Manuskripte

SWR3 Worte

Ein Vater erzählt:

Meine Tochter zeigt mir ihren ersten Brief, den sie selbst geschrieben hat. Sie strahlt, und sie ist stolz. Sie blickt mich erwartungsvoll an, und was tue ich Dämlack? – Ich überfliege ihn und sage: „Da hast du aber noch einen Rechtschreibfehler. Grühße schreibt man ohne h.“ Sie geht raus, und ich bekomme noch gerade mit, wie sie mit den Tränen kämpft. Dabei sind Eltern doch zum Loben da, nicht wahr?

Wolfgang Gerts, Predigterzählungen – Erzählpredigten, Lutherische Verlagsanstalt Hannover, 2006

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Manchmal zeigen sich große Veränderungen an kleinen Sachen. Bei Insa Krey zum Beispiel. Die hat eine neue Lunge bekommen:

„Ich glaube, ich bin noch in weiten Teilen die geblieben, die ich vorher war. Bis auf die Tatsache, dass ich voller Energie bin und wieder etwas unternehmen kann. Ich habe das nie als fremdes Organ angesehen. Es war gleich meine Lunge. Meine beste Freundin sagt, dass ich anders lache. Das stimmt. Aber das liebt daran, dass ich besser Luft bekomme. Vorher musste ich mit der Luft haushalten, da war Lachen extrem anstrengend.

Chrismon Plus, 11/2014, Hansisches Druck und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main.

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Tanja Wrede hat gekündigt. Jetzt hat sie eine Arbeit, die besser zu ihr passt… und zu ihren Idealen.  

Ja, ich will immer noch gern die Welt verbessern und Werte wie Respekt und soziale Verantwortung in anderen Köpfen verankern, und das geht nicht so wie erhofft. Aber ein bisschen geht es doch. […] Ich bin so was von glücklich in dieser [neuen] Firma. Die hatten einen russischen Kapitän, der sei einer verunglückten Rettungsübung querschnittsgelähmt ist, einen Bürojob bei uns in der Reederei besorgt. Normal wäre in so einem Fall, dass man rund 80000 Dollar an den Seemann als Abfindung zahlt, dann kann der zusehen, wie er klarkommt. Jetzt hat er eine Aufgabe.

Chrismon Plus, 11/2014, Hansisches Druck und Verlagshaus GmbH, Frankfurt am Main

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Wenn Jesus heute leben würde, wie müssten wir ihn uns vorstellen? Der Theologe Lothar Zenetti meint:

Vielleicht triebe er aus einem vom Geld Besessenen den Teufel aus,
organisierte Hilfe für Leprakranke oder stoppte die Fliessbänder einer Raketenfabrik….

Vielleicht brächte er die Hörigen dazu hellhörig zu sein,
teilte Hoffnungen aus an alle Passanten oder begänne von Freiheit zu singen in den großen Verwaltungen….

Vielleicht liefe er von Pontius zu Pilatus für einen Drogensüchtigen,
hungerte unter den Hoffnungslosen von Kalkutta…

oder ließe sich auslachen für seine Reden von einer anderen Welt…

Vielleicht fütterte er auch nur die Vögel im Winter,
hörte der ewigen Stimme zu und öffnete leise dir und mir die Augen…

Gefunden in: Gesegnete Unruhe, Interaktive Besinnung zu Frieden und Gerechtigkeit. Quellenangabe dort: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur, Topos Verlag, Mainz, 2000.

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Soll es an Weihnachten etwas großes sein? Immerhin will man ja zeigen, wie sehr man jemanden lieb hat. Dr. Eckart von Hirschhausen hat da einen Tipp:

Wer sich geliebt fühlt, dem werden materielle Dinge weniger wichtig. Was man auch daran sieht, dass mindestens ein Viertel aller Gutscheine, die im Kerzenschein aus dem Umschlag gezogen werden, nie eingelöst werden. Ich habe noch einen von vor über fünfundzwanzig Jahren von meinen Eltern: Für ein Lexikon. Das war damals vor Internet und Wikipedia etwas Besonderes. Irgendwann habe ich den Moment verpasst, den Gutschein einzulösen. Aber meine Eltern liebe ich immer noch, und ich fühle mich auch von ihnen geliebt – und das ist sowieso das größte Geschenk.

Eckart von Hirschhausen, wohin geht die Liebe, wenn sie durch den magen durch ist?, Rowolt Taschenbuchverlag, 2012

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Männer beten vielleicht auch anders. Peter Modler betet jedenfalls so:

Gott,
Du weißt, wie das ist unter Männern.
Ich denke mir gar nichts weiter dabei,
und auf einmal merke ich, Herr,
dass ich mich aufführe wie in einem Wettkampf.
Und alle Männer um mich herum auch.
Manchmal macht das alte Spiel richtig Spaß:
Wer ist der Beste?

Aber es nimmt mir auch so viel Kraft weg,
wenn ich statt Männern nur Rivalen sehe –
bei Frauen, bei meinem Chef,
überall dort, wo ich Anerkennung möchte.

Mach mich ein bisschen weiser, Herr,
damit ich nicht in jede Falle tappe.
Zeige mir Gelegenheiten
Zu Bündnissen, zu Freundschaft, zum Vertrauen,
statt bloß zur Konkurrenz.

Peter Modler, Für Wanderer und Krieger, Männergebete, Herderverlag, 2005

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Wenn ich 24 Stunden Gott wäre, was würde ich da tun? Drei Jugendliche haben so geantwortet:

Alena, meint: Das ist ein schwierige Frage, aber ich würde wahrscheinlich keine großen Veränderungen vornehmen, sodass der richtige Gott dann wieder da weitermachen kann, wo er aufgehört hat.
Johannes, sagt: Ich würde alle mit Essen und Trinken versorgen, Freibier für alle, Frieden, Deutschland gewinnt die Fußball-WM, Ölreserven auffüllen, keine Schmerzen, keine Umweltprobleme, Diamanten, Gold und Geld ohne Ende für mich.
Und Daniel findet: Ich würde versuchen, das zu tun, was Gott tut, weil das, was er tut, mit Sicherheit richtig ist, denn Gott macht keine Fehler und ist vollkommen.

Thomas Erne, Warum lässt er das zu, Gabriel Verlag 2006

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