Manuskripte

SWR3 Worte

Die Japanerin Toki Miyaschina hat ein Gebet geschrieben. Darin wird deutlich, dass sie ein beneidenswertes und unerschütterliches Gottvertrauen hat. Es klingt so: 

Der Herr gibt mir für meine Arbeit das Tempo an. Ich brauche nicht zu hetzen. Er gibt mir immer wieder einen Augenblick der Stille, eine Atempause, in der ich zu mir komme. Er stellt mir Bilder vor die Seele, die mich sammeln und mir Gelassenheit geben. Oft lässt Er mir mühelos etwas gelingen, und es überrascht mich selbst, wie zuversichtlich ich sein kann.

Ich merke: Wenn man sich diesem HERRN vertraut, bleibt das Herz ruhig. Er ist in jeder Stunde da, und in allen Dingen, und so verliert alles andere sein bedrohliches Gesicht.

Oft – mitten im Gedränge, gibt ER mir ein Erlebnis, das Mut macht. (…). Ich spüre, wie meine Kraft dabei wächst, wie ausgeglichen ich werde und mir mein Tagwerk gelingt (…).

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Im Buch „sonntags“ habe ich eine gute Idee gefunden, wie mein Leben schöner werden kann. Der Autor macht folgenden Vorschlag: 

Nimm dir ein Buch. Eines mit leeren Seiten. Setz dich an einen stillen Ort. Erinnere dich.Sonntag. Montag. Dienstag. Mittwoch.Donnerstag. Freitag. Sonnabend. Wofür bist du dankbar?Schreib es auf. Schlag das Buch erst zu, wenn fünf Dinge auf deiner Seite stehen. Schreib. Jede Woche, ein Jahr. Dein Leben ist schön.

 

 

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Das Glück ist manchmal näher, als wir denken. Eine Geschichte darüber, wo wir nach dem Glück suchen könnten: 

Es waren einmal zwei Mönche, die lasen in einem alten Buch, am Ende der Welt gäbe es einen Ort, an dem Himmel und Erde sich berührten. Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht eher umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert. Sie begegneten allen Versuchungen, die einen Menschen von seinem Ziel abbringen können.

Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schließlich fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Tür. Bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete. Und als sie eintraten, standen sie zu Hause in ihrer Klosterzelle.

Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf der Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat. 

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Aus einem Gebet des Theologen Jörg Zink:

 (Herr), (…) Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr und für jeden Morgen, den ich sehe. Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben. Ich bitte dich aber um viel Gelassenheit, jede Stunde zu füllen. 

Ich bitte dich, dass ich ein wenig dieser Zeit Freihalten darf von Befehl und Pflicht, ein wenig für Stille, ein wenig für das Spiel, ein wenig für die Menschen am Rand meines Lebens, die einen Tröster brauchen. 

Ich bitte dich um Sorgfalt, dass ich meine Zeit nicht töte, nicht vertreibe, nicht verderbe. Jede Stunde ist ein Streifen Land, ich möchte ihn aufreißen mit dem Pflug, ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche, damit Frucht wächst. 

Segne du meine Zeit. 

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Wer die Dinge laufen lässt, dem laufen die Dinge am Ende wirklich aus dem Ruder.

Sünde nennt beim Namen. Fast täglich lesen und hören wir, dass niemand die Verantwortung übernimmt bei tragischen Unglücksfällen und großen Krisen. Verantwortung beginnt aber dort, wo wir mit unserem Namen einstehen. Wer als Sünder oder Sünderin Verantwortung übernimmt, der muss sich nicht vor Scham verstecken.

 

Michael Felder, Erdbeeren im Januar, in: „Bibel heute“ Heft 1 (2011), Verlag Kath. Bibelwerk, Stuttgart, S. 6

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Für den amerikanischen Autor Ken Wilber hat die Gegenwart eine besondere Bedeutung. Für ihn hat alles was war und was sein wird ganz viel mit dem Jetzt zu tun. Er schreibt: 

Als die wirkliche Vergangenheit sich ereignete, war sie nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart, und wenn die wirkliche Zukunft da ist, wird sie nicht Zukunft sein, sondern Gegenwart. Die einzige Zeit, deren wir jemals gewahr sein können, ist dieser gegenwärtige Augenblick mit seinen Erinnerungen und Erwartungen.

Ein Text von Ken Wilber.

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Die Sehnsucht des Menschen zu beten ist Jahrhunderte alt. Die Frage danach, wie es richtig geht genauso. Ein Text über das Beten ist für mich selbst fast zum Gebet geworden. Es stammt vom dänischen Theologen und Denker Sören Kierkegaard. Er sagt: 

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, daß Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört. 

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