Manuskripte

SWR3 Worte

Eine Nikolausgeschichte der Bloggerin und Autorin Susanne Niemeyer 

(…)  Einmal fand ich eine Rose an der Windschutzscheibe (…). Eine rote Rose, sie klemmte hinter dem Scheibenwischer. Kein Zettel dabei, keine Nachricht (…). Ich war beflügelt, in Gedanken bei einem heimlichen Verehrer oder einem gewitzten Freund (…). Mit einem Lächeln schwebte ich durch den Tag. 

Heute werde ich Rosen kaufen. Und sie hinter die Scheibenwischer einiger Autos klemmen. Oder ein paar Nikoläuse in Briefkästen verteilen. Vielleicht auch einen Stern an die Türen meiner Nachbarn hängen. Und dann werde ich mir vorstellen, dass der eine oder die andere überrascht ist. Sich freut und gute Laune bekommt. Weil jemand an ihn gedacht hat. Weil sie schon lange keinen Nikolausgruß mehr bekommen hat. Oder den Tag ganz vergessen hatte.

 

Quelle:

Susanne Niemeyer: Rosen, in: Andere Zeiten e.V. (Hg.): ach!, Hamburg 2007.

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Der Theologe Manfred Lütz schreibt über Jesu Geburt und Tod:

 Ein Gott, der kein Dämon (…) ist, sondern der die Menschen (…) wirklich liebt, kann (…) nicht bloß einen Vertreter schicken oder ein nettes Buch aus den Wolken fallen lassen (…). Er muss selbst kommen. Höchstpersönlich. Und wenn diese Liebe nicht bloß (…) bis morgen früh (…) dauern, sondern wirklich radikal und unwiderruflich sein soll, dann (…) muss Gott bereit sein, sogar zu sterben.

 

Quelle:

Manfred Lütz: Gott, Pattloch Verlag, München 2007, S. 216

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18764

Heute ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Es ist ein Brauch, an diesem Tag den Zweig eines Kirschbaums abzuschneiden und ins Wasser zu stellen. Pünktlich zu Weihnachten soll er dann aufblühen. Der Lyriker Josef Guggenmos hat ein Gedicht darüber geschrieben:

 

Geh in den Garten am Barbaratag.

Gehe zum kahlen Kirschbaum und sag:

Kurz ist der Tag, lang ist die Zeit.

Der Winter beginnt. Der Frühling ist weit…

Baum, einen Zweig gib du mir von dir.

Ist er auch kahl, ich nehm ihn mit mir.

Und er wird blühen in seliger Pracht.

Mitten im Winter, in der heiligen Nacht.

 

Quelle:

Andere Zeiten e.V. (Hg.): ach!, Hamburg 2007, S. 13

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18763

Download zu 37 % abgeschlossen.

Ich warte.

Download zu 39 % abgeschlossen.

Der Balken wächst.

 

Ich beginne nachzudenken:

Gibt es für mich auch einen Balken? Eine Sanduhr, die rieselt?

Zu wie viel Prozent bin ich selbst abgeschlossen?

Was wäre, wenn der Download meines Lebens beendet wäre?

Hätte ich gefunden, was ich suche?

Wäre ich zu 100 % ich?

Wäre ich tot?

 

Ich bin verwirrt.

 

Plötzlich muss ich grinsen:

Solange ich mich noch selbst verwirren kann, bin ich noch nicht fertig.

Also kein Grund zur Sorge: Wenn es einen Download meines Lebens gibt, dann läuft er noch! Über den Rest darf sich Gott den Kopf zerbrechen.

 

Ein Text des Theologen Sebastian Schmid.

 

Quelle:

Bischöfl. Jugendamt der Diözese Rottenburg-Stuttgart u.a.: Rückwärts Vorwärts  (Wernauer Adventskalender), Verlag Kath. Bibelwerk Stuttgart, 2012, 13. Dezember.

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Der Ordensmann Bernhard von Clairvaux hat im 12. Jht. einen Brief an einen sehr gestressten Kollegen geschrieben. Burnout scheint ein altes Problem zu sein. Und der Rat von Bernhard  ist aktueller denn je. Er schreibt:

 

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale

und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,

während jene (die Schale) wartet, bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

(…)

Die Schale ahmt die Quelle nach.

Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.

Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen.

 

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. 

Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst, wem bist du dann gut?

Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich.

 

Quelle:

Bernhard von Clairvaux im Brief „De Consideratione“ an Papst Eugen III. Gefunden im Internet unter: http://www.seelsorge-im-alter.de/materialboerse/gottesdienste-andachten/geistliche-bausteine/besinnungen/erweise-dich-als-schale/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18761

Karl Rahner, einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, hat ein Gedicht geschrieben. Es geht um die Heiligen drei Könige. Sie mussten schon in der Adventszeit zur Krippe aufbrechen, da sie einen weiten Weg vor sich hatten. Also ein richtiges Adventsgedicht:

 

Brich auf, mein Herz, und wandre!

Es leuchtet der Stern.

Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg.

Und viel geht dir unterwegs verloren.

Lass es fahren.

Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht,

Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir.

Er wird es annehmen.

Und wir werden finden!

 

Quelle:
Arbeitsgemeinschaft für kath. Familienbildung e.V. (Hg.): Broschüre „Advent und Weihnachten“ aus der Reihe „Hot Spots des Lebens“, Bonn 2013, S.6

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18760

Advent kann auch weh tun. Zu diesem Schluss kommt ein Text aus der Broschüre „Hot Spots des Lebens – Advent und Weihnachten“. Da heißt es:

 Advent und Weihnachten scheinen zwei Gesichter zu haben. Da sind die Kinderaugen voller Glanz im Kerzenschein (…), die besinnliche Stimmung, die Erwartung, dass es ein frohes Fest sein möge.

Gleichzeitig klaffen (…) bei vielen die Sehnsucht nach (…) Gemeinschaft, nach (…) Beziehungen und nach Zeit für sich selbst mit ihrer (…) Realität so stark auseinander (…).

 Für viele wird besonders in dieser Zeit deutlich, was sie im Alltag, in den (…) Beziehungen vermissen und auch in der Festzeit (…) nicht bekommen.

 

Quelle:
Arbeitsgemeinschaft für kath. Familienbildung e.V. (Hg.): Broschüre „Advent und Weihnachten“ aus der Reihe „Hot Spots des Lebens“, Bonn 2013, S.3

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18759