Manuskripte

SWR3 Worte

Was rettet die Zukunft unserer Welt? Unter anderem die Bibel,
meint der Schriftsteller und Verleger Michael Krüger:

„Natürlich ist unsere gegenwärtige Lebensform nicht zu retten.
Das weiß inzwischen auch die Bundeskanzlerin,
selbst wenn sie es nicht zugeben will.
Wir müssen uns mit dem Gedanken vertraut machen,
dass wir demnächst vor einer Wand stehen.
Gerade deswegen ist jetzt noch viel zu tun.
Es muss in den Kindergärten anfangen, in den Schulen und Universitäten.
Wir müssen begreifen lernen, wer wir Menschen wirklich sind
und was wir auf dieser Welt zu suchen und zu tun haben.
Dass diese Diskussion über das große Ganze nicht mehr vorkommt,
empfinde ich als einen gefährlichen Skandal.
Auch die Bibel könnte nicht schaden. Jeder sollte sie gelesen haben.
Sie steckt voller wertvoller Lebensgeschichten.“

Michael Krüger: „Können Bücher trösten“;
in: „Was macht das Leben lebenswert?“, S.-Fischer-Verlag-Gmbh

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Wozu brauchen wir die Kirche? Als Schutz für unsere Freiheit,
meint der Maler Gerhard Richter:

„Ich glaube, dass man immer glauben muss.
Es geht ja überhaupt nicht anders: Wir glauben immer irgendwas.
Jeder braucht etwas, woran man sich halten kann:
ein Gegenstück zu dem ganzen Unfassbaren und Sinnlosen,
zur unendlichen Erbarmungslosigkeit unserer Welt.
Aber an Gott kann ich irgendwie nicht so richtig glauben:
Gott ist mir entweder zu groß oder zu klein;
der ist mir immer unverständlich und eben unglaublich.
Trotzdem bin ich dankbar, dass es die Kirche gibt.
Ich bin dankbar, dass sie so Großes geleistet hat.
Sie hat uns Gebote gegeben: ´du sollst` und ´du sollst nicht`.
Und sie zeigt uns den Unterschied zwischen Gutem und Schlechtem.
Das haben alle Religionen gemacht.“

„Ich habe nichts zu sagen, und ich sage es“,
Gerhard Richter im Gespräch mit Nicholas Serota; in: Gerhard Richter Panorama, Prestel-Verlag, München 2012

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Gibt es einen guten Gott? Manchmal kann man den ein bisschen spüren,
meint der Schriftsteller Andreas Steinhöfel:

„Als Kind wurde ich oft von meinem Vater schlimm verprügelt.
Dann lag ich abends in meinem Bett und habe mich gefragt,
warum der liebe Gott nicht eingegriffen hat.
Ich scheitere bis heute an der Frage,
warum so etwas wie eine schöpferische Intelligenz
so was Beklopptes wie uns Menschen auf diesen Planeten setzen könnte.
Allerdings bewundere und beneide ich Menschen,
die einen festen Glauben haben.
Denn ich habe schon mehr als einmal mitbekommen,
wie tröstlich das sein kann.
Aber es gab auch in meinem Leben Momente,
wo ich das Gefühl hatte, in großem Unglück eine Tröstung zu erfahren.
Das war ein gutes und ein rettendes Gefühl –
und das war so intensiv, dass ich in meinem Unglauben
tatsächlich ins Schwanken kam.“

„Depression ist, wenn alle deine Gefühle im Rollstuhl sitzen“,
Andreas Steinhöfel im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in: Magazin „Chrismon“, Nr.5/2015

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Was ist schön beim Altwerden? Das volle Leben,
meint Fernseh-Moderator Thomas Gottschalk:

„Natürlich überlege ich zusammen mit meiner Frau,
wo wir in den Sonnenuntergang unseres Lebens reiten wollen.
Aber es ist nicht so, dass ich zwischendurch immer mal wieder
wie ein Eremit im Sarg schlafe, um schon mal zu testen,
wie sich das anfühlt. Im Gegenteil!
Ich habe mich nicht leergelebt. Sondern ich habe mich vollgelebt.
Das ist für mich der Sinn des Alters:
dazusitzen, zu sortieren, zu reflektieren,
auszusortieren und weiterzugeben.
Dabei weiß ich ja auch nicht, was mir morgen blüht.
Nur beschwere ich mir mein Heute nicht mit dem Blick auf morgen,
sondern ich erhelle mir die Gegenwart
mit dem Blick auf gestern.“

„Ich hab einfach immer Schwein gehabt“,
Thomas Gottschalk im Gespräch mit Ulrike Posche und Kester Schlenz; in: Zeitschrift „Stern“ Nr.18

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Wo kann man Gott begegnen? Auf dem Land besser als in der Stadt,
meint der französische Schriftsteller Michel Houllebecq:

„In der Stadt lebt man in einem dichten Netzwerk
von menschlichen und sozialen Beziehungen.
Man geht wichtigen Tätigkeiten nach
und ist irgendwie immer beschäftigt – wie auch immer:
In der Stadt sind wir nicht so intensiv
in Berührung mit der Schöpfung,
wie das am Anfang eigentlich vorgesehen war.
Dabei führt uns die Erfahrung der Natur und die Erfahrung
der menschlichen Einsamkeit im Angesicht der Schöpfung
zurück zu einem anderen Weltbild:
nämlich zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Universums
und zu einer göttlichen Vision der Welt.
Es fällt mir leichter, an Gott zu glauben,
wenn ich auf dem Land bin.“

„Ich weiß nichts“,
Michel Houllebecq im Gespräch mit Romain Leick; in: Zeitschrift „Der Spiegel“ Nr.10/2015

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Wie wird man ein besserer Mensch?
Indem man das Handy auch mal weglegt, meint Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg:

„Es vergeht kein Lebensmoment mehr ohne Handy.
Davon sollte man wegkommen, es einfach mal weglegen.
Wir müssen nicht jeden Moment erreichbar sein
und nicht vor lauter Langeweile ständig online ein Facebook sein:
Bilder posten und so weiter.
Ich meine, wir sollten die Zeit
nicht mit unnötigem Quatsch verplempern.
Okay, manche halten Autorennen für Quatsch;
aber das ist mein Beruf. Ich liebe ihn.
Es ist ja auch nicht so, dass ich für das Aussteigen plädiere
und mich auf eine einsame Insel zurückziehe.
Ich meine nur, dass es für mich gut ist, manches zu reduzieren.
Ich will die Gegenwart, den Moment, die Kleinigkeiten genießen.“

„Ich will ein besserer Mensch werden“,
Nico Rosberg im Gespräch mit Anno Hecker; in: FAZ Nr.60

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