Manuskripte

SWR3 Worte

Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten, so wie diese:

Einmal hält Albert Einstein einen anspruchsvollen Vortrag über das Verhältnis von Raum und Zeit. Als er fertig ist, steht ein Zuhörer auf und widerspricht: „Was Sie gerade ausgeführt haben, das ist mir viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“
Einstein lächelt und antwortet: „Dann kommen Sie doch ’mal nach vorn und legen Sie Ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“

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Begegnungen auf Augenhöhe, das wünscht uns die deutsch-türkische Schriftstellerin Renan Demirkan heute an ihrem 60. Geburtstag:

„Die Hausfrau von nebenan will es, und die Ghettokids […] in Kreuzberg wollen es. […] Der Erwerbslose inmitten seiner erwerbstätigen Nachbarn will es und auch der Zugewanderte bei der Wohnungssuche.
Sie alle wollen zu allererst das eine: Respekt. […]
Auch heute klingt der häufigste Satz in der sogenannten Kanaksprache: Isch will Respekt, man!
Diese Satz […]  meint den Wunsch nach Gleichrangigkeit. Nach einem Gegenüber in Augenhöhe, nicht um zu messen, sondern um zu verbinden.
[…]
Respekt:
Behinderte wollen es von Nichtbehinderten,
der Ohnmächtige vom Mächtigen.
Der alte Mensch will es vom jungen,
genauso wie der Moslem es vom Christen will.“


Renan Demirkan
In: Respekt. Heimweh nach Menschlichkeit, Freiburg (Herder)

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Manche sind mit sich und anderen erst dann wirklich zufrieden, wenn sie perfekt sind, wenn es nichts mehr zu verbessern gibt.
Der Schweizer Heilpädagoge Max Feigenwinter gibt zu bedenken:

Wenn alles gelingen muss,
nur das Beste zählt […]
und nur das Perfekte befriedigt -
dann machen wir einander das Leben zur Hölle.

Wir werden viel mehr erreichen, zufriedener und glücklicher sein,
wenn wir anerkennen, was ist, statt aufzulisten, was fehlt;
Wenn wir tun, was wir können, statt Unmögliches zu fordern; […]

Wenn wir einander dankbar sind,
statt zu meinen, alles sei selbstverständlich.

Max Feigenwinter.
In: Dem Glück auf der Spur. Inspirationen zur Bergpredigt. Eschbach

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Das erste Glas stehen lassen! Mit diesem Satz unterstützen sich Menschen in Selbsthilfegruppen der Anonymen Alkoholiker gegenseitig dabei, trocken zu werden und zu bleiben. Heute vor 80 Jahren wurde in den USA der Grundstein der Anonymen Alkoholiker gelegt. Die geniale Entdeckung dabei war: die Wirkung der Gemeinschaft:

„Diese ganz einfache Erfahrung machten 1935 die beiden Gründesmitglieder, der amerikanische Börsenmakler Bill Willson und der Arzt Dr. Bob Smith: Sie sprachen miteinander, jeder über sich selbst und über seine Probleme. Sie teilten Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander, und konnten dadurch das erste Glas stehen lassen und damit die zwanghaft folgenden Gläser ebenfalls.“

In: Anonyme Alkoholiker: Pressemappe: „AA stellt sich Ihren Fragen“, http://www.anonyme-alkoholiker.de/download_start/AABroschuereWEB.pdf, S. 5.

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Sie tun es ehrenamtlich: die freiwilligen Helfer vom Schiff Sea-Watch kümmern sich jeweils 14 Tage um Flüchlingsboote in Seenot. Warum sie das tun? Sie sagen:

Mit einem privaten Schiff im Seegebiet zwischen Malta und der libyschen Küste setzen wir dem unhaltbaren Zustand der Flüchtlinge ganz praktisch etwas entgegen. Wir leisten den Flüchtlingsbooten in Not Ersthilfe und fordern durch die zuständigen Institutionen die Rettung ein. Auch nehmen wir die offiziellen Stellen in Europa in die Pflicht, indem wir Neuigkeiten vom Meer live übers Internet und per Telefon berichten. Unsere Mittel sind beschränkt, aber wir können Zeichen setzen.

In: http://sea-watch.org/

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Was ist die Schuld der Deutschen? 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigt diese Frage noch immer die Politik. Die Journalistin und langjährige Moskaukorrespondentin Gabriele Krone-Schmalz erinnert sich, dass ihr Vater schon mit ihr als Kind darüber gesprochen hat.

Auch deswegen ist mein Vater für mich der größte Held meines Lebens. […] Im Volksschulalter einem Kind kindgerecht zu erklären, dass das Deutsche Volk natürlich Schuld auf sich geladen hat. Aber dass es trotzdem nicht dazu führen muss, dass junge Menschen […] mit einem gesenktem Kopf durch die Gegend laufen.
Das hat mir sehr geholfen, weil ich dadurch ziemlich früh begriffen habe, dass es erstens Widersprüche im Leben gibt, die sich nicht auflösen lassen, […] wie zum Beispiel der Ost-West Konflikt […]. Und zweitens habe ich sehr früh begriffen, dass ‚entweder oder‘ Positionen gar nicht helfen – […] wirklich menschlich kann man nur unterwegs sein, wenn man lernt zu differenzieren.

Gabriele Krone-Schmalz
In: Gerwin trifft Dr. Gabriele Krone-Schmalz, http://gerwin.de/de/interview.php?id=141

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„Damit wir klug werden“ – unter diesem Motto steht der Evangelische Kirchentag, der heute in Stuttgart zu Ende geht. Viele haben dort miteinander gebetet:

„Du, Gott, lass uns aufmerksam durch den Tag gehen:
offen für Menschen, die uns begegnen,
aufgeschlossen für das, was noch kommt,
gelassen, auch wenn unsere Pläne durchkreuzt werden. […]
Lass uns klug werden,
dass wir Gemeinheiten geistreich begegnen,
dass wir einsehen, wo wir uns täuschen,
und dass wir uns im rechten Moment weise entscheiden.“

Projektleitung Tagzeitgebete: Manfred Büsing, Lotta Geberzahn, Ulrike Greim, Barbi Kohlhage, Bernhard Leube, Kai-Uwe Scholz.
Aufschaufa – Abendgebet.
In: ZeitWeise. Liederbuch, zum 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag, München

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