Manuskripte

SWR3 Worte

Joachim Gauck war Pfarrer. Aber auch als Bundespräsident ist immer noch Seelsorger. Zu seinem 75. Geburtstag heute- Worte aus seiner letzten Weihnachtsansprache.

Ängste ernst zu nehmen, heißt nicht, ihnen zu folgen….
Die Botschaft [der Engel]"Fürchtet euch nicht!" dürfen wir auch als Aufforderung verstehen, unseren Werten, unseren Kräften und übrigens auch unserer Demokratie zu vertrauen. …
Ich denke an die vielen, die sich auch heute in der Nachbarschaft, im Krankenhaus oder im Heim um Mitmenschen kümmern.
Ich denke auch an …die vielen Entwicklungshelferinnen, an Soldaten, an Ärztinnen – an alle, die aus dieser Welt und aus unserem Land einen besseren Ort machen.
Wir alle können einen Beitrag leisten, damit der Wärmestrom lebendig bleibt, ohne den die Welt kalt und friedlos wäre.

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2014/12/141225-Weihnachtsansprache-2014.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19070

Welche Lehre haben wir zu ziehen aus islamistischen Attentaten und Pegidademonstrationen in unserem Land? Der iranisch- deutsche Schriftsteller Navid Kermani meint:

Man sieht ja …in allen Teilen der Welt, dass Extremismus, …Fundamentalismus, Nationalismus gerade dort entsteht, wo man sich seiner selbst nicht mehr gewiss ist, wo eine Tradition abgebrochen ist…..
Wer sich seiner selbst gewiss ist, wer in seiner eigenen Tradition steht, der ist auch viel eher bereit, anderen Traditionen offen und respektvoll gegenüberzustehen…
Wenn man sein Christentum kennt oder sein Judentum oder den Islam, wenn man in dieser Tradition der Barmherzigkeit groß geworden ist, der Nächstenliebe,
dann wird man schon erst recht einem hoffenden Flüchtling und schwachen ..und hilfsbedürftigen Menschen einen Platz anbieten, anstatt ihn zu beschimpfen.

http://www.deutschlandfunk.de/anti-pegida-demonstrationen-ein-extrem-starkes-symbol.691.de.html?dram%3Aarticle_id=307989

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19069

Eine Anleitung zum Glück- von Jörg Zink:

Verzichte darauf, immer siegen zu wollen,
das ist der Weg zum Frieden.
Scheue dich nicht, dann und wann den Kürzeren zu ziehen.
Das ist der Weg zur Gerechtigkeit.
Lass dir dann und wann etwas entgehen.
Das ist der Weg zur Rettung der Erde.
Sorge nicht immer nur für dich selbst.
Das ist der Weg zum Glück.

Setze dein Leben für etwas Lohnendes ein
Das dir keinen Lohn verspricht.
Das ist der Weg zur Erfüllung.

Beuge dich nicht dem Zwang, dich allzu sehr zu sichern.
Dann wird dir die Zukunft nicht verbaut sein.
Sondern offen und begehbar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19068

Im Namen Gottes darf nicht getötet werden.
Bibel, Thora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.
Wir verurteilen jede Form von Gewalt im Namen der Religionen.
Wir kämpfen für Toleranz gegenüber Andersgläubigen, auch gegenüber denen, die unseren Glauben an Gott nicht teilen.
Hass ist keine Antwort auf Hass und Intoleranz keine Antwort auf Intoleranz. Nur gemeinsam können wir unsere Werte und unseren Glauben gegen radikalisierte Minderheiten schützen.
Christen, Juden und Moslems vereint der Glaube an die Nächstenliebe, an die Verantwortung vor Gott und an die Verständigung zwischen allen Menschen. Wir werden nicht zulassen, dass Fanatismus, Gewalt und Terror diese Werte zerstören.

Gemeinsame Erklärung der Vertreter der Christen, Juden und Muslime in Deutschland nach den Attentaten von Paris am 7. Januar.

http://www.bild.de/politik/ausland/religionen/gemeinsames-manifest-gegen-terror-39254996.bild.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19067

Der iranischstämmige Schriftsteller Navid Kermani hat in diesem Jahr vor dem deutschen Bundestag eine viel beachtete Rede gehalten. Darin sagt er:

[Das] ist das Deutschland, das ich liebe, nicht das großsprecherische, nicht das kraftmeiernde, nicht das „Stolz-ein-Deutscher-zu-sein“ und „Europa-spricht-endlich-deutsch“ Deutschland,
vielmehr eine Nation, die über ihre Geschichte verzweifelt, die bis hin zur Selbstanklage mit sich ringt und hadert, zugleich am eigenen Versagen gereift ist,
die nie mehr den Prunk benötigt, ihre Verfassung bescheiden „Grundgesetz“ nennt und dem Fremden lieber eine Spur zu freundlich, zu arglos begegnet, als jemals wieder der Fremdenfeindlichkeit, der Überheblichkeit zu verfallen.

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2014/-/280688

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19066

Man fühlt sich so im Recht, wenn man grundlos angegriffen, beleidigt, verletzt worden ist. Man möchte die Schuldigen gern spüren lassen, wie sich das anfühlt, was sie getan haben.
Der Apostel Paulus rät zu einer anderen Haltung. Er meint:

Haltet euch selbst nicht für klug. Vergeltet nicht Böses mit Bösem…rächt euch nicht selber, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: die Rache ist mein, spricht Gott, ich will vergelten. So nun dein Feind hungert, gib ihm zu essen. Hat er Durst, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du glühende Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde du das Böse mit Gutem.

Röm.12,17-21 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19065

Immer denken wir, das Wesentliche müsse durch unsere Hände gemacht werden, wenn etwas Entscheidendes in unserem Leben sich ereignen solle, müssten wir etwas tun.
Von früh bis spät sind wir bemüht, uns wichtig zu nehmen, immer angehalten von dem Glauben, … dass wir Wesentliches verpassen würden, täten wir dieses oder jenes nicht….
Aber wer eigentlich sind wir? Wie viel Schönheit wird überlagert durch all das, was wir glauben an Pflichten erledigen zu müssen!
Wie viel von der Zauberkraft unseres Herzens geht zugrunde an all dem …Platzbehaupten, Hinterherlaufen….
Wär es nicht möglich, es reifte das, was wir sind, in unserer Tiefe,
und wir könnten `s gar nicht erklügeln, nicht beschließen, es wäre nur einfach da?

Der Theologe Eugen Drewermann
Der andere Advent 2011/12, Andere Zeiten eV. Hamburg,  29.11.2011

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19064