Manuskripte

SWR3 Worte

So schrill Thomas Gottschalks Outfit oder Auftreten auch sein mag sein Familienbild ist es ganz und gar nicht. In seiner Autobiographie schreibt er:

Ich bin ein Familienmensch und versuche im Sinne des „Pater familias“ keines meiner Schäfchen aus den Augen zu verlieren. Ich weiß nicht, ob ich die Gelegenheit haben werde, in meiner letzten Stunde eine Ansprache an meine Familie zu halten. Für meinen Vater war das damals sicher nur ein schwacher Trost. Dennoch waren seine Worte gut gewählt, und falls ich das nicht so hinkriegen sollte, können meine Hinterbliebenen gern an dieser Stelle nachlesen: „Haltet fest zusammen.“

 

Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 276.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19819

Thomas Gottschalk beschreibt seine Beziehung zum Publikum als eine Liebesbeziehung, in seiner Autobiographie schreibt er:

Das ist weder Ranschmeiße noch billiges Pathos. Ich bin mir sicher, ich verdanke meinen Erfolg zu einem großen Teil der Tatsache, dass ich meine Zuschauer wirklich in mein Herz geschlossen habe… Sie bestanden nie aus … einer anonymen Masse, sondern immer aus Menschen, die ich schon deswegen mochte, weil sie mir eine Chance gaben. Ich konnte mich deswegen nie an diese „Zielgruppen-Arithmetik“ gewöhnen, weil mir jeder Zuschauer gleich viel bedeutet. Ob alt oder jung, krank oder gesund, hübsch oder hässlich, arm oder reich… Die meisten davon haben keinen Zweifel daran gelassen, dass sie mich gern in den Arm nehmen würden. Viele haben es getan, und ich habe es zugelassen. Ich finde das geht in Ordnung. 

 

 Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 36.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19818

 In seiner Autobiographie beschreibt Thomas Gottschalk wo er seinen Platz im Reich Gottes sieht:

Ich sehe meinen Platz in allen Winkeln seines Reiches, die mir Jesus in seiner Güte angeboten hat. Mal bei den verirrten Schafen (…), mal bei den Armen im Geiste (…), gern auch bei den Zöllnern (…) und immer bei den Sündern. Ich will da auch gar nicht weg, denn dort ist meine Chance auf Gnade am größten. Und die werde ich auf jeden Fall brauchen.

 

 Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 347.

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19817

Thomas Gottschalk nimmt das Altwerden auch mit Humor, in seiner Autobiographie schreibt er:

Ich selbst habe gerade das Rentenalter erreicht und sehe beim Rasieren im Badezimmerspiegel immer häufiger einen älteren Herrn, der mir nur entfernt ähnelt. In solchen Momenten kann ich nicht jedes Mal meine Maskenbildnerin antreten lassen, damit sie mir den Menschen herschminkt, den ich von meiner Autogrammkarte kenne. Dabei habe ich mit dem Älterwerden eigentlich kein Problem, nur dass man es sieht find ich scheiße, auch wenn meine Umgebung mir pflichtschuldigst erklärt, dass ich jünger aussehe, als ich bin. Manchmal auch unabsichtlich, wie ein munterer Berliner, der kürzlich zu mir in den Lift stieg: „Hat Dir schon ma eena jesacht, ditte aussiehst wie der Jottschalk?“ „Ja, passiert mir öfter.“ „Mann, damit kannste Jeld vadien!“ „Aber nicht so viel wie der!“ „Macht nüscht, dafür biste zehn Jahre jünga!“

 

Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 204.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19816

Thomas Gottschalk über die Schattenseiten des Berühmtseins

Könige und Gaukler haben immer besser gelebt als der Rest der Gesellschaft. Dafür wurden sie aber auch öfter vertrieben, verlacht und verprügelt. Öffentlich zu lachen ist keine große Kunst. Öffentlich zu leiden ist die doppelte Strafe. Dass zum Schaden auch noch der Spott kommt ist schon ärgerlich genug, wenn nur der Nachbar feixt. Wenn die ganze Nation sich das Maul zerreißt und mit dem Finger auf dich zeigt, brauchst du schon ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein, um psychisch nicht unter die Räder zu kommen.

  Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 253.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19815

 Thomas Gottschalk erzählt in seiner Autobiographie wie er durch den Tod seines Vaters mit 14 erwachsen wurde:

Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt knapp über vierzig, und es hat nach meinem Vater keinen Mann mehr in ihrem Leben gegeben. Sie verbrachte es damit, mich und meine jüngeren Geschwister Christoph und Raphaela durch Schule und Ausbildung zu schubsen.                                 Als der Sarg mit meinem Vater aus dem Haus getragen wurde, hatten sich die Rollen verändert. Meine Mutter hielt nicht mehr mich an der Hand, sondern ich hielt die Hand meiner Mutter.


Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015,
S. 36.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19814

Thomas Gottschalk in seiner Autobiographie warum er trotz seinen Zweifeln glauben kann.

Als ich noch Kind war, war mein Gottvertrauen unbegründet, heute folge ich Hans Küng in seiner Einschätzung, dass ein ‚in der Vernunft begründetes Gottvertrauen‘ …durchaus zu rechtfertigen ist. Mein Verstand hat mit der Jungfrauengeburt Jesu dasselbe Problem wie der jedes anderen denkenden Menschen. Ich halte das theologische Konzept des Gottessohns, der von seinem Vater ans Kreuz geschickt wird, um für die Sünden der Menschheit zu büßen, für schwer nachvollziehbar, und die Hoffnung auf die ewige Seligkeit wackelt umso mehr, je näher ich ihr komme. Dennoch: In meiner Kindheit sind solch starke Pfeiler zementiert worden, dass die Zweifel, die sich mit den Jahren einstellten, sie nicht umwerfen konnten.

 

Länge:  42 Sek.                                                                                                                                  Quelle: Thomas Gottschalk, „Herbstblond –Die Autobiographie“, Heyne Verlag, München 2015, S. 341/342.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19813