Manuskripte

SWR3 Worte

Er war die Leitfigur der 68er Bewegung und ist an den Folgen eines Attentats gestorben. Rudi Dutschke. Heute wäre er 75 Jahre alt geworden. Seine Frau Gretchen schreibt über ihn:

Als ich Rudi kennenlernte, war er gläubiger Christ. […] Manche lachten hinter seinem Rücken über ihn, hielten ihn [deswegen] für naiv. Rudis Christentum war keineswegs naiv, es war auch nicht konservativ oder fundamentalistisch. Die Botschaft der Liebe, an die Rudi glaubte, war nicht beschränkt auf das Christentum. […]Einige der jungen deutschen Rebellen hielten Liebe für altmodisch, bürgerlich, für eine Idee, die sie an eine verkommene Moral ketten sollte. Aber ohne die nur vordergründige naive Liebe zur Menschlichkeit bleib eine Leere. Wie sollte die Solidarität entstehen, die die Menschen im Kampf für eine bessere Welt vereinte?

Rudi Dutschke, Jeder hat sein Leben ganz zu leben, Die Tagebücher 1963-1979. H.v. Gretchen Dutschke, Kiepenheuer & Witsch

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Jedes Jahr am ersten Freitag im März treffen sich Frauen und Männer zum Weltgebetstag. In diesem Jahr haben Frauen von den Bahamas dafür folgende Geschichte ausgesucht:

Nachdem Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, zog er sein Obergewand wieder an und kehrte an seinen Platz am Tisch zurück. »Versteht ihr, was ich eben getan habe, als ich euch die Füße wusch?«, fragte er sie.
Die Frauen von den Bahamas schreiben dazu:

Niemals hätte ein freier Mann einem anderen die Füße gewaschen. Indem Jesus aber seinen Jüngern die Füße wäscht, setzt er ein Zeichen gegen diese Hierarchie. Er fordert uns auf, ihm darin nachzufolgen: Wir sollen nicht übereinander herrschen, sondern einander in radikaler Liebe dienen.

Aus dem Faltblatt zum Weltgebetstag 2015, Hg. V. Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.

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Wer war Jesus? Karin aus der 4. Klasse sollte am Ende des Unterrichts ein Blatt gestalten wer Jesus für sie sei und sie schreibt:

Ich glaube, dass Jesus unsterblich ist, weil der Geist weiterlebt.
Ich denke, dass Jesus von Anfang an Gottes Sohn war. Ich denke, dass Jesus beides war [Gott und Mensch], weil er gelebt hat wie ein Mensch und geheilt hat wie ein Gott.
Mir ist wichtig, dass er Menschen geheilt hat.

Aus: Petra Freudenberger-Lötz, Theologische Gespräche mit Jugendlichen, Kösel-Verlag

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Man denkt, es sei schon eine freie Meinungsäußerung, wenn man irgendetwas meint. Im Internet führt das dann sehr oft dazu, dass eine Horde von Menschen überwiegend beleidigende Kommentare abgibt. […]

Doch warum sollte etwas Undurchdachtes, warum sollte etwas Blödes, das ich sage, frei sein? Das ist es eben nicht. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Wahrheit und Freiheit. Bereits im Neuen Testament wird darauf verwiesen: Die Wahrheit macht euch frei.
Die Wahrheit ist der Wert, an den eine Meinung gebunden sein muss. Und selbständige Gedankenarbeit ist die Voraussetzung, um Wahrheit erkennen zu können.

Sagt: Markus Gabriel, der jüngste Philosophieprofessor Deutschlands

Galore Magazin, Ausgabe 4 2015. Interview mit Markus Gabriel.

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Vandana Shiva Trägerin des alternativen Nobelpreises aus Indien meint: Nicht nur Frauen, auch Männer selbst  sind Opfer ihres eigenen Machtsystems.

Es ist so ähnlich wie in der Wissenschaft: Früher ging es um Wissen. Jede Frau im Dorf, auch die Großmutter, die nicht zur Schule ging, hatte viel Wissen. Heute ist Wissenschaft als maskulines Projekt definiert, es ist das Wissen, das in Büchern gelesen wird. Nur mächtige Männer haben Wissen, sie nehmen es dabei allen anderen weg. Das gleiche sieht man im Wachstum: Alles hängt vom Bruttoinlandsprodukt ab. Eine Frau, die hart zuhause arbeitet, sich ums Kind und den Haushalt kümmert, zählt wirtschaftlich nichts. Die wichtigste Arbeit in einer Gesellschaft zählt damit nichts. […] Ich sehe, dass die Welt von Gewalt und Gier geprägt ist. Wir brauchen aber mehr Fürsorge und Mitgefühl.

Galore Magazin, Ausgabe 3 2014. Interview mit Vandana Shiva.

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Auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen finden Sie immer wieder Artikel, in denen Solidarität und Nächstenliebe lächerlich gemacht werden, mit dem Tenor: Was soll der Quatsch in dieser modernen Zeit? Doch Nächstenliebe ist keine Gefühlsduselei, sondern die knallharte Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind. Das ist die Basis jeder Zivilisation. Aber dieser Grundsatz wird heute abgelöst durch eine andere Aussage, die sich durch die Wissenschaft und Politik zieht: Jeder sorgt für sich selbst… Also müsst ihr einen Kapitalstock bilden. Aber niemand spricht von denen, die das nicht können, von der Verkäuferin, dem Busfahrer, der Arzthelferin. Wenn jemand alt, krank, behindert, pflegebedürftig ist, muss das solidarisch abgesichert werden.

Meint Heiner Geißler. Heute wird er 85 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch!

Galore Magazin, Best of 2003-2014. Dialog GmbH

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Als Christ starte ich mit zwei unbewiesenen Axiomen: Erstens: Es gibt einen Gott. Zweitens: Ich bin es nicht (und Sie sind es auch nicht).
Zusammen enthalten diese beiden Axiome die Grundlage meines Glaubens: Dass einige meiner festesten Überzeugungen Fehler enthalten. Wir sind, von Staub zu Staub, endlich und fehlbar. Wir haben Würde, aber keine Göttlichkeit. Und deshalb glaube ich, dass wir alle unsere Überzeugungen mit Vorsicht betrachten sollten (außer dieses hier); dass wir uns fremden Ideen mit offenen Geist und einer Portion Skepsis nähern sollten und dass wir versuchen sollten, der Wahrheit durch Beobachtung und Experiment näher zu kommen

David Myer, Professor für Psychologie

Aus: Petra Freudenberger-Lötz, Theologische Gespräche mit Jugendlichen, Kösel-Verlag

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