Manuskripte

SWR3 Worte

Der berühmte Dirigent Leonard Bernstein wurde einmal gefragt, welches das unbeliebteste Instrument sei. Er antwortete lächelnd: „Die zweite Geige. Jeder möchte furchtbar gern die erste Geige spielen, und es gibt nur wenige, welche die gleiche Begeisterung und das gleiche Interesse für die zweite Geige aufbringen. Alle streben nur nach der Stellung des ersten Geigers, und nur wenige verstehen, wie wichtig der zweite Geiger ist. Die berühmtesten Orchester der Welt sind die, welche die besten zweiten Geiger haben – denn alle Orchester haben ausgezeichnete erste Geiger. Ohne die zweite Geige gibt es keine Harmonie.
Kurzgeschichten 5, Willi Hoffstürmer, Matthias Grünewald-Verlag

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Martina Gedeck, die in diesem Jahr als beste deutsche Schauspielerin mit der goldenen Kamera ausgezeichnet wurde, hat durch ihre Arbeit als Schauspielerin viel über das Leben gelernt, wie sie sagt:

Ich habe etwas sehr Wichtiges durch meine Rollen gelernt: Im Leben gibt es keine Sicherheiten. Die Rollen, die mich am meisten und längsten beschäftigt haben, waren die, die sich in innere Abgründe vorgewagt haben, bis in die existentielle Bedrohung hinein. […] Menschen, die existentiell an die Kante rutschen, die ihr gesamtes Dasein aufs Spiel setzen und die Sicherheit einfach über Bord werfen. … So absurd es klingt: Mich hat das Wissen um die Tatsache, dass es keine Sicherheit im Leben gibt, dem Leben gegenüber geöffnet.  

Galore Interviews, E-Paperausgabe, Nummer 4, Mai 2015

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Liebe ist nicht nur ein schönes Gefühl, wer liebt, brennt immer auch für eine gerechtere Welt, meint die Theologin Dorothee Sölle:

Die Liebe lässt sich nicht von der Gerechtigkeit trennen […]
Liebe ist kein Schlaraffenland, kein Schlupfwinkel, keine Insel zu zweit. Die wirkliche Liebe ist auf die Welt bezogen. Ich erinnere mich an einen Satz, der aus den 68ern stammt: The more I make love the more I want zu make the revolution. Um so mehr ich liebe, um so mehr will ich eine andere Welt als die, in der wir leben. Diese ungeteilte Liebe zum Leben brauchen wir in allen unseren Zeiten.

Dorothee Sölle/Fulberth Steffensky, Löse die Fesseln der Ungerechtigkeit, Predigten, Kreuz-Verlag

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Aufenthaltserlaubnis oder Staatbürgerschaft. Bei manchen Menschen entscheidet sich darüber ihr Schicksal. Die Moderatorin Shary Reeves, die kenianische Wurzeln hat, mein dazu:

Man sagt, Heimat ist da, wo man sich aufgehoben und verstanden fühlt … Für unsere Kinder oder vielleicht erst für deren Kinder wird man hoffentlich eines Tages in einem Europa ohne Nationalstaaten  keine dieser verunglückten Bezeichnungen wie Aufenthaltserlaubnis oder Staatsbürgerschaft, mehr verwenden. Bis dahin werde ich hoffen, träumen und beten, dass sich Vorurteile in Luft auflösen und dass ein Miteinander so selbstverständlich wird wie das Amen in der Kirche. Im Kopf bin ich deutsch, im Herzen noch in Afrika.

Shary Reeves: Ich bin nicht farbig, Orell Füssli-Verlag, 2014

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Schule kann einem, der lernen will, viele Probleme machen. Aber sie kann auch viele Probleme löse, meint rückblickend die Moderatorin Shary Reeves:

Auch wenn für mich Schule immer nur Druck bedeutet hat, habe ich früh verstanden, dass man nie wieder so viel Freizeit haben wird und dass man nur diese eine Chance im Leben hat.
Ein Auto kann man so lange besitzen, bis die Bank sich wegen der Kreditzahlungen meldet und einen vor die Tür setzt. Bildung gehört einem für immer und ewig. Die kann uns niemand wegnehmen. 

Shary Reeves: Ich bin nicht farbig, Orell Füssli-Verlag

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Pfingsten gilt als eine Art Geburtstag der Kirche, oder der „Gemeinschaft der Heiligen“. Aber sind Heilige was Besseres als Normalos? Nein, meint der Theologe Thomas Erne:

Die Heiligen haben …ihre Fehler und Schwächen wie alle anderen auch. … Heilig ist ein Mensch, der Fehler macht, wie du und ich, aber zu seinen Fehlern stehen kann. Weil Gott zu ihm steht, so wie er ist. …
Es ist sehr anstrengend, meine Fehler dauernd zu verbergen. In einer Gemeinschaft, wo jeder zu seine Stärken und Schwächen stehen kann, wäre das nicht nötig. Da könnte ich viel lockerer sein und barmherziger.“

Thomas Erne: Wo geht es bitte zum Leben, Gabriel-Verlag

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An Pfingsten sollen die Jünger Jesu so gesprochen haben, dass sie in fremden Sprachen sprechen konnten. Die Theologin Martina Steinkühler erzählt das so:

„Dann sehen sie sich staunend an: Bist du nicht Meder? Ich aus Galiläa! Und hab dich doch verstanden! Bin ich nicht Grieche, fern aus Kreta? Und habe es doch gehört, als die Männer riefen: Er ist auferstanden! Jesus Christus. Hört doch, wir verstehen uns wieder. […]
Aus lauter Freude liegen [sie sich] in den Armen. So muss es einst gewesen sein, bevor die Menschen auseinander liefen. Damals, in Babylon, als sie der Turm nicht ruhen ließ. Jetzt ist es wieder gut. Die Zeit des Irrens ist vorbei. Das Leben hat uns wieder.“

Martina Steinkühler: Die Bibel spricht, Worte des Lebens zum Lesen und Hören. Vandenhoeck & Ruprecht

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