Manuskripte

SWR3 Worte

Inzwischen glaube ich nicht mehr an einen strafenden Gott und auch an sonst keine Strafinstanz. Vielmehr finde ich, dass alles Göttliche zutiefst menschlich ist.

Ich glaube aber an eine Intelligenz. Wenn ich mir die ganze Schöpfung so angucke und all die komplizierten Vorgänge, die trotzdem so stimmig sind, muss es eine gewisse Ordnung gegeben haben, damit sich alles entwickeln konnte.

Lilo Wanders, bürgerlich Ernst-Johann Reinhardt, hat lange eine Sendung namens „Wa(h)re Liebe“ moderiert. (Hier bekennt er sich öffentlich zu seinem Glauben an einen Gott.)

(in: „Glaubensbekenntnis. Lilo Wanders“ – Süddeutsche Zeitung vom 6. April 2015, S. 53 – Protokoll Julia Rothhaas)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19714

Wenn wir uns erinnern, wie rassisch, religiös und politisch Verfolgte, die vom sicheren Tod bedroht waren, oft vor geschlossenen Grenzen anderer Staaten standen, werden wir vor denen, die heute wirklich verfolgt sind und bei uns Schutz suchen, die Tür nicht verschließen…

Die Menschen in Deutschland wollen gemeinsam einen Frieden, der Gerechtigkeit und Menschenrecht für alle Völker einschließt, auch für das unsrige.

Nicht ein Europa der Mauern kann sich über Grenzen hinweg versöhnen, sondern ein Kontinent, der seinen Grenzen das Trennende nimmt. Gerade daran mahnt uns das Ende des Zweiten Weltkrieges.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 -
(das vor dreißig Jahren Gesagte fordert noch heute heraus.  )

(in: www.bundespräsident.de - Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19713

Wir haben das Schweben verlernt,
weh uns,
wir kleben am Weg.

Vom Leuchten der Sterne entfernt,
die Flügel gesenkt und träg.

So trotten die Füße ergeben.

Ach, Liebster, bevor es zu spät,
Versuchen wir’s, uns zu erheben.

Die Dichterin Mascha Kaléko für ihren Mann Chemjo
zu Pessach 1944 (in wirklich schwieriger Zeit, die ein Jahr später enden sollte – morgen vor siebzig Jahren.
„Versuchen wir, uns zu erheben“ erinnert zugleich daran, dass jeder Mensch auch ein Engel ist)…

(zitiert) muss ich noch finden…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19712

Obwohl die Kirche in meinem Leben keine Rolle spielt, bin ich einer (Kirche) bis heute besonders dankbar. Wir waren vor vielen Jahren im Urlaub, da waren unsere drei Kinder plötzlich weg. Wir entdeckten sie in der kleinen Dorfkirche und haben uns köstlich amüsiert: Sie knieten vor dem Altar. Nicht um des Glaubens willen, sondern, weil sie gerade eine Filmszene nachspielten.

Lilo Wanders, bürgerlich Ernst-Johann Reinhardt, hat lange eine Sendung namens „Wa(h)re Liebe“ moderiert. Hier bekennt er sich öffentlich zu seinem unklaren Verhältnis zur Kirche; was offen bleibt: Ob die Kinder nicht gerade ihren eigenen Glauben entdeckt haben, da in der Dorfkirche…?

(in: „Glaubensbekenntnis. Lilo Wanders“ – Süddeutsche Zeitung vom 6. April 2015, S. 53 – Protokoll Julia Rothhaas)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19711

Till Eulenspiegel wanderte mit seinem Bündel … zu Fuß zur nächsten Stadt. Da überholte ihn eine recht schnell fahrende Kutsche. Der Kutscher hatte es wohl sehr eilig. Er rief: „Wie weit ist es bis zur nächsten Stadt?“

„Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde – wenn ihr schnell fahrt, einen halben Tag“, antwortete Till Eulenspiegel.

„Du Narr!“, schimpfte der Kutscher und schwang die Peitsche.

Till Eulenspiegel ging seines Weges. Die Straße hatte viele Schlaglöcher. Eine Stunde später fand Till die Kutsche; sie lag im Straßengraben. Die Vorderachse war gebrochen und der Kutscher fluchend beschäftigt, sie zu reparieren. Er blickte Till vorwurfsvoll an, und der merkte nur an: „Ich sagte euch doch: Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde…“

Lothar Seiwert: Du hast die Wahl – 30 Minuten oder ein halber Tag…

 

(in: Wenn du es eilig hast, gehe langsam: mehr Zeit in einer beschleunigten Welt -  von Lothar Seiwert, campus Frankfurt 2005 – S. 177)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19710

 Es war einmal ein Suchender. Er suchte nach einer Lösung für in schwieriges Problem, konnte sie aber nicht finden. Er wurde immer verzweifelter, verbissener und hektischer. Doch eine Lösung fand er nicht.

Die Lösung ihrerseits war schon ganz außer Atem, denn es gelang ihr nicht, den Suchenden einzuholen – kein Wunder, bei dem Tempo, mit dem er hin und her raste, ohne auch nur einmal innezuhalten.

Eines Tages dann bricht der Suchende völlig erschöpft zusammen, setzt sich auf einen Stein, legt den Kopf in die Hände und ist verzweifelt.
Die Lösung, die nicht mehr damit gerechnet hatte, dass der Suchende jemals anhalten würde, fällt fast über ihn.

Der Suchende fängt sie auf
und entdeckt erstaunt, dass er die Lösung seines Problems in seinen Händen hält.

Lothar J. Seiwert: Wenn du es eilig hast, gehe langsam

(in: Wenn du es eilig hast, gehe langsam: mehr Zeit in einer beschleunigten Welt -  von Lothar Seiwert, campus Frankfurt 2005 – S. 177)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19709

„Ich erinnere mich noch, wie (Simon) gesagt hat, der Selbsthass ist ein Hass, der jeden Morgen neue Nahrung findet, wenn man in den Spiegel schaut.“

„Du hast (deinen Mann) gerettet, nicht wahr?“ (vermutet Kari.)

(Else erwidert:) Er hat mich seinen Engel genannt. Aber es war nicht meine Liebe zu ihm, die ihn gerettet hat. Egal was all die klugen Menschen sagen, ich glaube nicht daran, dass auch nur ein Mensch dadurch gerettet wird, dass man ihn liebt. Es war Simons Liebe zu mir, die ihm geholfen hat. Er hat sich selbst gerettet.“

(Kari:) „Weil er deine Liebe erwidert hat.“

„Amen.“, schloss Else.

Jo Nesbø – ein Krimi-Autor erzählt uns über die rettende Macht der Liebe.

(in: Jo Nesbø: Der Sohn. Kriminalroman, Ullstein Berlin 20142, S. 519f)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19708