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