Manuskripte

SWR3 Worte

Was ist wirklich wichtig im Leben?
Der Kabarettist und Schauspieler Gerhard Polt meint:

„Die Beschaulichkeit. Beschaulichkeit ist ein schönes Wort:
beschauen, etwas in Ruhe betrachten.
Wenn ich meiner Katze zuschaue, wie die Katze gerade gar nichts macht,
sondern einfach daliegt und mit den Augen blinzelt,
dann ist das schöne Beschaulichkeit.
Ganz anders ist das als diese unglaubliche Geschwätzigkeit heutzutage:
Die hat etwas mit der Angst zu tun, dem Nichts preisgegeben zu sein.
Meine innere Ruhe kann ich nicht beschreiben.
Darüber denke ich nicht nach.
Ich genieße meine Ruhe.
Ich bin beruhigt, dass ich sie habe.
Und ich habe auch nicht das Gefühl, dass mir die Ruhe ausgeht.
So einfach ist das.“

„Das war meine Rettung“, Gerhard Polt im Gespräch
mit Herlinde Koelbl; in: „Zeit“-Magazin Nr.40 vom 26.09.13,

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Musik tröstet, wenn man an Grenzen des Lebens stößt, meint Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter:

„Mich hat schon früh die Frage nach dem Sinn des Lebens umgetrieben.
Als kleines Kind war ich Spezialistin für Beerdigungsauftritte.
Ich weiß nicht, warum ich an derart vielen Beerdigungen gespielt habe – beispielsweise auch bei der Beerdigung meiner ersten Geigenlehrerin.
Da habe ich schlecht gespielt, woran ich noch mit Scham zurückdenke.
Dieses frühe Beschäftigen mit dem Tod hat dazu geführt,
dass da Risse aufkamen im Glauben an Gerechtigkeit oder Auferstehung.
Aber wie mit allen Dingen im Leben:
Je länger man sich damit auseinandersetzt, desto klarer sieht man.
Heute glaube ich tatsächlich daran, dass wir uns wiederfinden werden.
Die Musik war für mich nicht nur ein Trost für eigenen Schmerz,
sondern auch Sinnfindung für das Leben selbst.“

„Das war meine Rettung“, Anne-Sophie Mutter im Gespräch
mit Ijoma Mangold; in: „Zeit“-Magazin Nr.46 vom 07.11.13

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Hat Gott einen Plan für mein Leben?
Der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk ist davon überzeugt:

„Ich will hier nicht von einer göttlichen Fügung faseln,
die mich nun letztendlich ins Fernsehen geführt hat.
Aber ich glaube sehr wohl,
dass da oben einer mein Leben lenkt – oder begleitet.
Ich bin immer in jede Ecke gegangen, in die ich wollte –
manchmal auch in eine dunklere,
in die Gott mich sicherlich nicht geschickt hätte.
Aber auch da habe ich Gott nicht verloren.
Und ich habe auch nie den Eindruck gehabt,
dass Gott mich dort vergessen hätte.“

„Jesus war auch mal ein Zecher“, Thomas Gottschalk im Gespräch mit Markus Verbeet; in: Magazin „Der Spiegel“ Nr. 47/2011

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Die Filmregisseurin Margarethe von Trotta glaubt an Schutzengel:

„Wenn Menschen, die ich liebe, krank sind,
stelle ich in einer Kirche Kerzen auf
und bete für sie über das Kerzenlicht zu Gott.
Man sehnt sich ja nach jemandem, der einen beschützt –
gerade Kindern wünscht man einen Schutzengel an die Seite.
Ich glaube tatsächlich, dass es Schutzengel gibt.
Ich habe zu oft gemerkt, dass ich an etwas gehindert worden bin,
das mich absolut ins Unglück gestürzt hätte.“

„Fragen an das Leben“,
Margarethe von Trotta im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in:
Magazin „Chrismon“, Nr.9/2009

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Als „Heilige drei Könige“ ziehen heute Kinder von Haus zu Haus.
Den Königsweg für Erwachsene beschreibt der Theologe Kahl Rahner so:

„Viel kannst du nicht mitnehmen auf dem Weg deines Lebens.
Und manches geht dir auch unterwegs noch verloren.
Lass es ruhig los.
Denn das Gold der Liebe
und den Weihrauch der Sehnsucht
und die Myrrhe des Mitleids
hast du ja immer bei dir.
Und Gott wird sich darüber freuen.“

„Gottes Glanz“;
in: „Ach – das kleine Buch vom großen Staunen“,
hg.v. „Andere Zeiten e.V.“

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Auf dem Flohmarkt einkaufen ist ein bisschen wie Auferstehung,
meint der Künstler Christian Boltanski:

„Als ich jung war,
habe ich alle meine Kleidungsstücke auf dem Flohmarkt gekauft.
Für mich hatte das mit der Idee einer Auferstehung zu tun.
Man sieht all diese alten Kleider, die einmal jemandem gehörten,
der sie geliebt hat. Vielleicht ist dieser Mensch jetzt tot.
Oder wenn er nicht tot ist, mag er zumindest die Kleider nicht mehr.
Diese armen Kleider ohne Geschichte liegen da auf dem Boden.
Und dann sagt man ihnen: ´Ich liebe euch; ich nehme euch mit.`
Das ist meine Vorstellung von Auferstehung; Gott sagt zu mir:
´Ich liebe dich; ich nehme dich mit.`“

„Ich hätte lieber Krebs als einen Herzinfarkt“,
Christian Boltanski im Gespräch mit Tim Ackermann; in:
„Welt am Sonntag“ Nr.43, 27.10.13

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Der deutsche Reggae-Musiker Gentleman glaubt an Gott.
Und er erklärt das so:

„Wenn unser Potential aufblitzt, dann wird mir bewusst,
dass wir nun einen kleinen Teil dessen kennen, was in uns ist.
Natürlich habe ich Zweifel; ich hadere andauernd.
Ich muss mir ja nur die Nachrichten ansehen, dann frage ich mich: Warum?
Oder: Warum ist mein bester Freund so früh gestorben?
Ich war lange fest davon überzeugt, dass jeder das kriegt, was er verdient.
Mittlerweile sehe ich, dass das nicht stimmt.
Es gibt manche Fragen, auf die wir keine Antwort wissen müssen;
wir müssen nicht alles erklären können.
Das Wichtigste ist, weiterhin zu staunen – wie kleine Kinder.
Wenn wir das verlieren, dann verlieren wir unseren Glauben an Gott.“

„Ich weiß nicht, warum wir in allem immer einen Sinn sehen müssen“,
Der Musiker „Gentleman“ im Gespräch mit Dirk von Nayhauß; in:
Magazin „Chrismon“, Nr.2/2014

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