Manuskripte

SWR3 Worte

Ich muss nicht die kümmerliche Reproduktion eines noch so vollendeten Typs sein. Ich muss mich so heiligen, wie es mein Wesen, mein Charakter, meine verschiedenen Lebensbedingungen verlangen. Gott braucht keine Kopien, sondern Originale.

 

Papst Johannes XXIII., zit. aus: Pierre Stutz, Gelassen sein

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Nehmet einander an das ist so schwer wie es leicht gesagt ist

Und eigentlich wollte ich eine ganz andere Predigt halten

Vielleicht eine sanftere, eine zärtlichere, eine leisere, ja eine fröhlichere,

denn es ist wieder mal die Zeit gekommen, wo man das sagen muss,

was man schon tausendmal gesagt hat oder wie heißt das neue Wort „thematisiert“ hat,

nämlich das zu werden und zu sein, was wir eigentlich sind: Gottes Kinder

 

Hanns Dieter Hüsch, Gottes Kinder, aus: ders., Ein gütiges Machtwort. Alle meine Predigten, 

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Sobald 15 Grad erreicht sind, die Wolken sich verziehen und München leuchtet, sitzen alle beisammen: Italiener, Japaner, Amerikaner, Chinesen, Russen, Bayern und Preußen. Die Ökumene im Haus der Welt ist längst verwirklicht unter weißblauem Himmelszelt, in den Biergärten und Cafes … Auf dem Marienplatz strahlt die Madonna auf ihrer Säule in glänzendstem Gold hoch erhaben über Katholiken und Protestanten, Muslime und Buddhisten, Hindus und Gar-nichts-Glaubende. …  Das Paradies ist längst im Diesseits angekommen, zumindest für die Dauer einer Brotzeit mit Hendl oder Schweinswürstl und einer Maß.

 

Johannes Röser, Allein die Reformation?, in: „Christ in der Gegenwart“ Heft 18 (2015),

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Ich will Abitur machen und Elektroingenieur werden, etwas aus meinem Leben machen. Aber wahrscheinlich kann ich die Schule nicht beenden. Nächstes Jahr läuft meine Aufenthaltsgenehmigung aus, und ich werde 21. Dann muss ich aus dem Heim und darf auch nicht auf der Schule bleiben …

Ich spreche drei afrikanische Sprachen, ein bisschen Arabisch, Englisch und Italienisch.

Am liebsten gehe ich zur Schule. Jetzt wache jeden Morgen auf und zerbreche mir den Kopf, was aus mir werden soll, wenn ich nicht weiter lernen kann und aus dem Heim muss - ohne Papiere. Wo soll ich denn hin? 

Der ghanaische Flüchtling Yahya, der in Sizilien gestrandet ist, aus: Andrea Bachstein, „Ich saß drei Tage neben einem Toten“, in: SZ.de vom 01.5.2015

 

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Ich wünsche mir, dass wir die Welt nicht nur den Realisten überlassen, die stets vernünftig sind, die immer richtig funktionieren und sich durch nichts begeistern lassen. Wir brauchen für unsere Welt auch die Träumer und die Kinder, die Clowns und die Versager, die Tänzer und Sänger und Lebenskünstler.

 Rainer Haak, Champagner für die Seele, Herder: Freiburg 2013

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Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand mich liebt und mein Leben mit mir teilt. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine gute Freundin mir wunderschöne Briefe schreibt. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Nachbar Pakete für mich annimmt, wenn ich nicht zu Hause bin. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Straßenmusiker mich mit ihrer Musik erfreuen. Und darum ist es so wichtig, dass ich ab und zu einmal sage: „Gut, dass es dich gibt!“ 

Rainer Haak, Champagner für die Seele, Herder: Freiburg 2013

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Leben kann ich nur an einem einzigen Tag – heute. Und immer wieder heute. Ich kann nicht gestern leben und auch nicht übermorgen. Ich kann nicht in der Erinnerung leben und erst recht nicht irgendwann. Ich kann nur in diesem Augenblick leben, sonst befinde ich mich auf der Flucht vor dem Leben. 

Rainer Haak, Champagner für die Seele, Herder: Freiburg 2013

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