Manuskripte

SWR3 Worte

Eine kurze Geschichte von Sigmund Freud, die ganz gut in den Advent passt:

 

Ein Kind, das sich in der Dunkelheit ängstigte, hörte ich ins Nebenzimmer rufen: „Tante, sprich doch zu mir, ich fürchte mich.“  

„Aber was hast Du davon? Du siehst mich ja gar nicht.“

Darauf das Kind: „Wenn jemand spricht, wird es heller.“

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Ein paar Sachen, die glücklich machen können:

 

Lobe jeden Tag drei Personen;

erlebe wenigstens einmal im Jahr einen Sonnenaufgang;

sieh den Menschen in die Augen, wenn Du mit ihnen sprichst;

lerne  ein Musikinstrument spielen;

singe unter der Dusche;

gib weniger aus als du verdienst;

beherrsche drei gute Witze;

spende Blut;

behalte Dinge für Dich die Dir anvertraut wurden;

fahre häufiger mit dem Fahrrad und behalte die Namen Deiner Mitmenschen.

Überrasche Menschen die Du magst mit kleinen Geschenken;

akzeptiere immer eine Entschuldigung.

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Gleich zwei Götter waren bei den alten Griechen für die Zeit zuständig: Der Schöpfergott Chronos galt als Herrscher über die gleichmäßig dahinfließende, in Jahren Tagen und Sekunden messbare Zeit. Er wurde meist als geduldig wartender Riese mit majestätisch großen Flügeln dargestellt. Ganz anders sein Partner Kairos, der Gott des richtigen Augenblicks: Ein schmaler Jüngling mit Fußflügeln, in geradezu flüchtiger Bewegung, mit kahlem Hinterkopf und einer Haarlocke vor der Stirn. Daher kommt unsere Redensart, dass man ‚eine  günstige Gelegenheit beim Schopfe packen‘ muss. Wenn Du nur einen Moment zu lange mit Deiner Entscheidung wartest, hast Du Deine Chance vertan. Wer sein Leben nur in der Chronos-Zeit sieht, nur als Vergangenheit und Zukunft, der verpasst es. Was unser Leben erfüllt, ereignet sich im Kairos.

 

Die zwei Götter der Zeit - von Frank Hofmann

 

 

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Der langsame Engel 

Stoppuhren kann er nicht leiden,
Flugzeuge würde er meiden,
Rennfahrer tun ihm nur leid.
Leuten, die andere scheuchen,
drängeln und hetzen und keuchen,
schenkte er gern seine Zeit.

Er nimmt sich Zeit, den Schiffen zu winken,
Zeit, mit dem Strohhalm zu trinken,
Zeit, für den stotternden Mann.
Er nimmt sich Zeit, für die Wunder im Garten,
Zeit, um genüsslich zu warten auf die verspätete Bahn.

Nichts hasst er so, wie Gedrängel!
Er ist der langsamste Engel.
Trotzdem kann er viel erzählen.
Er, der Beschützer der Schnecken,
möchte die Eiligen necken,
und ihre Uhrn verstelln.
Träumern und Bummlern und Lahmen sagt er sein:
Ja! und sein: Amen!

Er nimmt sich Zeit, die Zeit zu verschwenden,
er liebt die lahmen Enten und jeden Schnellzug, der steht.
Er nimmt sich Zeit von der Brücke zu spucken
und lang noch hinterher zu gucken,
wohin die Reise wohl geht.
Er nimmt sich Zeit für die Wunder im Garten,
Zeit, um genüsslich zu warten auf die verspätete Bahn ...

 

Der langsame Engel von Gerhard Schöne

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Tue alles was Du tust ganz.

Liest Du, so lies ganz.

Bist Du bei einem Menschen so sei ganz für ihn da.

Isst Du so iss wie einer der damit beschenkt wird.

Sprichst Du mit jemandem so sei ganz da zum Reden und Hören.

Tue es so bei allem, bei der Arbeit und beim Schlaf, in der Freizeit und im Gebet.

So wirst Du mitten im Leben den Weg in die Tiefe finden.

 

Verfasser unbekannt

 

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Stell Dir vor, jeden Morgen stellt Dir eine Bank 86.400 Euro auf Deinem Konto zur Verfügung. Du kannst den gesamten Betrag an einem Tag ausgeben. Allerdings kannst Du nichts sparen, was Du nicht ausgegeben hast, verfällt. Aber jeden Morgen, wenn Du erwachst, eröffnet Dir die Bank ein neues Konto mit neuen 86.400 Euro für den kommenden Tag.

Außerdem kann Dir die Bank das Konto jederzeit ohne Vorwarnung schließen. Sie kann sagen: das Spiel ist aus. Was würdest Du tun?

Dieses Spiel ist Realität: Jeder von uns hat so eine magische Bank: die Zeit. Jeden Morgen bekommen wir 86.400 Sekunden Leben für den Tag geschenkt. Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, für immer verloren. Aber jeden Morgen beginnt sich das Konto neu zu füllen.

Was also machst Du mit Deinen täglichen 86.400 Sekunden?

 

Das Tagesgeschenk von Marc Levy

 

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Ich glaube an die Ruhe. Die Ruhe ist das Höchste, das Intensivste am Menschen. Aus der Ruhe kommt alles. Die Ruhe ist dramatisch. Die Ruhe will aktiv werden. Die Ruhe strahlt. Das sagt man ja: Er strahlt Ruhe aus. Die schönste Strahlung ist die Ruhe. Ruhe ist Freude, ist Teilnahme, ist Erbarmen, ist Gott…

 

Über die Ruhe – von Peter Handtke

 

 

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