Manuskripte

SWR3 Worte

Hier ein Segen für schwierige Zeiten, verfasst von der Autorin und Theologin Antje Sabine Naegeli. 

Gesegnet deine Trauer, dass du nicht erstarrst vor Schmerz,
sondern Abschied nehmen und dich behutsam lösen kannst
ohne dich verloren zu geben.
Gesegnet deine Klage, dass du nicht verstummst vor Entsetzen,
sondern herausschreien kannst, was über deine Kraft geht und dir das Herz zerreißt.
Gesegnet deine Wut,
dass die Entmutigung dich nicht überwältige, sondern die Kraft in dir wachse,
für dich zu kämpfen, trotzdem dein Leben zu wagen.
Gesegnet du, dass du Unsicherheit aushalten
und Ängste bestehen kannst, bis du wieder festen Grund spürst
unter deinen Füßen
Und ein neuer Tag dir sein Licht schenkt.

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Aliza ist zwölf und jüdisch. Für eine Zeitung hat sie zusammengefasst, wie es sich für sie anfühlt, eine Jüdin zu sein: 

Der Gott, an den wir Juden glauben, ist alles und in jedem. Seinen Namen sprechen wir aus Ehrfurcht nicht aus. (…)

Unser Gott ist sehr gütig, aber auch streng. Er hat ein großes Buch, in dem er alle guten und schlechten Tage der Menschen vermerkt. (…) Unsere Religion ist sehr alt, darauf bin ich stolz. Jüdin zu sein ist etwas besonderes, denn es gibt nicht so viele Juden auf der Welt. Viele, viele Juden wurden wegen ihres Glaubens umgebracht. Wenn ich in der Synagoge (…) bin und daran denke, kann ich das oft gar nicht fassen. Das Traurige, gehört für mich immer zu meiner Religion. 

Die zwölfjährige Aliza über ihren jüdischen Glauben

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Warum liebt man gerade den Menschen, den man liebt? Klaus Hoffmann hat darüber ein Lied geschrieben. Es heißt: „Weil du nicht bist wie alle andern“. Darin begründet er seine Liebe so: 

Weil du nicht bist, wie alle andern,
weil man dich niemals kaufen kann,
weil mit dir tausend Sterne wandeln,
weil du auch Wölfin bist und Lamm.

Weil du noch Mut hast um zu träumen,
weil in dir Schmetterlinge sind,
und weil du Zeit hast, dich an Bäumen
halbtot zu freuen, wie ein Kind. 

Weil du noch in dir suchst und zweifelst,
auch wenn du dich dabei verlierst,
und deine Grenzen überschreitest
und weil du Recht hast, wenn du irrst. 

Weil du nicht bist, wie alle andern,
auch wenn du ausgehst wie das Licht,
und mit dir tausend Sterne wandern,
weil es dich gibt, liebe ich dich.

 

 

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 Aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende: 

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach nur zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Momo konnte so zuhören, dass ratlose und unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. (…) So konnte Momo zuhören!

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 Der Jesuitenpater Anthony de Mello erzählt folgende Geschichte: 

Meine Freunde sagten seit Jahren zu mir, ich solle mich ändern. Meine Frau nickte dazu. Jeder sagte mir immer wieder, ich solle mich ändern. Ich pflichtete ihnen bei, und ich wollte mich auch ändern, aber ich brachte es nicht fertig, so sehr ich mich auch bemühte. Dann sagte eines Tages meine Frau zu mir: „Ändere dich nicht! Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht so wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal.“

Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren. „Ändere dich nicht… ich liebe dich!“ Und ich entspannte mich und wurde lebendig, und Wunder über Wunder, ich änderte mich! Jetzt weiß ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemanden fand, der mich liebte, egal, ob ich mich nun änderte oder nicht.“

 Eine Geschichte von Anthony de Mello

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Die zehn Gebote in einem Gedicht von Andreas Knapp:

I) nur Du bist Du

II) achte den namen er sagt nicht etwas sondern jemanden

III) schenke dem anderen und dir einen tag gratis

IV) wie sollte man jenen nicht danken denen man das leben verdankt

V) töte nicht du kannst nichts wieder lebendig machen

VI) was menschen sich versprochen haben ist heiliger boden

VII) wenn du von nichts besessen wirst musst du nichts gewaltsam an dich reißen

VIII) bleibe bei der wahrheit du wirst anderen und dir selbst ein wahrer freund

IX) die liebe der anderen zu achten macht dich selber liebenswert

X) schiele nicht auf die nachbarn im blick auf das deine werde zu frieden

„Zehn Gebote“ von Andreas Knapp

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„Einfach die Welt verändern“ – so heißt ein Buch mit ungewöhnlichen Tipps zum Welt-Verbessern. Einer der Autoren erzählt darin folgende Begebenheit:

Ein Freund von mir erinnert sich noch heute, wie er seinen Vater sah, der die Hand seines Großvaters küsste, als der im Koma lag. Kurz bevor er starb. (...) Es war das einzige Mal (…).

Und die einzige Umarmung mit seinem Vater? Als seine Schwester starb. Nicht, dass sie sich nicht nahe standen. Sie waren nur erwachsen, waren Männer. Erst der Tod konnte diese Regel brechen. Aber Kinder wissen nichts von Regeln. Sie umarmen und wollen umarmt werden. Wenn es also einen Rat gibt (…), hier ist er:

Berühre jemanden, den du lieb hast. Umarme ihn. Drücke sie. Küsse ihn. Es ist pure Magie. Und sie gehört uns. Tag für Tag.

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